Die Walddörfer Kantorei bei ihrem Auftritt in St. Aegidien Lübeck.
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Fanny Hensel: Drei Kantaten und eine Verbeugung

Die Walddörfer Kantorei hat erst in Lübeck, dann in Hamburg-Volksdorf drei oratorische Werke von Fanny Hensel aufgeführt. Es war auch eine Verbeugung vor einer zu Unrecht zu unbekannten Komponistin.

Fanny Hensel ist vor allem deshalb bekannt, weil sie die große Schwester von Felix Mendelssohn Bartholdy war. Dabei war sie nicht weniger begabt als er. Er hat ihr sogar viel von seinem späteren Können zu verdanken. Sie hat den vier Jahre jüngeren Bruder angespornt, ihm manches beigebracht. Doch ihr selbst blieb eine musikalische Karriere verwehrt – weil sie eine Frau war. So war das damals, und es gab keinen Weg aus dieser Falle heraus.

Drei Kantaten für Chor, Orchester und Solisten

Umso schöner, dass die Walddörfer Kantorei jetzt Fanny Hensel in den Mittelpunkt von zwei Konzerten stellte (13. Juni in Lübeck, 14. Juni, 18 Uhr, in der Kirche am Rockenhof in Hamburg-Volksdorf). Auf dem Programm standen und stehen die drei Kantaten „Hiob“, „Lobgesang“ und das „Oratorium nach Bildern der Bibel“. Die Walddörfer Kantorei wurde begleitet von Mitgliedern der Lübecker Philharmoniker, die Solopartien sangen Amelie Gorzellik (Sopran), Nicole Dellabona (Alt), Timo Rößner (Tenor) und Konstantin Heintel (Bass). Die Chorleitung hat Annedore Hacker-Jakobi (Hamburg), das Konzert in Lübeck dirigierte Olga Zhukova (Lübeck).

Für Zhukova war es gleichzeitig ihr Master-Prüfungskonzert im Studiengang Kirchenmusik an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Ich bin keine Fachfrau und gehöre natürlich nicht zur Prüfungskommission, aber nach meinem Eindruck hat Zhukova ihre Prüfung mit Bravour bestanden. Ihr Dirigat war stets präzise, Chor und Orchester folgten ihre problemlos. Die Solisten unterstütze sie mit klaren Zeichen.

Die Walddörfer Kantorei mit 80 Sängerinnen und Sänger meisterte die drei Kantaten mit Bravour. Auch schwierige Einsätze, ob rhythmisch oder vom Finden der Töne, und Tempiwechsel gelangen ohne Probleme. Lediglich an der Mischung der Stimmen leidet der Chor ebenso wie wohl alle Chöre. Obwohl die Männerstimmen in der Mitte platziert waren und nicht wie sonst oft üblich in den hinteren Reihen, wurden sie von den Frauenstimmen etwas an die Wand gesungen. Sehr positiv fiel die klare Artikulation auf. Der gesungene Text war gut zu verstehen, mitlesen im Programmheft beinahe überflüssig.

Fanny Hensel war bei den Solisten geizig

Chor und Orchester bildeten eine harmonische Einheit, ausgewogen in der Lautstärke. Die Solisten glänzten allesamt in ihren Partien. Amelie Sophie Gorzellik überzeugte mit ihrem glasklaren Sopran, Altistin Nicole Dellabona mit samtenen Tönen, vor allem in den Tiefen. Tenor Timo Rößner gestaltete seine schnelle und anspruchsvolle Arie „Ich bin elend und ohnmächtig“ sicher und überaus lebendig. Bass Konstantin Heintel habe ich schon einmal 2010 gehört und war restlos begeistert von ihm. Auch diesmal hat mich seine Stimme, vor allem in den Tiefen, beeindruckt. Gern hätte ich von allen Solisten mehr gehört, aber Fanny Hensel hat ihnen leider nicht mehr Partien in ihre Kantaten geschrieben.

Fanny Hensel hat dem Chor in ihren drei Kantaten wunderbare Musik komponiert. Vor allem der Trauerchor im Oratorium nach Bildern der Bibel sowie der Schlusschor ließen das Ensemble sein ganzes Können zeigen. Das zu Beginn gemäß dem Untertitel „Musik für die Toten der Cholera-Epidemie 1831“ etwas schwermütige Werk schwingt sich musikalisch zum Ende zu einem Ausdruck der Hoffnung auf göttliche Erlösung auf. So ging dieser Konzertnachmittag mit einem tröstlichen Gefühl und lang anhaltendem Applaus zu Ende.

Werbung mithilfe der KI

Die Walddörfer Kantorei ist in ihrer Organisation professionell aufgestellt. Kartenbestellung per Internet mit Platzwahl, Bezahlung per Kreditkarte. Und natürlich gehört für jeden Chor Werbung dazu. Ein Mitglied des Chores hat mithilfe von KI zwei Comics gebastelt und sie verteilt. Mal ein ganz neuer Weg, um Zuhörer anzulocken. Ich weiß, dass es funktioniert hat. Warum also nicht auch solche Wege gehen?

KI-generiertes Werbeplakat für das Konzert mit Werken von Fanny Hensel.
KI-generierte Werbung für das Konzert mit Werken von Fanny Hensel.

Es war mein zweiter Konzertbesuch binnen einer Woche. Gerade erst habe ich die 3. Sinfonie von Gustav Mahler in Hamburg gehört. Es war ein großes Erlebnis, ebenso wie das Konzert in St. Aegidien. Zu der Kirche habe ich zudem eine besondere Verbindung. Auf den Tag genau 28 Jahre vor dem Lübecker Konzert sind wir in der Kirche getraut worden.

Susanne Peyronnet *1960 Wurzeln in Niedersachsen Leben in Schleswig-Holstein Redakteurin seit 1981 Hobbys: Reisen, Lesen, Reiten Musik: Klassik, Klassik, Klassik (Ausnahme Kammermusik) Länder: Deutschland, Frankreich

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