Wenn PR-Agenturen schwurbeln: Traumpfädchen in Startlöchern

Als Journalistin flattern mir beinahe täglich Texte von PR-Agenturen ins Mailfach. Manches davon hebe ich auf, um es hier irgendwann einmal zu präsentieren, nicht wegen des Inhalts, sondern wegen der dort kreierten Wörter und Floskeln. Heute: das Traumpfädchen.

Die dazugehöre PR-Meldung bezieht sich aufs Wandern, genauer auf das Wandern in einer Premium-Wanderregion. Hätte nur noch gefehlt, dass von einer Premium-Wanderdestination die Rede gewesen wäre. Destination ist das Lieblingswort aller Touristiker, das Nicht-Touristikern oft gar nichts sagt. Urlauber schwärmen von tollen Orten, nicht von tollen Destinationen. Destinationen, die etwas auf sich halten, sind übrigens immer Premium.

Traumhafte Pfade mit Nachwuchs

Wandern also in einer solchen Premium-Region. Dort gibt es, verrät der PR-Text, bereits viele Traumpfade. Heutzutage wandern und wandeln Wanderer nicht auf Wegen, sondern auf Traumpfaden. Und da diese Traumpfade „Nachwuchs bekommen haben“, wie es in der Mitteilung heißt, gibt es nun also Traumpfädchen. Klar, Kinder werden mit der Verniedlichungsform bezeichnet. In diesem Fall sind es nicht nur Traumpfädchen, sondern auch noch Premium-Spazierwanderwege. Spazierwanderwege!

Es folgen noch etliche schlimme Floskeln. Die Traumpfädchen „stehen in den Startlöchern“, „treffen den Nerv der Zeit“ und sind damit „Vorreiter“. Auch gut zu wissen, dass die Traumpfädchen „unverlaufbar markiert“ sind und obendrein durch ihre Kürze und mehr Bänke an ihnen dem demografischen Wandel Rechnung tragen. Super-Traumpfädchen sozusagen.

Aus den Startlöchern vor die Tür

Ich hätte gar nicht die ganze Pressemitteilung durchgelesen, wären die Startlöcher, in denen die Traumpfädchen stehen, nicht schon im Betreff aufgetaucht. Die Startlöcher stehen bei mir auf dem Index, es sei denn, ich schreibe über Läufer. Immerhin stehen die Traumpfädchen nicht vor der Tür, auch eine gerne genommene Formulierung.

Zugegeben, einen ordentlichen längeren Text über irgendwelche neuen Angebote zu schreiben, ist eine Kunst. Der Autor der Traumpfädchen-Mitteilung beherrscht sie nicht. Was bin ich froh, dass ich mich mit so etwas nicht herumschlagen muss. So richtiger handfester Journalismus ist doch etwas ganz anderes als aus Nichts sprachlichen Schaum zu schlagen. Wobei: Wanderwege sind doch etwas Wunderbares, um daraus schöne und lesenswerte Texte zu machen. Das ist hier nicht gelungen. Die @floskelwolke hätte ihre helle Freude daran.

Hier steht ein ganzer Sack voll schönster Floskeln vor der Tür.

Ein Kommentar

  1. Ich bin gelernter Kaufmann. Mein Bloggen ist, finde ich, immer noch stark von einschlägigen Formulierungen oder Wortschöpfungen geprägt. Im Kaufmännischen gibts Formulierungen, die auch heute noch altfränkisch klingen. Finde ich jedenfalls. Ich fürchte auch nach über 15 Jahren Bloggerei, dass ich nie spannend oder wirklich bewegend schreiben gelernt habe, weil mir dieses verquaste Kaufmannsdeutsch in den Knochen steckt. Vielleicht gehts den Leuten in der Werbebranche ja nicht viel anders? Wenn ich lese, was manche (gerade auch die Marketingleute in Unternehmen) absondern, muss ich oft laut lachen. Dann lieber doch Kaufmannsdeutsch. Allerdings sind es weniger diese Floskeln, die du zu recht ansprichst, sondern die exzessive Verwendung von englischen Begriffen. Heute nutzt zwar kaum noch einer sein Smartphone, um sich wichtig zu machen. Dafür gibt es einfach zu viele. Bei Marketingleuten setzt dieser Erkenntnisprozess offenbar langsamer ein.

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