Bäderarchitektur: Die optimale Ausnutzung des Platzes

Unter Bäderarchitektur versteht man üblicherweise hübsche Häuschen in Strandnähe, gerne mit Reet gedeckt oder mit verschnörkelten Giebeln und Balkonbrüstungen aus Holz. Doch es gibt noch eine andere Bäderarchitektur. Eine, die jedes Fitzelchen Platz ausnutzt. Denn Grundstücke in der ersten Reihe am Strand sind teuer, die in der zweiten Reihe nicht weniger.

Deshalb wird bei der Bäderarchitektur jenseits der alten Zeiten so eng wie möglich gebaut. So hoch und/oder verdichtet wie es eben geht. Das ist überall in den Ostseebädern zu beobachten. Wie viele kleine Strand- und Sommerhäuschen mussten schon weichen, um drei- und vierstöckigen Kästen mit Ferienappartements Platz zu machen. Aber auch die vor einigen Jahrzehnten gebauten Sommerhäuschen lassen bereits eine Tendenz zum verdichteten Bauen erkennen.

Verschachtelte Siedlung

In Sierksdorf etwa gibt es genau gegenüber dem Strand eine Siedlung aus Sommerhäuschen, die so dicht bebaut ist, dass der Betrachter kaum weiß, was zu welchem Haus gehört. Die erste Reihe war eben schon immer begehrt. Die Häuschen sind einstöckig und eher schlicht. Vor allem haben sie möglichst alle große Fenster zum Meer und eine Terrasse, von der aus die Ostsee sichtbar ist.

Zwei Häuser? Oder drei? Gar nicht leicht zu erkennen.

Aber auch Neubauten bemühen sich darum, möglichst wenig Platz zu verbrauchen, um möglichst viele Urlauber unterzubringen. Wenn es nicht gerade ein großer Klotz sein soll, wird in Scheibchen gebaut. Ein schönes Beispiel für heutige Bäderarchitektur habe ich in Laboe gesehen. Ferienwohnungen in Scheiben mit Minigarten, eingefasst von Minihecken. Immerhin: Das Blau ist sehr schön.

Die Mini-Gärten bieten gerade mal Platz für einen Strandkorb.

Dass es früher ganz anders ging, habe ich gerade beim Besuch eines alten Mannes erlebt, der in einem Sommerhaus von 1933 lebt. Hoch über der Ostsee, am Ende des Deiches, über den man mit dem Auto fahren muss, um das Haus zu erreichen. Ein herrlicher Platz, sozusagen ein Balkonplatz über dem Ostseestrand. Dass bei Hochwasser schon mal die Ostsee bis in den Garten vordringt und dass das Haus kein architektonisches Juwel ist, spielt dabei keine Rolle. Die Lage ist einfach gigantisch.

Heute wäre es gar nicht mehr möglich, an solchen Stellen zu bauen. Die bestehenden Häuser haben natürlich Bestandsschutz. Wohl dem, der so eines ergattert hat. Der Rest muss sich mit Schachtelsiedlungen oder Scheibchen begnügen. Oder einfach nur an der Ostsee spazieren gehen und dann wieder wegfahren. Ist besser für den Geldbeutel. Und das Meer kann man sich auch Zuhause an die Wand hängen.

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