Bachkantate: Darf man den Text verbessern?

Heute ist Sonntag, heute war Gottesdienst, Kantatengottesdienst. Mein St.-Johannes-Chor hatte bei einer Bachkantate auch ein bisschen was zu singen. Nein, mir war ganz und gar nicht langweilig. Dennoch sind mir im Gottesdienst ein paar Gedanken durch den Kopf gegangen. Überlegungen, wie man mit Text umspringen, wie viel Wahnsinn im Bemühen um gerechte Sprache stecken kann und dass Bach ein Realist war.

J.S. Bach: Gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt, BWV 18

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Vivaldi und die schönen Mädchen

Wir geben ein Konzert. Wir, das ist der St.-Johannes-Chor Lübeck-Kücknitz, und auf dem Programm steht dieses Mal das Gloria in D-Dur von Antonio Vivaldi, RV 589. Gelernt habe ich bei den Proben nicht nur das Stück, sondern auch, dass schon früher das Aussehen bei Konzerten eine Rolle spielte und dass schöne Mädchen oder Frauen auch zu Vivaldis Zeit ein Garant für volle Zuhörerreihen sein konnten.
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Was schön war: viel Vivaldi und viel alter Bach

Einige Blogger, vor allem Anke Gröner, schreiben regelmäßig darüber, was schön war. Eine Art persönliches Tagebuch, das vor allem bei Anke sehr lesenswert ist, außer wenn sie über Fußball schreibt, das ist ja nicht so meine Welt. Mein Tag gestern hat mich inspiriert, ebenfalls aufzuschreiben, was schön war: ein Tag voller Musik.

GLORIA IN EXCELSIS DEO. Antonio Vivaldi. Director: Antonio Fauró

Es war Probentag mit dem Chor. Im Juni stehen das Gloria von Vivaldi und die Bachkantate BWV 129 „Gelobet sei der Herr, mein Gott“ auf dem Programm. Über den Vivaldi schreibe ich kurz vor der Aufführung etwas, jetzt widme ich mich dem Bach. Johann Sebastian war in seinen Kantaten nicht sehr nett zu den Choristen, so auch in der Kantate BWV 129. Eingangschor, Schlusschoral, das ist alles, was sie zu singen haben. Den Rest überlässt er den Solisten.

Ich singe Sopran, und zu den Sopranistinnen ist Bach oft noch viel weniger nett. Er gibt ihnen nämlich nur den Cantus firmus zu singen, langgezogene Halbe, ziemlich unspektakulär und etwas langweilig. Deshalb und weil die Altpartie bei dieser Kantate recht hoch liegt, bin ich in den Alt gewechselt. Da geht es richtig bachisch zu: Achtelketten, Sechszehntelverzierungen, es ist nicht schwer, die richtigen Töne zu finden, aber immer die richtige Kurve zu nehmen, erfordert doch etwas Konzentration.

Ein ganzer Probentag ist wunderbar, um richtig tief in die Musik einzutauchen. Wir haben intensiv geprobt, deutliche Fortschritte gemacht und sind tief eingetaucht in die Werke von Vivaldi und Bach. Das war schön.

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Bachkantaten: Komische Texte zu schöner Musik

Der Herr Bach, Johann Sebastian mit Vornamen, hat allerlei komponiert, wie wohl jeder weiß. Viel auch für Chöre, und deshalb ist seine weltberühmte Musik nicht ohne Worte denkbar. Es soll ja kein Chor nur Lalala singen. Aber was für Worte sind das? Ich will hier nicht ergründen, was hinter dem Namen dieser Kantate steckt: „Laß, Fürstin, laß noch einen Strahl“.
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Kurt Moll: Ein Bass, besser als alle Bässe

Wenn Popgrößen sterben, überschwemmen die R.I.P.-Einträge die Timelines bei Twitter und Facebook. Wenn ein Großer der klassischen Musik stirbt, sind die Reaktionen deutlich verhaltener bis kaum spürbar. Vor einigen Tagen ist Kurt Moll gestorben, gestern wurde es bekannt. Nur wenige haben es zur Kenntnis genommen. Dabei war er ein Bass, der besser war als die meisten Bässe. Diese Stimme, zum Niederknien schön.

Kurt Moll "Die Uhr" C. Loewe

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Frohe Weihnachten: Meister Eccard und die Krippen

Johannes Eccard ist ein beinahe vergessener Komponist, jedenfalls dem Namen nach. Viele aber kennen seine Musik. Eccard hat zwei Klassiker für die Advents- und Weihnachtszeit geschrieben. „Übers Gebirg Maria geht“, in dem die „Bas Elisabeth“ vorkommt, die ich so mag. Und dann „Ich steht an Deiner Krippen hier“. Mit diesem wunderbaren Werk wünsche ich allen Bloglesern eine gesegnete Weihnacht.

Regensburger Domspatzen - Ich steh an deiner Krippen hier

Ich schätze Knabenchöre nicht besonders, mir gefällt der Klang nicht. Aber dieses ist eine sehr schöne, gut durchhörbare Aufnahme.

Trüffelschwein der Kirchenmusik: Der Notenverlag Dr. J. Butz

Gerade habe ich hier in Interview mit dem Komponisten Michael Porr aus Leverkusen veröffentlicht. Dabei stellte sich mir auch die Frage, wie ein Komponist von heute für seine Werke einen Notenverlag findet. Von dort aus war es kein weiter Weg zum Verlag Dr. J. Butz in Bonn. Warum also nicht dessen Chef auch noch ein paar Fragen zu diesem Thema stellen?. Verlagsleiter Hans-Peter Bähr (50) hat sie mir ausführlich beantwortet.
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Ein Komponist von heute: Interview mit Michael Porr

Ein alter Kalauer der Lübecker Kirchenchöre besagt, dass noch vor 20 oder 30 Jahren betagte Choristinnen berichteten, sie wüssten, wie Hugo Distler (1908- 1941) seine Stücke gesungen haben möchte, sie hätten selbst bei ihm gesungen. Schlagfertige Chorleiter fragten dann gern, ob die Damen auch schon bei Dietrich Buxtehude (1673-1707)  dabei waren und wüssten, wie er seine Stücke interpretiert haben wolle. Als Choristin des St. Johannes-Chores in Lübeck Kücknitz habe ich das Glück, gerade ein Stück zu singen, dessen Komponist noch lebt. Das ist in der Kirchenmusik eine große Ausnahme, gibt einem aber die Möglichkeit, den Komponisten zu befragen. Wir singen das „Requiem“ von Michael Porr (*1967), der so freundlich war, mir ein Interview zu geben. Ein Hörbeispiel vom Requiem gibt es am Schluss.
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Schleichend durch den Fauré

Tempo ist Geschmackssache. Vor allem in der Musik. Das ist mir gerade erst gestern bei der Chorprobe bewusst geworden. Zunächst geht es darum, Töne zu finden, Intervalle sauber zu singen, Text zu verteilen – eine der ganz großen Herausforderungen beim Chorgesang -, dann kommt der Klangkörper (was für ein schreckliches Wort) irgendwann zum endgültigen Tempo. Zwar gibt es oft Vorgaben des Komponisten, aber letztlich ist es auch Interpretation des Dirigenten.
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