Frauen: Warum ein „was für‘n Quatsch“ aus mir herausbrach

Normalerweise tragen ich mein Herz nicht auf der Zunge. Ich bin jetzt so alt, dass ich erst einmal nachdenke, bevor ich meinen Senf zu irgendetwas dazu gebe. Manchmal gehen aber doch die Gäule mir mir durch. Zum Thema Frauen ist mir gerade mal wieder ein „was für‘n Quatsch“ raus gerutscht.

Anlass war ein zitierter Satz aus einem Blogbeitrag von Frau Bergmann. „Es gibt zu viele schlechte Texte von unbegabten männlichen Autoren, weil fast keine Frau im Hintergrund sich traut, aus ihrer Werkstatt zu berichten.“ Ich habe mich spontan an dem Wort „traut“ gestoßen. Ohne den Text gelesen zu haben, ist dann die Sache mit dem Quatsch aus mir herausgebrochen.

Frauen machen Männertexte besser

Mittlerweile kenne ich den Text und finde meinen Ausbruch dennoch verständlich. Trauen sich Frauen wirklich nichts? Frau Bergmann stößt sich nicht nur daran, dass die Mehrzahl der literarischen Texte von Männern verfasst würden. Sondern auch daran, dass vieles, was Männer schreiben, erst durch die Frauen, die es im Hintergrund besser machen, nicht ganz schlecht zu sein scheint. Und dass diese Frauen sich nicht trauen, darüber zu reden.

Frau Bergmann führt das ganze noch ein bisschen weiter aus. Sie schreibt: „Und auch, weil mir in vielen Jahren rund um die Bücher so gut wie keine in ihre Zeilen übermäßig verliebte weibliche Person begegnet ist. Ich denke schon den ganzen Abend darüber nach, aber es fällt mir keine ein. Es sind einfach immer und immer und immer wieder eitle Männer, aus denen die Worte quellen wie Hackfleisch aus dem Drehwolf.“ Noch ein Grund für mich, in ein herzhaftes „Was für`n Quatsch“ auszubrechen. Als wenn Frauen von Haus aus weniger eitel wären als Männer.

Das Leben da draußen ist anders

Ich will diesen Ausbruch erklären. Immer wieder, vor allem in sozialen Netzwerken, wird darüber geklagt, dass Frauen sich nicht trauen, nicht gelassen werden, an gläserne Decken stoßen, vom Patriarchat unterdrückt, klein gehalten und was nicht noch alles werden. Nur dass all das mit meiner Lebenswelt als Frau nichts, aber auch gar nichts zu tun hat.

Gut, ich habe Glück gehabt. Ich komme aus einer Familie, die mir alles mitgegeben hat, ich habe eine gute Ausbildung, einen Beruf, den ich liebe, einen Ehemann, der mich und mein Können anerkennt und alle Möglichkeiten, die Männer und Frauen nur haben können. Vor allem aber hat mich mein ganzes Leben lang niemand daran gehindert, diese Möglichkeiten auszuschöpfen. Schon gar nicht mein fehlender Mut. Wenn es denn überhaupt Mut braucht, als Frau etwas zu leisten. Die Zeiten sind wahrlich vorbei.

Fähigkeiten hängen nicht vom Geschlecht ab

Nun könnte man argumentieren, ich sei ein Einzelfall. Ich stünde halt einfach auf der Sonnenseite des Frauenlebens. Aber genau das ist es nach meiner Beobachtung nicht. Wer sich die vergangenen 70 Jahre ansieht, der muss anerkennen: Es gab und gibt schon immer Frauen, die sich genauso wie Männer auf literarischem Gebiet, und nur darum geht es bei dem Blogpost von Frau Bergmann, einen Namen gemacht haben. Es gibt, das weiß ich als Vielleserin, schlechte Autoren und schlechte Autorinnen, genauso wie es gute Autoren und gute Autorinnen gibt. Es gibt dumme Männer und dumme Frauen, genauso wie es kluge Männer und kluge Frauen gibt. Warum wird das nur immer auf das Geschlecht reduziert.

Auch jenseits des Literaturbetriebs gibt es erfolgreiche Männer und erfolgreiche Frauen. Das ewige Gejammer, Frauen würden nicht wertgeschätzt und machten keine Karriere, weil die Männer sie nicht ließen, stimmt einfach nicht mehr. Deshalb halte ich auch das neue Gesetz, dass eine Frauenquote in Vorständen vorsieht, für überflüssig, ja, sogar für schädlich. Wer will schon eine Quotenfrau sein? So werden Frauen per Gesetz auf ihr Geschlecht reduziert. Wer sich zudem in Behörden und öffentlichen Institutionen umsieht, wird sehen, dass vielerorts bereits Frauen die Spitzenpositionen einnehmen.

Viele Frauen in Leitungspositionen

Ein schönes Beispiel ist ein Prozess vor einem Landgericht – das eine Landgerichtspräsidentin hat -, den ich vor etlichen Monaten beobachtet habe. Von den zwölf unmittelbar Beteiligten waren sieben Frauen: drei Richterinnen, zwei Staatsanwältinnen, eine Gutachterin und die Angeklagte. Auf männlicher Seite standen lediglich ein Gutachter, zwei Schöffen und zwei Verteidiger. Sehe ich mich weiter um, entdecke ich Bauhofleiterinnen, Bürgermeisterinnen, Bauleiterinnen, Uni-Rektorinnen und so weiter, und so weiter.

Gut, wir sprechen hier weitgehend über den öffentlichen Dienst. Aber ich sehe eine ähnliche Tendenz in der Wirtschaft. Auch dort sind die Frauen auf dem Vormarsch. Was mich nicht wundert, wenn ich die taffen jungen Frauen sehe, die an den Unis studieren oder gerade mit ihrer Ausbildung fertig sind. Natürlich können Kinder und Familie sie noch ausbremsen, aber am Ende machen sie ihren Weg. Und davon, dass sie sich nicht trauen, kann schon gar keine Rede sein.

Kein Grund zum Jammern

Unbestritten gibt es noch immer Idioten, die Frauen mit dummen Sprüchen kommen. Das gibt es übrigens auch gegenüber Männern. Jeder Gruppe, ob Männer oder Frauen, hat einen Bodensatz an Leuten, die einfach dumm sind. Dennoch sehe ich keinen Grund, noch immer ausgiebig darüber zu jammern, wie sehr Frauen unterdrückt sind. Sind sie nicht.

Vor allem aber regt es mich auf, wenn alles mögliche auf das Geschlecht reduziert wird. Sehen wir doch einfach den Menschen und das, was er tut und leistet. Egal, ob in einem Beruf, in der Familie, gegenüber seinen Mitmenschen oder sich selbst. Wenn das Mode werden sollte, wird auch kein „Was für‘n Quatsch“ mehr aus mir herausbrechen.

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