Werbung: Die Zapfsäule redet

„Pas Pub“ oder „Pas de Pub“ ist ein häufiger, ein sehr häufiger Aufkleber an französischen Briefkästen. Keine Werbung. Kein Wunder, dass die Aufkleber so häufig sind. Werbung ist überall in diesem Land. Sogar an der Zapfsäule wird der Autofahrer mit Werbung zugetextet. Aber es gibt auch in Deutschland völlig unverhoffte Werbung.

Publicité, also Werbung, ist in Frankreich omnipräsent. Kein Ort, an dem der Franzose nicht mit Reklame aller Art zugeschmissen wird. Im Fernsehen, wo halbstündige Werbeblöcke laufen und zusätzlich Filme dauernd durch Werbung unterbrochen werden. An allen verfügbaren Wänden im öffentlichen Raum. Und jetzt sogar an der Zapfsäule. Damit niemand den Werbebotschaften entkommt.

Wenn die Zapfsäule zu sprechen beginnt

Während unseres Frankreichaufenthalts musste ich ab und zu mal tanken. An einer Tankstelle wurde ich plötzlich von hinten angesprochen. In dem Moment, in dem ich die Zapfpistole in die Tanköffnung gesteckt habe, hörte ich hinter mir eine Stimme. Sie pries mir die tolle Mode an, die ein Geschäft in der Stadt führt. Es lohne sich, vorbeizuschauen. Kommen Sie! Kaufen Sie!

Nun haben französische Zapfsäulen eine Besonderheit. Anders als in Deutschland lässt sich der Griff nicht feststellen, sodass der Autofahrer dort nicht weggehen kann, während der Treibstoff in den Tank fließt. Der Kunde ist gezwungen, den Griff die ganze Zeit festzuhalten, also an der Tanköffnung stehen zu bleiben. Das macht sich die Werbung zunutze.

Werbung, sobald das Benzin fließt

Sie kommt aus einem kleinen Lautsprecher, der unter der Schautafel für Menge, Gesamtpreis und Preis pro Liter angebracht ist. In dem Moment, wo die Pistole in die Tanköffnung gesteckt wird, beginnt die Werbung. Zieht der Kunde die Pistole aus der Tanköffnung, verstummt die Stimme. Unglaublich. Nicht jede Tankstelle hat diese Art der Publicité, aber ich fürchte, es wird nicht lange dauern, dann ziehen alle anderen nach.

Werbung an komischen Orten gibt es aber auch in Deutschland. Auf der Rückfahrt hat der Mann in einen Kaffee gepinkelt. So hat er es mir jedenfalls erzählt. Auf einer Raststätte war über dem Pissoir ein kleiner Bildschirm angebracht. In dem Moment, wo es unten läuft, läuft oben ein Filmchen, in dem Kaffee in eine Tasse fließt. Plus Crema obendrauf. Das ist auch schon anderen aufgefallen.

Lautsprecher auch an der Bushaltestelle?

Mit etwas Fantasie ließen sich doch bestimmt noch weitere Orte finden, an denen Werbung, ob per Bild oder per Ton, anbringen lässt. Etwa an der Bushaltestelle, während da Leute stehen. Plakate kleben da sowieso schon, warum nicht noch einen Lautsprecher anbringen? Oder Werbebotschaften aufgeklebt auf Fußwegen.

Was waren das doch noch für Zeiten, als Werbung nur auf Litfaßsäulen stattfand. Die sind fast völlig verschwunden, was schade ist. Berlin hat gerade mal 24 von ihnen unter Denkmalschutz gestellt, die restlichen sind abgerissen worden. Sie sind genauso aus der Zeit gefallen wie die Reklame auf Taschentüchern. Obwohl: Haben Tempos und Klopapier nicht viel weiße Fläche? Da ließe sich doch noch ein bisschen Publicité anbringen. Auf dem stillen Örtchen entkommt ihr doch auch niemand. Siehe Kaffeereklame auf dem Klo.

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