Schiffe gucken in Kiel mit 9-Euro-Ticket

Ich habe bis 1990 in Kiel gelebt und war seitdem nur selten dort. Das 9-Euro-Ticket bot jetzt eine gute Gelegenheit, die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt zu besuchen. Ich wollte Schiffe gucken. Das ging besser als vermutet, denn seit meinem Wegzug ist in Kiel viel gebaut worden.

Ich bin mit dem Zug von Pönitz nach Kiel gefahren. Bummelzug. Der ist gemütlich durch die Landschaft getuckert und war gar nicht mal übervoll. Auf dem Bahnsteig in Pönitz stiegen sogar nur eine Handvoll Menschen zu. Aber da der Zug aus Lübeck kam, waren doch schon fast alle Plätze belegt. Stehen musste jedoch niemand.

Eine Brücke zum Zusammenfalten

Gleich gegenüber vom Hauptbahnhof liegt die Hörnbrücke. Die gab es damals, zu meiner Zeit in Kiel, noch nicht. Es ist eine Faltbrücke, eine sogenannte Dreifeldzugbrücke. Klingt komplizierter als es ist. Die Lübecker bilden sich etwas darauf ein, dass sie über eine Drehbrücke, eine Klappbrücke und eine Hubbrücke verfügen. Ein Faltbrücke können sie nicht aufbieten.

Die Hörnbrücke in Kiel ist ein filigranes Bauwerk. Sie lässt sich zusammenfalten, wenn Schiffe kommen.
Die Hörnbrücke in Kiel ist ein filigranes Bauwerk. Sie lässt sich zusammenfalten, wenn Schiffe kommen.

Die Hörnbrücke ist lediglich für Fußgänger und Radfahrer bestimmt und führt vom Westufer hinüber aufs Ostufer und zum ebenfalls recht neuen Color-Line-Terminal am Norwegenkai . Das Tolle an der Hörnbrücke: Wer auf ihr steht und in Richtung Förde schaut, hat freien Blick auf mehrere große Fähren, die von dort abfahren. Auf beiden Seite des Wassers liegen die Terminals. Mehr Schiffe gucken geht bald gar nicht.

Von der Hörnbrücke aus hat man einen freien Blick auf den Hafen mit den Schiffen.
Von der Hörnbrücke aus hat man einen freien Blick auf den Hafen mit den Schiffen.

Doch, es geht. Denn Kiel hat wie manche Städte am Wasser eine Besonderheit: Der Öffentliche Nahverkehr findet nicht nur auf dem Land, sondern auch auf dem Wasser statt. Die Schlepp- und Fährgesellschaft Kiel betreibt das, was im Volksmund Fördedampfer heißt. Offiziell heißt es Fördefährlinie und ist nichts anderes als ÖPNV auf dem Wasser. Die Dampfer pendeln zwischen dem Bahnhof (Abfahrt Bahnhofsbrücke) und den Anlegestellen (sozusagen den Haltestellen) Seegarten, Reventlou, Bellevue, Mönkeberg, Möltenort, Friedrichsort nach Laboe. Im Sommer fahren sie sogar weiter bis Falckenstein, Schilksee und Strande. Im Winter wird lediglich das sogenannte Winterdreieck bedient.

Schiffe gucken in Kiel
Der Fördedampfer Friedrichsort trifft zur nächsten Fahrt an der Bahnhofsbrücke ein.

Die Förderdampfer sind nicht nur die Wasserbusse für alle Kieler, sondern sogar Schulbusse auf dem Wasser. Kinder, die vom Westufer zum Ostufer oder umgekehrt müssen, nehmen sie regelmäßig. Für mich ist all das auf zweierlei toll gewesen: Die Förderdampfer gehören zum ÖPNV, damit gilt auf ihnen das 9-Euro-Ticket.

Freie Sicht auf die Schiffe in der Förde

Und sie ermöglichen vom Wasser aus einen freien Blick auf alle Schiffe, die in Kiel liegen. Das sind nicht nur die großen Fähren, sondern war am Pfingstsonntag auch die Aida-Bella, ein Aida-Schiff mit dem berühmten roten Kussmund. Ein Stück weiter liegt die Bussard, ein historischer Tonnenleger, heute ein Museumsschiff.

Schiffe gucken in Kiel
Die Aida-Bella lag Pfingsten in Kiel.
Schiffe gucken in Kiel
Der Tonnenleger Bussard, heute ein Museumsschiff.

Zwar war es auf dem Fördedampfer genauso voll wie im Zug, wahrscheinlich sogar voller. Aber ich habe ein Plätzchen an der Reling ergattert, wo ich all das in Ruhe fotografieren konnte. Was für ein wunderbarer Tag. Abgesehen vom Preis finde ich am 9-Euro-Ticket gut, dass ich mir keine Gedanken über Verkehrsverbünde und darüber machen muss, wo welches Ticket gilt und wo ich das passende bekomme. Einmal gekauft, und ich kann überall im Nahverkehr fahren.

Der weite Weg zum Bahnhof

Auf das Auto kann ich als Landbewohnerin dennoch nicht verzichten. Denn bis zum nächsten Bahnhof sind es 14 Kilometer. Das ist weder zu Fuß noch mit dem Rad zu machen. Zu Fuß schon gar nicht, denn nach einem Tag in Kiel war ich ziemlich fußlahm. Nach so viel Pflastertreterei hätte ich keine 14 Kilometer Heimweg mehr geschafft.

Ein Tweet über den Weg zum Bahnhof hat mir übrigens über 100 Herzchen eingebracht. Offenbar habe ich damit einen Nerv getroffen.

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