Goldener November

Allee im November.
Allee im November.

Bismarck hatte im Falle des Weltunterganges geraten, nach Mecklenburg zu gehen, da dort – frei zitiert – alles 50 Jahre später stattfindet als anderswo. Nun lebe ich zwar nicht in Mecklenburg-Vorpommern, aber hart an der Grenze dorthin. Vielleicht liegt es daran, dass hierzulande in diesem Jahr nicht der Oktober der goldene Monat war, sondern der noch junge November. Heute war jedenfalls so ein Tag, der dem Monat das Prädikat „goldener November“  zuschreibt. So ein Tag will genutzt werden: Ich bin heute morgen mit meiner Reitgruppe ausreiten gewesen, und es war ganz wunderbar. Sonne, bunte Herbstfarben, zufriedene Pferde.

Handyfoto - aus dem Sattel aufgenommen.
Handyfoto – aus dem Sattel aufgenommen.

Die Laubfärbung steht jetzt in voller Pracht da. Besonders reizvoll: die Blutbuche, deren Blätter bunt werden. Das alles vor blauem Himmel, so sieht er aus, der goldene November.

Wenn die Blätter der Blutbuche bunt werden.
Wenn die Blätter der Blutbuche bunt werden.

Ich wünsche euch allen, dass ihr auch so einen schönen Sonntag hattet. Wer weiß schon, wie das mit dem November weitergeht.

Im Gleichschritt marsch – für Pferde

Alle Jahre wieder am 14. Juli ist es bei uns zu Hause Pflicht, vormittags französisches Fernsehen zu sehen. Der französische Gatte steht dann stramm zur Militärparade anlässlich des Nationalfeiertages. Auf französisch heißt das etwas netter Défilé und hatte dieses Jahr für Pferdefreunde wie mich ein besonderes Bonbon im Angebot. Die Quadrille der Garde Republicaine. Wer geglaubt hat, nur die Engländer hätten diese wunderbaren Pferdeparaden zur Perfektion getrieben, der muss sich diese Show ansehen. Was das besondere daran ist: Die Pferde bewegen sich im Gleichschritt. Ich habe es staunend beobachtet. Da gab es ganz große Dressur zu sehen, Passagen, Traversen, fliegende Galoppwechsel im Zweiertakt, und das alle tatsächlich im Gleichschritt. Eine reiterliche Meisterleistung. Hier gibt es das Video zum Genießen.

Reiten – das ist wie Fahrrad fahren

Sie hatten es mir vorher gesagt: Es ist wie Fahrrad fahren. Das verlernt man nicht. Wer einmal geritten ist, kann es für den Rest seines Lebens. So ganz mochte ich es nicht glauben, als ich mich nach 28 Jahren zum ersten Mal wieder auf ein Pferd gesetzt habe.

Wir hatten Pferde zu Hause. Erst Shetland-Ponys, dann Isländer, und ich habe reiten und laufen gleichzeitig gelernt. Ich habe als Kind auf Pferden gelebt. Mich hat nichts erschreckt und mir hat nichts Angst gemacht, was mit Pferden zu tun hatte. Ich bin oft runter gefallen, ohne dass es mir etwas ausgemacht hätte. Ich bin Reitjagden geritten, ich bin stundenlang auf dem Pferd unterwegs gewesen, entlang großer Straßen und Bahnlinien. Ich habe es genossen, auf einem durchgehenden Pferd zu sitzen, habe es einfach laufen lassen und entspannt die Geschwindigkeit genossen.

Dann kam der Beruf, und ich kam nie wieder auch nur in die Nähe eines Pferdes.

28 Jahre später. Meine Tochter lernt reiten. Ich gucke mir das an, nehme meinen ganzen Mut zusammen, fragte die Reitlehrerin, ob ich es wohl auch noch einmal wagen soll. Sie sagt, ich soll. Holt mir ein halbhohes Pferd, das ganz ruhig sei. Ich sitze auf. Und fühle mich halb gut, halb ängstlich. Ein paar Runden Schritt, dann Trab. Leichttraben. Geht prima. Ich krieg’s ohne Probleme hin. Und steige nach einer Stunde steifbeinig vom Pferd.

Muskelkater! Ich spüre Körperpartien, von denen mir nie bewusst war, dass es sie noch gibt. Das geht ein, zwei Wochen so, dann ist es vorbei. Ich reite und reite. Schritt, Trab, dann der erste Galopp. Wie habe ich das früher bloß hingekriegt, und das auch noch problemlos. Ohne Festhalten geht gar nichts. Doch, es geht. Ein paar Wochen später der erste freihändige Galopp. Kurz. Na also, geht doch.

Die Pferde sind weiter halbhoch. Ich fühle mich sicher so auf halber Höhe. Dann der Schock. Ein neues Pferd für mich. Eine Trakehner-Stute, groß, schwarz, stark. Da soll ich drauf? Ich wage es mit schlotternden Knien (was beim Reiten gar nicht geht, die Knie gehören an die Pauschen, die Unterschenkel an den Pferdebauch). Heute ist die Stute mein Lieblingspferd, ich fühle mich sicher auf ihr, sie geht perfekt an den Hilfen, reagierte auf jeden noch so kleinen Schenkeldruck und nervt mich höchstens durch ihr Phlegma. Sie an ihren faulen Tagen anzutreiben, ist richtiger, echter Sport.

Heruntergefallen bin ich noch nicht. Will ich auch nicht. Und was mich tröstet: Ein Berufsreiter in meinem Alter sagt mir kürzlich, nein, vom Pferd fallen müsse er nicht mehr. Deshalb überlasse er das Einreiten junger Pferde den jungen Pferdewirtinnen in seinem Stall. „In meinem Alter muss ich das nicht mehr haben.“ Recht hat der Mann. Den alten Reiterspruch „Wer noch nicht heruntergefallen ist, hat auch noch nicht drauf gesessen“ habe ich schließlich schon in jungen Jahren übererfüllt.

Zwischen diesen Bildern liegen über 30 Jahre

 

Reitjagd 1974 auf meiner Isländerstute Silka
Reitjagd 1974 auf meiner Isländerstute Silka
Auf dem Reitplatz 2010 auf Trakehnerstute Malaika
Auf dem Reitplatz 2010 auf Trakehnerstute Malaika