Eingedeutsches Der-Die-Das

Ein Blog-Artikel beschäftigt die Blogger-Welt: Ist Der-die-das Blog ein Ding oder ein Mann, genauer sächlich – also „das Blog“ – oder mannlich – „der Blog“.

Losgetreten hat die Debatte Anantol Stefanowitsch in seinem Sprachblog (wie gut, dass dieser Satz für den wie das Blog gleichermaßen richtig ist).

Hier der Text „Das Blog ist tot, es lebe der Blog“ zum Mitdiskutieren:

http://www.scilogs.de/wblogs/blog/sprachlog/sprachgebrauch/2011-08-25/das-blog-ist-tot-es-lebe-der-blog

Die Debatte zeigt ein Problem, das nicht so leicht zu lösen sein dürfte. Welches Geschlecht haben aus dem englischen eingedeutschte oder übernommene Begriffe? Das ist eine Frage, der sich semantisch nachgehen lässt. Welche Bedeutung hat das jeweilige Wort und welches Genus hat es. Die zweite Herangehensweise ist die über das Sprachgefühl. Und das kann nicht nur schichtspezifisch, sondern auch regional sehr unterschiedlich sein.

Ich kann mich an meine Kindheit und die Frage nach Cola erinnern. Ich schreibe bewusst Cola ohne Geschlecht, denn welches hat Coca Cola? Ich habe immer bestellt und bestelle heute nicht mehr – weil ich gar keine mehr trinke – eine Cola. In Filmen oder Büchern habe ich oft gehört und gelesen, dass jemand ein Cola oder ein Coke trank. Ist Cola weiblich, männlich, sächlich oder einfach viel zu süß?

Was mich an der Blog-Diskussion aber am meisten begeistert, ist die Vehemenz, mit der hier gestritten wird. So lange sich so viele Leute so sehr über unsere Sprache und unsere Grammatik oder unseren Schreibstil ereifern, ist mir um die deutsche Sprache nicht bange. Das hat schon die letzte, heftig diskutierte Rechtschreibreform bewiesen, und das beweisen die Kommentare auf Scilogs. Gott sei’s dem Blog gedankt.

 

Sintflut der Fotos

Ein kleines Erlebnis im Urlaub: In der Barbarossa-Höhle am Kyffhäuser kaufe ich eine Eintrittskarte und für zwei Euro eine Fotogenehmigung. Anmerkung auf der Rückseite: Fotografieren bitte nur ohne Blitz, die Veröffentlichung der Bilder ist untersagt (so die Kurzform, das Ganze war deutlich ausführlicher ausgeführt). Also rein in die Höhle, 1600 Asa eingestellt, Gorillapod unter die Kamera geklickt und fotografiert. Alle anderen haben auch auf den Auslöser gedrückt, auf den ihrer Handys oder Minikameras,  und immer schön geblitzt dabei. Der junge Geologe, der durch die Unterwelt führte, hat’s einfach so hingenommen.

Ritschratschclick im Digitalzeitalter

Ich  möchte ja nicht wissen, wie diese Fotos aussehen? Die Hälfte davon dürfte nicht zu gebrauchen sein, ähnlich denen, wenn ein Konzertbesucher vom obersten Rang der Kieler Ostseehalle mit dem eingebauten Blitz seiner Minikamera die Bühne ablichtet. Was mir aber noch bemerkenswerter erscheint ist die Frage, wer sich diese Fotos wann und vor allem wie oft anschaut. Wir ertrinken in Fotos. Seitdem kein Film mehr gekauft und eingelegt werden muss und jedes Foto so schnell wieder gelöscht werden kann wie es gemacht wurde, wird fotografiert als gäbe es nichts anderes mehr auf der Welt. Die Sintflut der Bilder ist weitaus größer als die echte. Wer braucht diese Fotos? Wer will diese Fotos? Sie sind Wegwerfware geworden.

Klick-Klick-Klick

Zugegeben, auch ich fotografiere viel. Und vor allem jedes Motiv mehrmals. Als Fotografin für Zeitungen hat man das einfach so drin, jedes Motiv vielfach aus vielen Blickwinkeln. Früher wurden davon Kontaktabzüge gemacht und einzelne mit Lupe und fotografischem Blick ausgesucht. Heute macht die Masse das Bild. Klick-Klick-Klick, und alles, was nichts taugt, wird weggeworfen. Oder auch nicht, denn auch das Aussortieren will gelernt sein. Von beiden Phänomenen will ich mich nicht freisprechen.

Mindert die Masse den Wert?

Was macht das massenweise Fotografieren mit den Bildern? Wie beliebig werden sie? Meine Theorie: Millionen von Fotos versauern auf Festplatten, nachdem sie kurz gezeigt und besehen wurden, etwa nach Urlaubsreisen. Wenn sie dem Fotografen wichtig sind, bitte sehr, soll er sie horten. Einige hunderttausend Bilder finden den Weg ins Internet, in Fotocommunitys oder auf Blogs (darunter auch Fotos von mir). Ambitionierte Hobbyfotografen zeigen hervorragende und herausragende Bilder. Eine Leistung, die mich oft staunen lässt.

Und dann gibt es noch Fotos, die ragen heraus. Wer sehen kann, wird sie finden und für gut befinden und sie im Gedächtnis behalten. Es sind Nadeln im Heuhaufen der Massenfotografie. Zeitlose Dokumente, wunderschöne Bilder, auf Chip gebannte Weisheiten. Fotos, die im Kopf des Fotografen entstanden und im Kopf des Betrachters bleiben.

Die universelle Sprache der Fotografie

Solche Fotos gab es schon immer. Sie sind nicht umsonst heute als Kunstwerke anerkannt, man denke nur an Bilder von Edward Steichen, Alexander Rodtschenko, Robert Capa, Henry Cartier-Bresson, Alfred Stieglitz oder August Sander.

http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_bedeutender_Fotografen

Ihre Bilder sprechen eine universelle Sprache, die bis heute gilt. Viele andere, weniger bekannte Fotografen machen Bilder, die in Qualität und Aussage hervorragend sind. Ich wünsche diesen Bildern, dass sie nicht von der Sintflut der Fotos, die das digitale Fotozeitalter prägen, hinweggespült werden. Es erfordert geübte Betrachter und die Lust an guten Fotos, die Spreu vom Weizen zu trennen. Nicht nur in unserer von Bildern geprägten Welt, sondern vor allem und das ganz besonders auf der eigenen Festplatte.

Ausführliche Gedanken zum „digitalen Bildvergessen“ hat sich Andreas Schelske 2005 beim zweiten Symposium der Deutschen Gesellschaft für Photographie und des Fachbereichs Gestaltung der Georg-Simon-Ohm Fachhochschule Nürnberg gemacht.

Gedanken und Tipps zum Fotos sortieren gibt’s hier:

http://www.foto-howto.de/praesentieren/ordnung-das-aussortieren-der-fotos/

 http://www.goldmann.de/bilder-aussortieren_tipp_127.html

 

 

 

 

Beten online ist wie Bloggen

Beten ist wie Bloggen.  Zwiesprache mit jemandem halten, der kein Zwiegespräch führt, sondern irgendwo da draußen ist. Vielleicht antwortet er und  schickt einen Kommentar. Ober aber er klickt meine Wort einfach nur an, liest sie und bewegt sie im besten Fall in seinem Herzen.

Für den der betet, bloggt oder gar online betet aber sind alle drei Wege eine gute Möglichkeit, die Gedanken zu schärfen. Was will ich sagen? Was bewegt mich? Was wünsche ich mir? Nur wer sein Inneres versucht, in Wort zu fassen, hat genug durchdacht, was ihn bewegt.

Da lob ich mir die Seite www.evangelisch.de

Nicht nur, dass das Hansische Druck- und Verlagshaus (HDV), eine 100%ige Tochtergesellschaft des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik gGmbH (GEP), hier ein umfassendes Online-Angebot bereit hält, dass weit mehr als nur evangelische Christen interessiert. Die Seite bietet auch die Möglichkeit, bloggend zu beten oder betend zu bloggen. Einfach so, für jeden, dem danach ist und ohne Anmeldung. Ein Ort, um Gebete zu allen Katastrophen dieser Welt, aber auch für das eigene kleine Leben zu hinterlassen, für die Ordnung der eigenen Zwiesprache mit Gott und zum Nachbeten für andere.

http://gebet.evangelisch.de/

Tee oder Kaffee?

Kaffee ist der Deutschen liebstes Heißgetränk. Der Verbrauch liegt pro Jahr und Kopf bei 146 Liter oder 6,1 Kilogramm (Quelle: http://www.das-kaffee-lexikon.de). Abgeschlagen ist der Tee dagegen mit 700 Gramm. Die Frage nach Kaffee oder Tee ist aber mehr als nur die nach dem Lieblingsgetränk

Ich bin von Haus aus Teetrinker. Schwarztee mit Zucker und Milch kam in meinem Elternhaus täglich auf den Tisch. Ich mochte und mag ihn bis heute. Kaffee fand ich immer bitter und wenig schmackhaft.

Ich habe begonnen, Kaffee wegen der Wirkung zu trinken. Den passionierten Teetrinker putscht sein Lieblings zugetränk nicht mehr auf. Um den ungeliebten Kaffeegeschmack zu überdecken, habe ich Zucker und Milch hinzu gegeben. Kaffee schwarz war und ist mir ein Gräuel. Irgendwann habe ich wegen der Kalorien den Zucker weggelassen, auf Milch könnte ich nie verzichten. Im Laufe der Jahre ist der Kaffee in meiner Wertschätzung aber immer weiter gestiegen, und heute trinke ich ihn etwa fünf Mal so oft wie Tee. Daran haben die vielen neuen Kaffeesorten und -zubereitungsarten einen nicht unerheblichen Anteil.

Ich habe aber auch geschmeckt, dass Kaffee, wie er in Deutschland angeboten wird, nur das halbe Aroma bietet. Wie gut Kaffee schmecken kann, habe ich auf Bali erlebt, wo die Bohnen in zwei Stunden mit einer von Hand gedrehten Trommel geröstet werden, oder in Costa Rica, wo Kaffee-Zubereitung ein Lehrberuf ist und ein Kaffee-Sommelier zu hohen Ehren gelangt.

Seit ich so viel Kaffee trinke, ist Tee ist für mich etwas besonderes geworden. Mit Tee verbinde ich Lebensart, ich trinke ihn, wenn ich Zeit habe, das Teetrinken zu zelebrieren. Tee muss für mich frisch zubereitet sein, möglichst mit locker treibenden Teeblättern, zur Not auch mit Beuteln, aber das ist nur der halbe Genuss. Tee will in netter Umgebung genossen werden, am liebsten Zuhause, und mit viel Zeit. Er ist nun mal die leckerere Variante aller Heißgetränke. Am liebsten Schwarztee in Reinform, gern auch als Earl Grey mit Bergamotte, mal in der zarten Variante des Darjeeling oder in der kräftigen des Ostfriesentees. Nur mit grünem Tee konnte ich mich nie anfreunden. Meinen größten Teegenuss erlebte ich in Pakistan, wo kräftiger Tee mit Zucker zehn Minuten in einem Kessel über offenem Feuer in Milch gekocht, dann abgeseiht und serviert wird. So etwas Gutes habe ich nie wieder zu trinken bekommen.

Tee oder Kaffee? Die Antwort hat für mich nichts mit dem Getränk, sondern etwas mit der Situation zu tun. Am Morgen, im Büro, bei Konferenzen und Gesprächen muss es Kaffee sein. Daheim gibt es nur eine Antwort: Tee.

 http://www.tee-kompendium.de/index.html

http://www.teeverband.de/frames.html

Das Poesiealbum – ein Zeitdokument

„Deutsch sein heißt gut sein, treu sein und echt!“

Das schrieb der damals 23-jährige Lehrer Curt Frege in das Posiealbum, das sein Bruder Johannes, mein Großvater, gerade geschenkt bekommen hatte. Ein in Leder gebundenes Büchlein mit Verschluss und in Gold geprägten Buchstaben auf dem Einband. Ein Büchlein, das sich heute in meinem Besitz befindet und eine traurige Geschichte erzählt. Aber auch eine Geschichte von unendlicher Sorgfalt, von der Kunst der schönen Schrift und davon, sich für Freunde viel Mühe zu geben. Die Einträge in dem Buch sind kleine Kunstwerke.
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Unser Norden – das schönste Viertel des Jahres

Jetzt ist wieder die Jahreszeit, in der der Norden Deutschlands punkten kann: Hier sind Nächte etwas heller, die Luft ist etwas frischer, die Sonne etwas kräftiger und ausdauernder als im Rest der Republik. Fehmarn ist mit 2000 Stunden Sonne im Jahr einer der sonnigsten Flecken im Lande. Der Norden bekommt obendrein noch ein wenig von der arktischen Mittsommersonne mit, wenn auch nur ganz am Rande. Wer im Juni abends um halb elf noch unterwegs ist, dem geht das Herz auf: Schummerlicht in tiefster Nacht, im Zwielicht leuchten die Felder längs des Weges, einfach schön. Ein Mittsommer wie aus dem Bilderbuch.

Doch diese Freude ist bitter erkauft. Unser Norden, das ist da, wo der Winter lange dauert, wo die Wärme im Frühjahr zuletzt hinkommt, wo sich der Herbst besonders stürmisch ankündigt und der kalte Wind erbarmungslos um die Häuser heult. Das ist da, wo die Menschen von März bis Mai und von September bis Oktober neidisch auf den Süden Deutschlands blicken, und im in schmuddeligen, nasskalten Winter noch neidischer noch ein wenig weiter südlich, da, wo weißer Schnee unter blauem Himmel garantiert ist.

Unser Norden – das ist ein Landstrich der Strickjacken, Wollsocken, Schals, Umschlagtücher, der Mützen und Handschuhe, und das zu drei Vierteln des Jahres. Aber für ein Viertel ist es hoch im Norden so schön wie sonst nirgends. Darum schnell genießen!

Update auf der Hälfte des Sommers 2011: Der Sommer der ein Winter war. Bei 15 Grad Höchsttemperatur an den Hundstagen bitte schon jetzt die Strickjacke, die Umschlagtücher und Wollsocken herausholen. Denke bereits über unsere Sauna nach, da drin ist es wenigstens trocken und warm.