Die Parade der historischen Kutschen

Noch einen Ausflugstipp für Christi Himmelfahrt gefällig? Die Fahrergemeinschaft Schleswig-Holstein / Hamburg lädt wieder zum Traditions-Gespannfahren auf Gut Pronstorf im Kreis Segeberg (Schleswig-Holstein) ein. Das beste an dieser großartigen Veranstaltung: Die Kutschen gehen im Laufe des Vormittags auf eine Strecke in der Umgebung des Gutes und kommen dann an meiner Haustür vorbei. Das war schon im vergangenen Jahr so, und abgesehen vom 2011 regnerischen Wetter hatten wir einen Tribünenplatz allererster Güte, ohne überhaupt das Grundstück verlassen zu müssen. Hier ein kleiner Eindruck von der Rundfahrt vor einem Jahr:

Bäckereiwagen, gezogen von Schleswiger Kaltblütern
Bäckereiwagen, gezogen von Schleswiger Kaltblütern
Eleganter Zweisitzer
Eleganter Zweisitzer
Flott und pfiffig: Die Shetland-Ponys
Flott und pfiffig: Die Shetland-Ponys
Die eleganten Braunen vor dem Landauer
Die eleganten Braunen vor dem Landauer
Viersitzer mit Zweiergespann
Viersitzer mit Zweiergespann

Ein ausführlicher Bericht zu der Veranstaltung steht heute in den Lübecker Nachrichten.

Gut leben, gut sterben, gut schmecken: Wider den überzogenen Tierschutz

Unsere glücklichen Cröllwitzer Puten: Erst Garten-Deko, dann Weihnachtsbraten

Ja, auch Tiere haben Menschenrechte. Oder anders ausgedrückt: Niemand hat das Recht, Tiere zu quälen, ihnen Futter, Wasser und eine  angemessene Unterkunft zu verweigern, sie verwahrlosen zu lassen oder unsachgemäß zu töten. Aber es gibt auch einen überzogenen Tierschutz, der sämtliche normalen Maßstäbe außer Acht lässt.
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Denkmal auf vier Hufen

Am Sonntag war Tag des offenen Denkmals. Und Kaltbluttag in Mollhagen im Kreis Stormarn bei Hamburg. Kaltbluttag – das ist auch eine Art Denkmaltag. Die wuchtigen Pferde sind seit Beginn der Motorisierung in der Landwirtschaft zunächst fast völlig verschwunden. Heute sorgen Liebhaber dafür, dass diese Pferde nicht aussterben. Manchmal buchstäblich in letzter Minute, etwa bei den Friesen – zugegeben, heute keine reinen Kaltblüter mehr – und beim Schleswiger Kaltblut. Engagierte Züchter, vor allem der verstorbene Thomas Isenberg von Gut Kamp in Schleswig-Holstein, haben mit den letzten Schleswiger Hengsten diese Rasse gerettet. Ein Denkmal des Landes auf vier Hufen, das schleswig-holsteinische Ackerpferd schlechthin.

Die Mitglieder im Kaltblutverein Mollhagen, und nicht nur die, investieren heute viel Arbeit, Geld und Freizeit, um uns das Schauspiel, das diese Pferde bieten, zu erhalten. Ob vor dem Pflug, der Kutsche oder unter dem Sattel: Beim Kaltbluttag, der jedes Jahr tausende von Besuchern anzieht, zeigen sich die Kaltblüter von ihrer besten Seite. Wer sich dort aufmerksam umsieht, versteht schnell, dass der Spaß, diese Pferde zu besitzen und mit ihnen zu arbeiten, mit viel Aufwand verbunden ist. Zaum, Geschirr und Sattel müssen größer sein als üblich, die Pferdeanhänger stabiler und größer, die Zugautos ebenfalls. Zu besonderen Anlässen wollen die Dicken gestriegelt und gebürstet, die üppigen Behänge gebürstet, Mähnen geflochten und Geschirre gewienert werden. Die Pferde danken es ihren Besitzer mit Leistungswillen und ihrer Gutmütigkeit. Und wer glaubt, Kaltblüter seien behäbig, der wird bei den Darbietungen eines Besseren belehrt.

Die Kaltblutpferde-Freunde erhalten uns ein landwirtschaftliches Denkmal. Deshalb war der Tag des offenen Denkmals gerade der richtige Tag für den Kaltbluttag in Mollhagen.

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Hier geht es zu den Akteuren von Mollhagen und einer Kurzbeschreibung des Kaltblutvereins:


http://www.pferdesport-hamburg.de/Kurzportrait_Kaltblutverein_Mollhagen_2007-08-04.pdf

http://www.hermann-drechsler.de/  

Übrigens: Der nächste Kaltbluttag findet in Mollhagen am 8. September 2012 statt.

Reiten – das ist wie Fahrrad fahren

Sie hatten es mir vorher gesagt: Es ist wie Fahrrad fahren. Das verlernt man nicht. Wer einmal geritten ist, kann es für den Rest seines Lebens. So ganz mochte ich es nicht glauben, als ich mich nach 28 Jahren zum ersten Mal wieder auf ein Pferd gesetzt habe.

Wir hatten Pferde zu Hause. Erst Shetland-Ponys, dann Isländer, und ich habe reiten und laufen gleichzeitig gelernt. Ich habe als Kind auf Pferden gelebt. Mich hat nichts erschreckt und mir hat nichts Angst gemacht, was mit Pferden zu tun hatte. Ich bin oft runter gefallen, ohne dass es mir etwas ausgemacht hätte. Ich bin Reitjagden geritten, ich bin stundenlang auf dem Pferd unterwegs gewesen, entlang großer Straßen und Bahnlinien. Ich habe es genossen, auf einem durchgehenden Pferd zu sitzen, habe es einfach laufen lassen und entspannt die Geschwindigkeit genossen.

Dann kam der Beruf, und ich kam nie wieder auch nur in die Nähe eines Pferdes.

28 Jahre später. Meine Tochter lernt reiten. Ich gucke mir das an, nehme meinen ganzen Mut zusammen, fragte die Reitlehrerin, ob ich es wohl auch noch einmal wagen soll. Sie sagt, ich soll. Holt mir ein halbhohes Pferd, das ganz ruhig sei. Ich sitze auf. Und fühle mich halb gut, halb ängstlich. Ein paar Runden Schritt, dann Trab. Leichttraben. Geht prima. Ich krieg’s ohne Probleme hin. Und steige nach einer Stunde steifbeinig vom Pferd.

Muskelkater! Ich spüre Körperpartien, von denen mir nie bewusst war, dass es sie noch gibt. Das geht ein, zwei Wochen so, dann ist es vorbei. Ich reite und reite. Schritt, Trab, dann der erste Galopp. Wie habe ich das früher bloß hingekriegt, und das auch noch problemlos. Ohne Festhalten geht gar nichts. Doch, es geht. Ein paar Wochen später der erste freihändige Galopp. Kurz. Na also, geht doch.

Die Pferde sind weiter halbhoch. Ich fühle mich sicher so auf halber Höhe. Dann der Schock. Ein neues Pferd für mich. Eine Trakehner-Stute, groß, schwarz, stark. Da soll ich drauf? Ich wage es mit schlotternden Knien (was beim Reiten gar nicht geht, die Knie gehören an die Pauschen, die Unterschenkel an den Pferdebauch). Heute ist die Stute mein Lieblingspferd, ich fühle mich sicher auf ihr, sie geht perfekt an den Hilfen, reagierte auf jeden noch so kleinen Schenkeldruck und nervt mich höchstens durch ihr Phlegma. Sie an ihren faulen Tagen anzutreiben, ist richtiger, echter Sport.

Heruntergefallen bin ich noch nicht. Will ich auch nicht. Und was mich tröstet: Ein Berufsreiter in meinem Alter sagt mir kürzlich, nein, vom Pferd fallen müsse er nicht mehr. Deshalb überlasse er das Einreiten junger Pferde den jungen Pferdewirtinnen in seinem Stall. „In meinem Alter muss ich das nicht mehr haben.“ Recht hat der Mann. Den alten Reiterspruch „Wer noch nicht heruntergefallen ist, hat auch noch nicht drauf gesessen“ habe ich schließlich schon in jungen Jahren übererfüllt.

Zwischen diesen Bildern liegen über 30 Jahre

 

Reitjagd 1974 auf meiner Isländerstute Silka
Reitjagd 1974 auf meiner Isländerstute Silka
Auf dem Reitplatz 2010 auf Trakehnerstute Malaika
Auf dem Reitplatz 2010 auf Trakehnerstute Malaika