Femizid – ein zu großes Wort

Ich verfolge seit einiger Zeit die Debatten um die Wörter Familiendrama und Femizid. Als Journalistin steht es mir gut an, darüber nachzudenken. Ja, ich finde auch, Familiendrama ist die falsche Bezeichnung. Aber mit Femizid, wie es von vielen gefordert wird, kann ich mich aus zwei Gründen nicht anfreunden.

Da ist zum einen die Verständlichkeit. Wie ich hier schon öfter geschrieben habe, fallen die nach Ansicht von Interessengruppen korrekten Bezeichnungen und verständliche Bezeichnungen oft auseinander. Ich bin sicher, dass 80 Prozent aller Zeitungsleser und Fernsehzuschauer, wenn nicht mehr, mit dem Begriff Femizid nichts anfangen können.

Es klingt nach Genozid

Es ist aber noch etwas anderes, was mich stört. Für mich klingt Femizid nach Genozid. Kein Wunder, sind die Endsilben doch gleich. Ein Genozid aber ist ein Völkermord. Er umfasst alle Taten, die darauf ausgerichtet sind, Gruppen wegen ihre Nation, ihrer Ethnie, ihrer angelichen Rasse oder Religion auszulöschen.

Ist der Femizid dann das systematische Auslöschen einer ganzen Gruppe von Frauen? Oder wie ein Kommentator zu einem Artikel bei Übermedien richtig bemerkte: „,Femizid‘ ist deshalb IMHO völlig unpassend und eine selbstvergessene Verharmlosung von ideologisch/ethnisch motivierten Massenmorden.“

Viele Einzelfälle ohne System dahinter

Bei dem, was die Verfechter des Wortes gerne als Femizid bezeichnet sehen wollen, geht es gerade nicht um das systematische Auslöschen des Lebens von Frauen. Es sind jedes Mal Einzelfälle, oft mit ähnlichen, aber doch jedes Mal etwas anderen Motiven. Wer das Wort Familiendrama vermeiden und Femizid nicht benutzen will, hat doch andere Möglichkeiten. Warum nicht schreiben: „In X-Stadt hat ein Mann seine Frau und seine Kinder getötet“ oder auch „Eine Frau in Y-Stadt ist einem Verbrechen ihres Freundes zum Opfer gefallen. Er hat sie erwürgt/erstochen/erschlagen.“?

Übrigens ein Vorgang, der laut Wikipedia als „intimer Femizid“ bezeichnet wird. Ein Zusatz, der darauf hinweist, dass Täter und Opfer eine Beziehung verbunden hat. Die Kombination von intim und Femizid finde ich mehr als befremdlich.

Schlechte Alternative Geschlechtermord

Um noch ein paar mehr Begriffe zu nennen. Der Femizid wird manchmal auch Feminizid genannt, der Unterschied ist mir nicht ganz klar. Ebenso wie ich die deutsche Übersetzung in Geschlechtermord oder geschlechterspezifische Tötung unglücklich finde. Ich kann den Wunsch, Morde oder Tötungen von Frauen speziell zu bezeichnen nachvollziehen.

Die Wortwahl ist meiner Meinung nach aber genauso schief wie die Tatsache, dass hier Tötungen nach Geschlecht aufgewogen werden. Nicht nur, dass in Deutschland wesentlich mehr Männer eines gewaltsamen Todes sterben als Frauen. Rund 80 Prozent aller Opfer sind Männer. Vor allem aber ist es immer ein Mensch, der Opfer eines grausamen Verbrechens wird.

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