Der Mitarbeitende: Wie gendern die deutsche Sprache verschwurbelt

Ich mag die Genderei nicht. Das habe ich hier schon öfter deutlich gemacht. Mir sind die sprachlichen und orthografischen Klimmzüge zuwider, mit denen angeblich alle mitgemeint sind. Sie stören meinen Lese- und neuerdings auch meinen Hörfluss. Vor allem aber verschwurbelt das Gendern die deutsche Sprache. Beispiel gefällig? Der Mitarbeitende.

Seit sich Rundfunk und Fernsehen bemühen, geschlechtergerecht zu formulieren, nehmen seltsame Sprachkonstruktionen laufend zu. Gerade hörte ich einen Beitrg, in dem immer wieder von Mitarbeitenden statt Mitarbeitern die Rede war. Gut, kann man machen, auch wenn es unschön ist. Aber was dann kam, war völlig schräg. Es war die Rede von einem bestimmten Mitarbeiter, eindeutig einem Mann. Aber wie wurde er bezeichnet? Als Mitarbeitender.

Noch ein paar Buchstaben mehr

Im Deutschen gibt es eine Tendenz, möglichst viele Wörter künstlich zu verlängern. Aus Feiern sind Feierlichkeiten geworden, aus Räumen Raumlichkeiten. Jetzt also der Mitarbeitende. Ich warte nur noch darauf, dass eine Mitarbeiterin Mitarbeitenderin genannt wird. Damit wäre die ganze Absurdität des krampfhaften Genderns offensichtlich.

Zudem fällt mir auf, wie wenig gerade in Radio- und Fernsehtexten die geschlechtergerechte Sprache durchgehalten wird. Abgesehen von der seltsamen Konstruktion, einen Mitarbeiter als der Mitarbeitende zu titulieren, wurde in dem Beitrag zwischendurch immer mal wieder doch das generische Maskulinum verwendet. Merke: Wer nicht höllisch aufpasst, fällt immer wieder in das Sprachmuster zurück, das hierzulände üblich und am weitesten verbreitet ist.

Ich fühle mich mitgemeint

Das macht mir Hoffnung, dass sich all die verkrampften Sprachverrenkungen, die mit dem Gendern einhergehen, am Ende doch nicht durchsetzen. Ich als Frau darf diese Hoffnung haben. Ich fühle mich nämlich durchaus mitgemeint, bei „Achtung Autofahrer“ ebenso wie bei „Wir bitten unsere Patienten, einen Mundschutz zu tragen“. Sonst käme ich gar nicht durchs Leben.

Wer seine Mitarbeiter dennoch so ansprechen will, dass sich alle mitgemeint fühlen können, der hat viel bessere Möglichkeiten als die Mitarbeitenden. Die Seite Geschickt gendern nennt viele viel schönere Wörter.

Beschäftigte; Angestellte; Tätige; Belegschaft; Teammitglieder; Arbeitskräfte; Kollegium; Personal; Teammitglieder; Werktätige; Betriebs-/Konzern-/Firmen-/Unternehmensangehörige; bei uns beschäftigte Personen; Festangestellte; Arbeitsgemeinschaft; Arbeitsgruppe; Beteiligte; Crew; Gruppe; Servicekräfte; Servicepersonal; Team.

Geschickt gendern

5 Kommentare

  1. Hach, was für ein erfrischender Beitragender. Ich hätte aber auch noch einen zu bieten. Neulich im Radio:

    „An der Universität ist der Anteil weiblicher Studierender gestiegen.“

    Na dann freuen wir Menschelnde uns alle sehr, oder?

  2. „Zu glauben, durch eine veränderte Sprachnorm politische Versäumnisse heilen und soziale Realitäten umstülpen zu können, ist eine Illusion: Es werden nicht mehr Frauen in Lastwagencockpits steigen, wenn man fortan von «Lastwagenfahrenden» oder «Lastwagenfahrerinnen und Lastwagenfahrern» spricht, solange zukünftige Kapitäninnen der Landstrasse das Steuer nicht selbst in die Hand nehmen wollen.“

    „Ob (dynamischer) Unterstrich, Genderstern, Binnen-I, Doppelpunkt, Beidnennung oder generisches Femininum – nichts davon wird sich in der Sprachgemeinschaft durchsetzen, denn nicht die Schaffung, sondern die Vermeidung unnötiger Komplexität ist eine der Haupttriebfedern für Sprachwandel.“

    https://www.nzz.ch/feuilleton/gendergerechte-sprache-die-diskussion-ist-politisch-vergiftet-ld.1567211

  3. Du sprichst mir aus dem Herzen! Im Blog gebe ich mir Mühe, mitzuhalten. Aber irgendwie bin ich es leid. Ich gehe jetzt in den Widerstand. Ich habe schon angefangen, die Ergänzungen wegzulassen.

    Mir fällt auf, wie eisern – oder sollte ich sagen bemüht – Moderator:Innen oder Vortragende es beispielsweise im Radio und TV durchhalten und diese :Innen Wörter damit so verschandeln, dass ich gedanklich mehr an diesen Konstruktionen als am wichtigen Inhalt kleben bleibe. Das kann nicht gewollt sein.

    Allerdings muss ich einräumen, dass ich ja auch ein alter, weißer Mann bin. Da tut man sich schwerer als die Jungen. In einem anderen Zusammenhang kamen die Türken der „neuen Sprache“ für ältere Herrschaften zur Sprache. Mich hat das so aufgeregt, das ich dem Thema einen Artikel gewidmet habe. Ich räume aber ein, dass das ja nicht so selten bei mir vorkommt. https://bit.ly/3jEEhM7

    1. Da sprichst Du noch einen wichtigen Gesichtspunkt an, den ich gar nicht bedacht hatte: Das Verändern der Wörter lenkt so ab, mich zumindest, dass der Inhalt aus dem Blick gerät. Danke für die Ergänzung.

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