Bleistift, Anspitzer und Radiergummi – so wichtig

Sie stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Alltagsgegenstände: Bleistift, Radiergummi und Anspitzer. Angesichts dieser nostalgischen Utensilien wird mir immer ganz warm ums Herz. Aber so wie die Handschrift in Zeiten von Smartphone und Computer immer weiter ausstirbt, so werden Schreibwerkzeuge immer mehr zu exotischen Wesen im Biotop namens Büro.

Dabei ist ein Bleistift doch mitunter recht hilfreich, etwa wenn in Büchern etwas angestrichen, ein Kommentar an den Rand oder ein Hinweis aufs Frontblatt geschrieben werden soll. Ein letztes, bisher sicheres Refugium für Bleistift, Radiergummi und Spitzer sind die Weiten der Musik, vor allem der klassischen. Kaum ein Musiker oder Sänger, der nicht vom Dirigenten vorgegebene Hinweise mit Bleistift in seinen Notenblätter notiert. Kommt dann ein anderer Dirigent daher und möchte das Legato abgehackt oder das Andante beschleunigt haben, hat das Radiergummi sein Solo.

Stumpfheit ist kein Schicksal

Deshalb fahre ich in meiner Chortasche, die einen festen Platz im Auto hat, tagtäglich Bleistift und Radiergummi durch die Gegend. Leider waren beide wie meine Kehle wegen Corona monatelang zum Nichtstun verdammt. Sollte der Bleistift angesichts dieser Lage in Stumpfheit versinken, käme der Spitzer zum Einsatz.

Wer sich näher mit diesem nützlichen Gerät befasst, erfährt, dass es unendliche Varianten davon gibt. Der Porsche unter den Anspitzern ist ein Standgerät mit Kurbel aus der Schweiz, das auf den schönen Namen Caran-d’Ache hört.  Bei einem Kilogramm Gewicht ist diese schicke Maschine in der Chortasche allerdings völlig fehl am Platz.

Erinnerungen an die Anspitzmaschine vom Opa

Mein Großvater hatte so eine schöne Maschine auf dem Schreibtisch stehen. Ich weiß leider nicht, wo sie abgeblieben ist. Wahrscheinlich wurde sie wie so vieles aus seinem reichen Fundus auf die Familie verteilt. Ich verdanke dieser Tatsache den Eisbären und die Uhr von Manfred Szyszky. Die Anspitzmaschine ist offenbar irgendwo anders gelandet. Als Kind hat mich übrigens nicht nur die Kurbel daran fasziniert, sondern vor allem die kleine Schublade für die ab geraspelten Bleistiftspäne.

Mein Großvater mütterlicherseits besaß so etwas nicht. Es hat seine Bleistifte mit einem Messer angespitzt. Für ihn als Bauer kam es wahrscheinlich nicht so sehr auf Schönschrift an, sondern vielmehr darauf, immer und überall einen gespitzten Bleistift dabei zu haben. Und ich vermute, irgendeine Art von Messer hatte er ebenfalls immer in seiner Jacke – bei ihm hieß die Joppe – oder auf seinem Trecker.

Der Bleistift versagt auch bei Regen nicht

Auch ich habe immer irgendwo einen Bleistift dabei. Als Reporterin kenne ich dessen Wert: Bei Regen versagt jeder Kugelschreiber. Tintenrolle schon sowieso, die verlaufen komplett, und hinterher kann ich nur noch erraten, was ich da aufgeschrieben habe. Ist mir gerade letztens so gegangen, als ich den Bleistift nicht so schnell gefunden habe.

Ich bin und bleibe also Fan von Bleistiften, Radiergummis und Anspitzern. Nicht nur, aber vor allem beim Singen und Musizieren. Da bevorzuge ich Drehbleistifte, weil die nicht angespitzt werden müssen. Die filigranen Minen sind allerdings nicht für Reportereinsätze. Da muss es der gute alte, ganz normale Bleistift sein.

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