Badsanierung: Kalte Duschen und neue Erkenntnisse

Wer ein Haus hat, kennt das: Es ist immer irgendetwas zu machen, zu renovieren, zu erneuern. Mal eine Kleinigkeit, mal ein Großprojekt. Es gibt aber kaum etwas, was so aufwendig, so stressig und vor allem so teuer ist wie eine Badsanierung. Von eckigen Armaturen und Spiegelschränken mit Lichtorgel.

30 Jahre hatte unser altes Bad auf dem Buckel. Darin eine Wanne, in der seit Jahren niemand mehr gelegen hat, und ein Bidet, das gerade mal noch zum Füße waschen nach dem Strandbesuch diente. Der Einstieg in die Dusche war hoch und schmal, die Fliesen entsprachen nicht mehr dem heutigen Geschmack. Also ran ans Bad und alles erneuern. So eine Badsanierung ist eine Qual für den Bauherren und seinen Geldbeutel.

Am Anfang steht die Planung

Der Anfang ist noch leicht: Der Klempnerbetrieb unseres Vertrauens schickte seinen Planer, der per Laser das alte Badezimmer ausmaß und mit einem schicken Computerprogramm den Grundriss des neuen entwarf. Dann folgte der Besuch beim Badausstatter, mit dem der Betrieb zusammenarbeitet. Da haben wir uns vor Schreck erst einmal auf den Hintern gesetzt.

Alles sehr schick, was da aufgebaut war. Ein Musterbad hübscher als das andere. Die mit viel Gold und ausgefallenen Farben haben wir gleich links liegen gelassen. So etwas übersieht man sich schnell. Ein Klo und die dazugehörige Drückerplatte auszusuchen, ist kein Kunststück. Das Farbkonzept fürs neue Bad war klar, die Farbe des Unterschranks ebenfalls. Dann ging es an die Armaturen. Merke: Eckig ist deutlich teurer als rund. Oder anders ausgedrückt: Die Duscharmatur mit Handbrause und Regendusche kostet in eckig 1800 Euro, in rund 800 Euro. Da fällt die Wahl nicht schwer. Gelernt haben wir beim Badausstatter auch ein paar hübsche Wörter.

Lichtorgel überm Waschbecken

Das abgefahrenste, was wir gesehen haben, waren die Spiegelschränke. Es gibt sie natürlich mit diversen Lichtarten und -formen, mal mit Lichtleisten oder mit Lichtpunkten. Und es gibt sie mit farbigem Licht, das per Fernbedienung umgestellt werden kann von Blau auf Rot oder was auch immer. Was für ein Quatsch. Abgesehen davon, dass das kein Mensch braucht, wollte ich im Bad nicht noch eine Fernbedienung herumliegen haben. Was auch nicht in Frage kam: Ein Multimedia-Spiegelschrank mit Touchscreen und Internetanbindung. Gibt’s alles, ungelogen. Wir wählten ein schlichtes Modell.

Mitte Juni ging’s los. Am Anfang stand der Abriss. Der ist laut und dreckig, geht aber fix. Alles raus in den Container und weg damit. So ein Badabriss ermöglicht auch, mal einen Blick in 30 Jahre alte Rohre zu werfen. Die hatten nur noch den halben Durchmesser von dem, der es ursprünglich mal war. Kalk hatte sich in dicken Schichten abgesetzt. Irgendwann hätten wir ein Problem gekriegt.

Die gelbe Schlange ist übrigens die Staubabsauganlage.

So eine Badsanierung erfordert viele Arbeiten, die beinahe unsichtbar sind. Unter dem Fußboden des Badezimmers, also unter der Kellerdecke, haben viele neue Rohre ihren Weg gefunden: Wasserleitungen zu Dusche, Klo und Waschbecken, Abwasserleitung, Zulauf zum Heizkörper. Wenn schon erneuern, dann richtig. Nichts wäre ärgerlicher, als ein, zwei oder drei Jahre nach einer aufwendigen Badsanierung einen veritablen Rohrschaden zu haben.

Viel los unter der Kellerdecke.

Wer nun glaubt, nach dem Abriss ist schnell zu sehen, wie das neue Bad wächst, der täuscht sich. Erstmal muss Putz aufgebracht, dann Estrich verlegt werden. Der muss trocknen. Das dauert. Ein Warmluftgebläse sollte die Sache ein wenig beschleunigen. Schnell entwickelte sich das halbe Haus zu einer Sauna. Aber der Estrich härtete aus. So richtig etwas zu sehen war immer noch nicht.

Ein Gewerk nach dem anderen

Großer Auftritt Fliesenleger. Innerhalb von zwei Tagen wuchs die neue Wandverkleidung und der neue Fußboden. Jetzt endlich sah das alles ein bisschen mehr nach dem aus, wie wir es uns vorgestellt hatten. Dann war der Maler an der Reihe. In die Decke wurden die neuen Strahler eingelassen. Es ging voran, aber nach einem Bad sah es immer noch nicht so richtig aus. Bis endlich die Installateure kamen und Dusche, Klo, Waschtisch und Spiegelschrank montierten. Voila. Bad fertig.

Damit endete auch die Zeit der kalten Duschen. Drei Wochen lang sind wir zum Duschen in die Stalldusche von Bauer Jochen gefahren. Die läuft über seine alte Ölheizung, an der die Umlaufpumpe nicht mehr richtig funktioniert. Das Wasser war allerhöchstens handwarm. Zum Glück war es um diese Zeit draußen noch heiß, die Kältewelle mit 14 Grad Höchsttemperatur kam erst etwas später. Dennoch: Wer hat schon Lust, morgens erst einmal ins Auto zu steigen, um zum Duschen zu fahren? Immerhin weckten uns die kalten Duschen zuverlässig auf.

Es ist vollbracht

Jetzt ist alles fertig und fast alles bezahlt. So eine Badsanierung macht den Bauherren arm. Eine neue Küche – haben wir bereits hinter uns – ist ein Klacks dagegen. Immerhin kann ich jetzt morgens beim Betreten der barrierefreien Dusche darüber nachdenken, dass sich die Investition gelohnt hat. Einen Zuschuss vom Staat für altersgerechtes Wohnen gibt es übrigens auch noch. Den beantrage ich, wenn alle Rechnungen da sind. Eine fehlt nämlich noch.

Alles schick: Das neue Bad.

Jetzt ist das Bad fertig und wir sind erleichtert (nicht nur ums Geld). Es stehen zwar, wie es bei Häusern nun mal ist, noch einige Projekte an, aber die müssen warten. Fast vier Wochen Baustelle im Haus sind erst einmal genug. Keine Lust mehr auf mehr Dreck und Lärm.

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