Reisende Riesen: Öffentliche Kunst in Westerland

Ich war gerade zum ersten Mal in meinem Leben auf Sylt. Vor dem Bahnhof von Westerland steht ein Kunstwerk, das diesen öffentlichen Raum prägt: Reisende Riesen, überdimensionale giftgrüne Figuren, die schräg in der steifen Nordseebrise stehen. Dazu Gepäck und schiefe Straßenlaternen. Solche Kunst für alle, Kunst in der Öffentlichkeit, gefällt mir sehr.

Martin Wolke hat die Figuren erschaffen und sich mit seinem Entwurf 2001 in einer Ausschreibung durchgesetzt. Den Reisenden Riesen geht es wie vielen Kunstwerken, die im öffentlichen Raum stehen. Erst heftig diskutiert und von etlichen abgelehnt, mausern sie sich ganz schnell zu beliebten Fotomotiven und heißtgeliebten Objekten, die niemand mehr missen möchte.

Groß ist nicht gleich populär

Nicht immer ist Kunst im öffentlichen Raum so beleibt, selbst wenn sie spektakulär ist. Der Stahlkoloss von Eduardo Chillida vor dem Kanzerlamt, der die Wiedervereinigung symboliseren soll, ist zwar monumental, Tonnen schwer und oft im Fernsehen zu sehen, aber einen dauerhaften Eindruck hat er bei mir dennoch nicht hinterlassen. Die giftgrünen Reisenden Riesen dagegen haben mich sofort in ihren Bann gezogen.

Die Reisenden Riesen
Die Reisenden Riesen, vom Bahnhof aus gesehen.

Es sind nicht nur die Farbe und die Größe, die ihnen so viel Aufmersamkeit verschaffen. Es ist der Detailreichtum und der Witz in der Darstellung. Etwa der umgedrehte Kopf des Mädchens oder der ausladende Po der Frau, nur knapp bedeckt von einem Rüschenröcken. Es sind die vom Wind in Stromlinienform gepusteten Frisuren, dazu die grünen Straßenlaternen, die ebenfalls schief im Wind stehen.

Die Reisenden Riesen
Knackarsch mit Rüschenröckchen: Die Figuren überzeugen durch ihren Reichtum an Details.
Die Reisenden Riesen
Das Mädchen mit dem umgedrehten Kopf – ein witziger Einfall.

Ihren besonderen Reiz entwickeln die giftgrünen Gestalten am Abend, wenn sie zur Blauen Stunde beleuchtet vor dem Bahnhofsgebäude stehen. Bei meinem Besuch hatte es geregnet, was die dunklen Streifen auf den Figuren erklärte.

Die Reisenden Riesen
Die Reisenden Riesen zur Blauen Stunde.

Martin Wolke hat für Schleswig-Holstein mehrere Großskulpturen dieser Art geschaffen. Ihnen allen wohnt ein gewisser Witz inne. Es sind Kunstwerke, die den Betrachter schmunzeln lassen. Mehr kann Kunst nicht wollen. Mit seinen gegenständlichen Kunstwerken erinnern mich Wolkes Werke an die von Thomas Schütte. Eines davon, „Die Fremden“, steht auf der Lübecker Musik- und Kongresshalle. Wer öffentliche Kunst sucht, kann sie übrigens online finden.

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