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Draußen vor der Tür wird’s eng
Wer es noch nicht wusste, erfährt es in Werbebotschaften, Pressemitteilungen und wo sonst Menschen Texte schreiben: Der Winter steht vor der Tür. Wahlweise die kalte Jahreszeit, die Partysaison oder, wenn noch ein zwei Wochen ins Land gehen, Weihnachten. Es wird also eng draußen vor der Tür. Komisch aber, dass da nur im Herbst der Winter und andere herumstehen.
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Raumforschung in zentrenrelevanten Sortimenten
Wer hier regelmäßig liest, der weiß, welchen Spaß ich an schwurbeligen Formulierungen und geblähten Wörtern habe. Als Beobachterin von kommunalpolitischen Sitzungen stoße ich dabei immer wieder auf schöne Beispiele. Gerade hat sich eines der Gremien in meinem Gebiet mit der Genehmigung für einen Supermarkt befasst. Da geht es unter anderem darum, ob die Nachbarorte einen neuen Markt vertragen. Und das hat nun nichts damit zu tun, ob die Lebensmittel verträglich sind.
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Fluch und Segen des Online-Schreibens
Print macht Probleme, die online nicht kennt. Jeder, der mal für eine Tageszeitung gearbeitet hat, kennt das: Eine Zeitungsseite ist endlich, und alles, was darauf gedruckt werden soll, muss in Form gebracht werden. Das nennt sich Layout, hat zwar wenig Außenwirkung, kann aber mitunter kompliziert sein. Ein Problem, dass sich beim Online-Publizieren nicht stellt. Aber dafür hat das Schreiben fürs Netz andere Tücken.
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Wer ist gefallen, Kunduz oder Kundus?
Am Montag haben die Taliban Kundus eingenommen, die Stadt im Norden, in der zehn Jahre lang deutsche Soldaten stationiert waren. Und die Stadt in Afghanistan, die ich 2006 besucht habe, im Zuge einer halben Dienstreise. Damals war die Sicherheitslage noch einigermaßen stabil, und meine Reisebegleiter und ich sind zu Fuß in der Stadt unterwegs gewesen und mit den Soldaten im offenen Jeep über Land gefahren.
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Die Tücken der geschlechtsneutralen Sprache: Für Asyl (be)werben?
Jeder von uns kennt die Studierenden, die längst die Studenten – und die Studentinnen – sprachlich abgelöst haben. Im Zuge der Bemühungen um geschlechtsneutrale Sprache werden auch Fußgänger zu Zufußgehenden (schreibt man das so?) und zu Teilnehmenden. Doch manchmal werden diese Bemühungen absurd. Gestern gehört: Die Asylbewerbenden.
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Bröckelverlust im Wörter-Sammelsurium
Wörter sind biegsam. Wörter sind Spielwiesen. Wörter werden für eine angeblich oder wirklich gute Sache verbogen, verändert, neu erschaffen. Und Wörter sind einmalig bei bestimmten Berufsgruppen. Ich mag solche Wörter und ich sammele sie. Und so ist ein buntes Sammelsurium zusammengekommen. Einblick in die Sammelkiste gefällig?
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Von Lagern und Lägern
Dass das Klagen zur Stellenbeschreibung unserer Bauern gehört, ist ja nichts Neues. Lerne klagen ohne zu leiden, sozusagen. Und was gibt ihnen Anlass zu eben jenen Klagen. Natürlich, das Wetter. Zu kalt, zu nass, zu heiß, zu trocken – vor jede Angabe wird beinahe reflexartig ein „zu“ gesetzt.
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Euphemismus-Tretmühle: Wann wird das Wort „Mensch“ negativ besetzt?
Ich hätte es wissen müssen: Unsere Gesellschaft ist so auf Wörter fixiert, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis jemand den Begriff Flüchtling an den Pranger stellt. Es gibt jetzt die Forderung, nicht mehr Flüchtling zu sagen, sondern Mensch auf der Flucht. Eine Wandlung, die bereits der Begriff Behinderter erfahren hat. Immer mehr setzt sich die Bezeichnung Mensch mit Behinderung durch. Diejenigen, die das vertreten, argumentieren, damit sei der Mensch in den Mittelpunkt gerückt, nicht die Behinderung – oder eben die Flucht.
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Unbeantwortet: Was ist falsch an der St.-Marien-Kirche?
In Lübeck und Rostock heißt sie Petrikirche, in Hamburg St. Petri. Dass lässt sich übertragen auf Marienkirche und St. Marien, Michaeliskirche und St. Michaelis und Andreaskirche und St. Andreas. Was nicht geht, ist St.-Petrikirche oder St.-Andreaskirche, auch wenn es immer wieder vorkommt. So habe ich es gelernt und so halte ich es seit Jahrzehnten.
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Erlebbar – ein nicht mal temporär zu ertragendes Wort
In jüngster Zeit nerven mich zwei Wörter, die zunehmend in allerlei Texten auftauchen: temporär und erlebbar. Das eine ist für viele unverständlich, das andere ist das, was ich ein Krückenwort nenne: Man weiß, was man sagen will, kann es aber nicht richtig ausdrücken. Also erfindet man eine Krücke.
























