Juwelennächte – Ein Ahr-Krimi von Karin Joachim

Regionalkrimis werden immer beliebter. Aber während Nord- oder Ostsee, Alpen oder Taunus Schauplätze wie viele andere sind, schwingt bei Ahr-Krimis seit dem 14. Juli 2021 stets der Gedanke an die Flutkatastrophe mit. Deshalb ist der vierte Ahr-Krimi von Karin Joachim mit dem Titel „Juwelennächte“ ein besonderes Buch. Auch, weil die Autorin selbst bei der Katastrophe alles verloren hat.

Ohne es zu wissen, hat Karin Joachim beim Schreiben der zerstörten Welt im Ahrtal mit ihrem Buch ein Denkmal gesetzt. Stets hat der Leser im Hinterkopf, dass dieses ganz normale Leben, dieses ganz normale Aussehen der Schauplätze des Romans noch vor Erscheinen des Buches sprichwörtlich untergegangen ist. Die Juwelennächte spielen hauptsächlich in Ahrweiler und Bad Neuenahr. Eine Karte vorne im Buch vereinfacht für den Ortsunkundigen das Zurechtfinden in dieser Gegend. Sie zeigt, wo die Orte an der Ahr liegen, auch Schuld, das in der Flutnacht so schrecklich zerstört wurde.

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All das war beim Verfassen des Romans noch unvorstellbar. Karin Joachim lässt in ihrem Buch das mondäne Bad Neuenahr mit seinem prachtvollen Kurhaus mit den markanten Doppeltürmen in all seiner Schönheit erstehen. Es ziert auch das Titelblatt des Romans. Dort feierte die politische, wirtschaftliche und kulturelle Prominenz der jungen Bundesrepublik in den 1950er Jahren die Bundespressebälle. Gesellschaftliche Großereignisse, die in dem Roman eine wichtige Rolle spielen. Deshalb der Titel Juwelennächte.

Der doppelte Fall der Jana Vogt

Im Mittelpunkt steht wie in den drei Vorgängerbüchern der Ahr-Krimis die Tatortfotografin Jana Vogt. Klar, dass jemand wie sie schon berufsmäßig an Schauplätzen von Morden dabei ist. Jana fotografiert aber nicht nur, sie ermittelt auch. Im Fall eines mit Rizin ermordeten Journalisten, den sie kurz vor seinem Tod noch in den Ahr-Thermen kennengelernt hat. Und in einem Fall aus dem Jahr 1954, in dem es um den zwei Männern geht, die offenbar mit Raubüberfällen auf die anreisenden Gäste zum Bundespresseball zu tun hatten und nachts auf der Bundesstraße erschossen wurden.

Dabei lernt der Leser, dass die Anreise offenbar gefährlich war. Es tummelten sich falsche Polizisten auf den Straßen, die die Autos anhielten und anschließend die Insassen um Geld und Geschmeide erleichterten. Und natürlich waren auch echte Polizisten dort, um genau das zu verhindern. Wie die beiden unterscheiden?

Lehrreich und spannend zugleich

Dass es das überhaupt gab, ist eine der schönen Erkenntnisse, die die Juwelennächte dem Leser bieten. Warum der damalige Doppelmord für Jana Vogt eine Rolle spielt und warum er einem alten Mann keine Ruhe lässt, ist eine der Volten, die die Autorin zwischen Gegenwart und Vergangenheit schlägt. Die Auflösung des alten Falls von 1954 soll hier nicht verraten werden. Der Leser darf sich jedenfalls auf eine recht überraschende Wendung freuen.

Karin Joachim und ihr neues Buch Juwelennächte
Autorin Karin Joachim und die Juwelennächte. Foto: privat

In der Gegenwart geht es um den besagten Mord an dem Journalisten, der im Verlauf des Romans manchmal ein bisschen in Vergessenheit gerät. Es geht zudem um einen kriminellen Clan, um korrupte Polizisten, um einen dubiosen Antiquitätenhändler und die ziemlich verworrene Familiengeschichte eines Politikers. All das verwebt Karin Joachim zu einer vielschichtigen Handlung. Manchmal möchte man als Leser der Protagonistin zustimmen. Oder wie Joachim an einer Stelle schreibt: „Und sie fühlte sich verwirrter, je mehr sie nachdachte.“

Der oft abwesende Hauptkommissar

Karin Joachim zeichnet mit Jana Vogt eine liebenswerte junge Frau mit einem liebenswerten Hund. Wir sehen sie in ihrer Dachgeschosswohnung und auf ihrer Dachterrasse, wie sie über alten Akten brütet und über ihre Fälle nachdenkt. Die üblichen Instrumente kriminalpolizeilicher Ermittlungsarbeit stehen ihr nicht zur Verfügung. Durch ihren Lebensgefährten, wenn man es denn so sehen will, Hauptkommissar Clemens Wieland, hat sie doch den einen oder anderen Einblick. Doch das Verhältnis zwischen Jana und Clemens bleibt im Buch seltsam blutleer.

Immer passend zur Handlung kommt dagegen die Sprache daher. Karin Joachim lässt Polizisten reden, wie Polizisten eben reden. Das ist authentisch. Weniger authentisch ist, dass der Journalist offenbar dem Politiker einen Artikel vorlegen wollte, bevor er ihn veröffentlichte. Das macht kein Journalist. Ausnahme: Wortinterviews. Wirklichkeitsnah ist, dass Jana bei ihrem Ermittlungstouren manchmal erst ein paar Runden um den Block drehen muss, bevor sie einen Parkplatz findet. In „Tatort“-Filmen ist das anders, da ist immer alles frei, wenn die Kommissare im Auto heranrauschen. Im echten Leben müssen auch Ermittler einen Parkplatz suchen.

Ein unterhaltsames Lesevergnügen

Karin Joachim legt mit den Juwelennächten* einen Ahr-Krimi vor, in dem sie viele Ebenen und Zeiten miteinander verwoben hat. Ein Lesevergnügen nicht nur für Kenner des Ahrtals. Dass sie bei ihrer Geschichte immer wieder Rückgriffe auf vorangegangene Krimis mit Jana Vogt einflicht, tut dem Verständnis der Geschichte keinen Abbruch. Wer Regionalkrimis mag, sollte unbedingt zu den Ahr-Krimis von Karin Joachim greifen. Nicht nur, aber auch um die Autorin nach der schrecklichen Flutkatastrophe zu unterstützen.

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