Jahresrückblick: Wenige Fotos und viel Aufregung

Das Jahr, das ist eine Plattitüde, neigt sich dem Ende entgegen. Zeit, darauf zurückzublicken. Die Rückblicke in Radio und Fernsehen sind durch, hier kommt mein persönlicher Jahresrückblick. Die Themen gleichen sich in mancher Hinsicht verblüffend: Corona spielt eine Hauptrolle. Aber auch sonst gab es für uns als Familie und für mich einige Aufregung.

In den vergangenen Jahren habe ich meinen Jahresrückblick hier über Fotos gespielt. Vor allem 2019, als ich so viel unterwegs war wie lange nicht mehr. Aber auch 2018 gab es einen Jahresrückblick in Bildern. Mit Fotos ist es dieses Jahr nicht so weit her, ich habe so wenig fotografiert wie sonst noch nie. Das lag unter anderem daran, dass ich so wenig gereist bin und so wenige Tagesausflüge unternommen habe. Schuld daran ist natürlich die Corona-Pandemie.

Corona konnte uns wenig anhaben

Wobei die Pandemie mich und meine Familie, auch die erweiterte, bisher nicht besonders hart getroffen hat. Niemand musste Gehalts- oder Einkommenseinbußen hinnehmen. Wir können im Einfamilienhaus und mit großem Grundstück in Fast-Alleinlage mitten in Feldern und Wäldern jeden Kontakt vermeiden, ohne uns groß in unserem Bewegungsradius einschränken zu müssen. Selbst als im Frühjahr alle in die Wälder stürmten, war es hier relativ menschenleer.

Auch unsere Hobbys haben fast nicht gelitten. Wir sind geritten, obwohl das Reiten auf Reitanlagen verboten war und nun wieder ist. Aber wir dürfen die Pferde bewegen, um sie gesund zu erhalten, und fürs Bewegen ist auch Draufsitzen erlaubt. Wir sind also nicht geritten, sondern haben unsere Pferde reitend bewegt. Dieses Hobby ist also nicht ausgefallen. Außerdem gibt es noch Stoppelfelder und Strände, um dort zu reiten. Die fallen nicht unter die Definition Reitanlagen.

Abends auf dem Stoppelfeld
Stoppelfeldreiten ist das schönste Reiten überhaupt.

Schwer getroffen hat mich allerdings, dass es seit März keine Chorproben mehr gibt, mit ein paar wenigen Ausnahmen im Spätsommer im Pastoratsgarten mit viel Abstand und dann noch drei oder vier in der Kirche mit ebenso viel Abstand und dem halben Chor. Die andere Hälfte, die Rentner-Abteilung, war zwei Stunden vor der Gruppe der Berufstätigen an der Reihe. Diese insgesamt vielleicht zehn Proben entschädigen aber kein bisschen für den fast totalen Ausfall beim gemeinsamen Singen. Zumal in diesem Jahr Schuberts wunderbare Es-Dur-Messe auf dem Programm gestanden hätte.

Wenn Begegnungen gestrichen werden

Ebenfalls ausgefallen sind Konzerte, Treffen mit vielen Bekannten und andere gemeinsame Unternehmungen. Runde Geburtstage in der Familie wurden nicht gefeiert. Den 85. Geburtstag meiner Mutter im Mai haben wir aus Rücksicht darauf, dass sie und mein Vater zur Risikogruppe gehören, nicht gemeinsam begangen, aber zum Glück Ende August im ganz kleinen Kreis nachholen können. Und natürlich haben wir die Eltern Weihnachten nicht besucht und sie auch nicht zu uns geholt.

Aufregung gab es genug im und am Haus. Wir haben ein neues Badezimmer einbauen lassen, was sich über ein paar Wochen hinzog. Dann kam im Sommer der Schock: Ein Landbesitzer in unserem Dorf will einen Solarpark bauen. 50 Hektar Solarpaneele. Dumm nur, dass die 50 Hektar an unserem Gartenzaun beginnen. Seit mittlerweile 17 Jahren genießen wir die herrliche Aussicht aus unserem Wohnzimmer und von unserer Terrasse, und dann das.

Direkt hinter dem Zaun sollte der Solarpark beginnen und sich hinziehen, soweit das Auge reicht.

Ein Vertreter der Solarfirma kam, schlug uns vor, eine so hohe Hecke anzupflanzen, dass wir den Park nicht sehen können. Das kommt natürlich gar nicht in Frage, dann hätten wir auch in ein Neubaugebiet ziehen können. Dann kam noch das Versprechen, den Wertverlust unseres Hauses auszugleichen. Keine gute Idee. Erstmal wäre das Haus nichts mehr wert gewesen, und den Verlust unserer Lebensqualität hätte das nie und nimmer aufgewogen. Am Ende haben wir und unsere einzigen Nachbarn dem Landwirt ein Alternativgrundstück vorgeschlagen. Dort soll der Solarpark nun gebaut werden, auf 80 Hektar Fläche. Nachbarn gibt es dort gar keine. Was für ein Glück für uns, dass sich diese Alternative gefunden hat.

Viel Arbeit im Job und Meckerei auf Facebook

Beruflich hat mir die Corona-Krise viel Arbeit beschert. Im Frühjahr überschlugen sich die Nachrichten. Ich kann mich an einen Sonntag erinnern, an dem ich dieselbe Geschichte drei Mal neu geschrieben habe. Und ich bin dünnhäutiger geworden, was das Gemecker über Artikel hinter der Bezahlschranke angeht. Da sitzte ich den ganzen Sonntag in der Redaktion und liefere einen Text nach dem anderen, und die Leute auf Facebook mokieren sich darüber, dass „so wichtige Texte in dieser Corona-Krise nicht kostenlos zu lesen sind“.

Mal abgesehen davon, dass sie darüber meckern, während sie selbst ihren freien Tag genießen: Der Bäcker gibt mir die Brötchen auch nicht kostenlos, bloß weil Corona ist. Zumal alle Informationen an anderer Stelle frei zugänglich sind. Man muss sie sich nur zusammenklauben und sie selbst einordnen. Das übernehmen wir Journalisten, auch zu Zeiten, in denen viele andere nicht arbeiten, und dafür wollen wir gefälligst auch ordentlich bezahlt werden. Wer heute seriöse Nachrichten nicht bezahlen will, wird morgen gar keine seriören Nachrichten mehr bekommen. Ganz einfach.

Spazieren und fotografieren

Genug gemeckert. Es gab auch Schönes dieses Jahr. Viele Tagesausflüge und lange Spaziergänge. Ich habe das Wort Promenadologie für mich entdeckt und bin immer noch ganz entzückt darüber. Diesen Spaziergängen mit Entdeckungscharakter habe ich etliche schöne Fotos zu verdanken. Da war etwa der Angler, der in Pelzerhaken bei Neustadt in Holstein auf dem Steg seinem Hobby nachging.

Petri Heil
Im Januar in Pelzerhaken: Angler vor Sonnenunterang.

Im Februar bin ich einen Tag in Hamburg gewesen, um mir endlich die Elbphilharmonie in Ruhe anzusehen. Die Fahrt mit der tollen Rolltreppe, das Umherstreifen auf der Plaza und auf dem umlaufenden Balkon, die vielen verschiedenen Eindrücke in diesem tollen Bau haben mich begeistert. Hinterher bin ich noch durch Hamburg gelaufen, eine Stadt, die ich immer gern besuche.

Mein Tag in der Elphilharmonie
Die Tube, die berühmte Rolltreppe in der Elbphilharmonie, hat mich begeistert.

Immer wieder und in diesem Jahr besonders oft verschlägt es mich an die Ostsee. Während es dort im Sommer brechend voll war, Strände wegen zu viel Gedränge gesperrt werden mussten, war es im Februar noch herrlich ruhig am Strand. Die wenigen Spaziergänger verteilten sich bei alles andere als schönem Wetter. Da hat noch niemand an Corona gedacht, sicheren Abstand gab es trotzdem.

Zwischen den Schauern
Die Ostsee in Scharbeutz im Februar, bevor der nächste Schauer niederging.

Die Spaziergänge und Tagesausflüge haben sich über das ganze Frühjahr, den Sommer und den Herbst fortgesetzt. Mal war Lübeck mein Ziel, mal Heiligenhafen, dann nach den ersten Lockerungen Laboe, wo ich mir das Ehrenmal genauer angesehen habe. Im Juli habe ich das Fagus-Werk in Alfeld besucht, was ich schon lange vorhatte. Es war gerade ein bisschen Corona-Pause, das Museum hatte geöffnet. Ich bin drei Stunden mit Maske durchgelaufen und habe sie schon nach zehn Minuten vergessen gehabt. Geht doch.

Faguswerk Alfeld
Das Fagus-Werk in Alfeld ist ein frühes Beispiel der Bauhaus-Architektur.

Im Herbst stand dann noch ein langer Spaziergang durch Ratzeburg mit Besuch des Doms auf dem Programm. Auch dort natürlich mit Maske, aber es war kein Problem. Menschen waren ebenfalls kaum in der Kirche und auch nicht in der Stadt, nur ein paar versprengte Spaziergänger. Wer sich in der eigenen Umgebung umguckt und da und dort herumspaziert, kann ebenso viel entdecken und so viel Spaß haben wie bei großen Reisen. Ich habe es ausprobiert und kann es nur bestätigen.

Längsschiff des Ratzeburger Doms, Blick auf die Orgel
Das Kirchenschiff des Ratzeburger Doms, vom Altar aus gesehen.

Das Jahr 2020 war auch das Jahr, in dem ich die häusliche Technik aufgerüstet habe. Im Frühjahr musste angesichts der drohenden Arbeit im Homeoffice ein neuer großer Bildschirm her, den ich zunächst nur privat genutzt habe. Als ich Anfang November zum Arbeiten nach Hause geschickt wurde, hat er sich ausgezahlt. Der Dienstlaptop ist jetzt damit verbunden, so dass ich bequem sogar Seiten layouten kann, ohne mir die Augen zu verrenken. Dafür ist der Privatlaptop abgekoppelt. Zum Glück hat er ein so großes Display, dass ich bequem daran arbeiten kann.

Investitionen in guten Klang

Wer viel zu Hause ist, hört viel Musik. Also habe ich mir ein Internetradio gegönnt und bin seitdem ganz begeistert davon. Die Vielfalt der Sender, der glasklare Klang, das ist so wunderbar. Das Radio macht mir täglich mehr und mehr Freude. Ich habe es etwas später noch mit einem Funkkopfhörer ausgestattet. Der hat zwar zunächst nicht funktioniert. Aber guter Service des Verkäufers ist halt viel wert.

Blog, die ich gerne lese

Wie immer beim Jahresrückblick gibt es an dieser Stelle noch ein paar Leseempfehlungen für andere Blogs. Die Entdeckung des Jahres ist für mich Christa Chorherr. Sie bloggt nicht nur überaus fleißig, sondern spricht mir bei vielen Themen aus dem Herzen. Christa ist eine gute Beobachterin, verfügt über ein ungemein breites Allgemeinwissen und hat einen warmen Blick auf die Menschen und Begebenheiten, über die sie schreibt. Auf sie aufmerksam geworden bin ich bei einem Blogpost über den Schreibtisch ihres Mannes.

Bei Llewella und Quiltfru lese ich schon seit Jahren leise mit auf ihrem Blog Cotoneaster – nein danke. Dieses Jahr habe ich das erste Mal einen Kommentar dagelassen und eine sehr nette Antwort darauf erhalten. Hinter dem Cotoneaster verbirgt sich ein typisches Privatblog wie meines hier, eine Art Gemischtwarenladen mit den Themen Pferde (natürlich etwas für mich), Garten (naja) und Quilten (kann ich nicht, mag ich aber). Die Geschichten sind privat, oft kurz, aber immer nett zu lesen.

Auch Haltungsturnen von @luebue lese ich schon lange. In diesem Jahr durfte ich Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach persönlich kennenlernen, nachdem ich seit Jahren auf dem Heimweg an dem Islandhof von ihm und seiner Familie vorbei fahre. Isländern gilt sowieso meine ganze Liebe, wir hatten in meiner Kindheit welche. Wenn ich auch mit manchem, was Luebue schreibt, nicht übereinstimme, hat mich doch sein Text „Da sein“ sehr berührt. Solche wunderbaren Texte finde ich auf seinem Blog immer wieder.

Das war mein Jahresrückblick 2020. Jetzt freue ich mich auf 2021, in der Hoffnung, dass Corona besiegt wird und unser altes Leben wiederkommt. Wenn nicht, kann und werde ich es auch aushalten. Ich jammere nicht, dazu habe ich keinen Grund. Meine Gedanken gelten denen, denen es in dieser Situation nicht gut geht, ob gesundheitlich, wirtschaftlich oder psychisch. Ich hoffe, dass es allen bald besser geht.

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