Erntedank: Psalm 104 sagt alles dazu

Heute ist Erntedanktag. Außerdem ist es der Tag, an dem der St.-Johannes-Chor Kücknitz, in dem ich singe, den ersten Gottesdienstauftritt seit Ausbruch der Corona-Pandemie hatte. Das war nur möglich, weil der Gottesdienst draußen stattfand. Sonst war vieles so wie immer beim Erntedank, und natürlich wurde der Psalm 104 gesprochen.

Der Psalm gilt als der Erntedank-Psalm schlechthin. Er ist ein schöner Beweis dafür, dass die Psalmdichter nicht nur an alles gedacht haben, sondern dass die Luther-Übersetzung der Bibel ein Beispiel für Sprachgewalt und gekonnten Ausdruck ist. Im Gottesdienst zum Erntedank wurde nicht der ganze Psalm gesprochen, sondern lediglich die Teile, die sich auf Gottes Lob und den Dank für die Ernte beziehen.

Preise den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, überaus groß bist du!
Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet.

Du lässt Quellen sprudeln in Bäche, sie eilen zwischen den Bergen dahin. Sie tränken alle Tiere des Feldes, die Wildesel stillen ihren Durst. Darüber wohnen die Vögel des Himmels, aus den Zweigen erklingt ihr Gesang. Du tränkst die Berge aus deinen Kammern, von der Frucht deiner Werke wird die Erde satt.

Du lässt Gras wachsen für das Vieh und Pflanzen für den Ackerbau des Menschen, damit er Brot gewinnt von der Erde und Wein, der das Herz des Menschen erfreut, damit er das Angesicht erglänzen lässt mit Öl und Brot das Herz des Menschen stärkt.

Gibst du ihnen, dann sammeln sie ein, öffnest du deine Hand, werden sie gesättigt mit Gutem. Verbirgst du dein Angesicht, sind sie verstört, nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie hin und kehren zurück zum Staub.

Du sendest deinen Geist aus: Sie werden erschaffen und du erneuerst das Angesicht der Erde.

Dazwischen wurde als Kehrreim gesprochen: Aller Augen warten auf dich, du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.

Das größte Geschenk, und das war spürbar, war für Chor, Bläser und Gemeinde aber, dass sie erstmals wieder zusammen musizieren und singen durften. Der Preis dafür waren Eisbeine, klappernde Zähne und Gänsehaut, denn bei zwölf Grad ist es selbst in der Sonne auf Dauer zu kalt, wenn man eine Stunde still sitzt oder steht. Als dann noch der Wind auffrischte, waren endgültig alle durchgefroren.

Immerhin: Es war der 4. Oktober, nicht gerade eine Jahreszeit für Veranstaltungen im Freien, vor allem solche, bei denen man sich wenig bewegt. Aber so war zumindest einmal wieder ein Festgottesdienst in bewährter Form möglich. Offenbar ist die Sehnsucht danach groß, denn es kamen deutlich mehr Menschen auf den Kirchplatz als erwartet. So mussten schnell noch etliche Stühle herbeigeholt und in gebührendem Abstand voneinander aufgestellt werden.

Das dürfte jetzt erst einmal der letzte Gottesdienst im Freien gewesen sein. Warten wir ab, wie sich die Pandemie entwickelt. Irgendwann wird es wieder Chor- und Gemeindegesang in der Kirche geben. Bis dahin müssen wir uns alle gedulden.

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