Seenotretter im Watt – der ausgeräumte Irrtum

Ich höre und lese viel, auch Romane. Und ich bilde mir ein, über ein recht großes Allgemeinwissen zu verfügen. Deshalb fallen mir sachliche Fehler in solchen Büchern manchmal auf. In einem Fall, es ging um Seenotretter und Wattwanderer, musste ich mich jedoch eines Besseren belehren lassen.

Der Regional-Krimi „Küstenmorde“ von Nina Ohlandt spielt auf Amrum und ein bisschen auf Föhr. Bei Ebbe kann man von Amrum übers Watt nach Föhr wandern. Der Wanderer sollte sich aber auskennen, sonst könnte es sein, dass er entweder schnell von der Flut überrascht wird oder im Kreis läuft, falls Nebel aufkommt. Genau das passiert in dem Buch. Und es gibt eine Passage, in der die Autorin schreibt, die Seenotretter hätten jemanden aus dem Watt gerettet.

Können Seenotretter ins Watt fahren?

Genau da bin ich stutzig geworden. Ich kenne Seenotrettungskreuzer von der Ostsee, und das sind ziemlich große Schiffe. Die sollen ins Watt fahren können? Schwer vorstellbar, es sind doch keine Schlickrutscher. Ich lag mit meiner Vermutung, Wattwanderer zu retten sei für die Seenotretter nur schwer möglich, aber daneben. Das hat eine Anfrage bei der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger zutage gefördert.

Pressesprecher Christian Stipeldey hat mich in einem sehr netten Telefongespräch aufgeklärt. „Es kommt immer mal wieder zu solchen Einsätzen, obwohl das nicht unsere Aufgabe ist“, sagt er. Und: „Wir können mit unseren Einsatzmitteln helfen.“ Ein Seenotrettungskreuzer habe etwa 1,30 bis 1,95 Meter Tiefgang, ein Tochterboot nur 65 bis 90 Zentimeter. Stipeldey: „Wo die nicht mehr fahren können, können Sie zu Fuß gehen.“

Kein sachlicher Fehler festzustellen

Tatsächlich hätten die Seenotretter schon mal, ähnlich wie in dem Buch, eine Frau an der Nordseite von Amrum aus dem Watt geholt. Und sogar ein Pferd hätten sie schon gerettet. Autorin Nina Ohlandt hat also in diesem Fall keinen sachlichen Fehler gemacht. Vielleicht hat sie sogar bei der DGzRS nachgefragt. Das kommt laut Stipeldey durchaus öfter vor, sowohl von Roman- als auch von Sachbuchautoren. „Wir beraten auch den Ravensburger Verlag und Drehbuchautoren.“

„Und wenn wir selbst zu sehen sind, spielen wir uns auch selber“, sagt der Pressesprecher. So sei es in der „Landarzt“-Serie gewesen, aber auch bei „Tatort“-Folgen sowie bei ZDF-Krimis und -Mehrteilern. Das werde wahrgenommen, und wenn doch mal fachliche Fehler auftauchen, gebe es sofort Reaktionen. „Wir haben eine aufmerksame Fangemeinde“, sagt Stipeldey.

Nun, der Fehler, der mir aufgefallen ist, war gar keiner. Immerhin habe ich bei der Recherche für diesen Text mal wieder etwas gelernt. In einem anderen Fall hatte ich übrigens recht mit meiner fachlichen Kritik, nämlich bei der h-moll-Messe und der Sünd der Welt. Und bei Nina Ohlandt und ihren Küstenmorden leiste ich Abbitte.

Gut zu wissen

Gute Hinweise für alle, die sich auf oder an der See bewegen, gibt die Seite sicher-auf-see.de der Seenotretter.

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