Radio hören – ein Medium für mein Leben

Ich sitze gerade in meinem Schreibkämmerlein und höre BR-Klassik. Als Klassikfan ist es natürlich einer meine Lieblingssender, der mir dank Internetradio glasklar dargeboten wird. Ich höre jetzt Radio, seit ich denken kann, und es ist eine Geschichten mit vielen Veränderungen. Ich verbinde viele Erinnerungen daran, besondere Situationen, aber auch Ärgernisse.

Als ich Kind war, war das Radio das Medium der Wahl. Mein Vater sperrte sich lange dagegen, einen Fernseher anzuschaffen. „Das brauchen wir nicht“ ist bis heute ein gern von ihm angeführter Spruch. Das war so beim Telefon, beim Fernseher und jetzt beim Internet. Wenn’s dann da ist, findet er es aber dann doch gut. Das ist das Vorrecht des Alters.

Unvergessen: Das „Echo des Tages“

Aber zurück zum Radio. Es war das Medium, das neben der Tageszeitung weniger dem Vergnügen als vielmehr dem Zweck der Information diente. Es gab eine Sendung, die jeden Abend Pflicht war, und ich habe noch heute die Worte und den Klang im Ohr: „Das Echo des Tages“. Bedeutungsschwer ausgesprochen. Übrigens ein Eingangsjingle, wie man heute sagen würde, das sehr lange überlebt hat. Die Sendung gibt es immer noch. Allerdings nicht mehr mit der markanten Aussprache des Titels.

Die Sendung aus dem Aquarium

Eine weitere Sendung ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben: Die „Mittags-Discotheke“ mit Moderator Martin Hecht im Hessischen Rundfunk. Die konnte ich damals, in den 70er-Jahren, hören, weil wir zwar in Niedersachsen, aber doch ziemlich nah an Hessen wohnten. Jeden Tag nach dem Mittagessen war die „Mittags-Discotheke“ Pflichtprogramm. Nicht nur wegen der Musik, sondern weil Martin Hecht die Sendung auch gern mit dem Satz „Heute wieder aus dem Aquarium“ an- oder abmoderierte.

Als Radio hatte ich so einen großen Kasten mit Stoff vorne und einer Skala, auf der so viele Ortsnamen standen, dass das Radio eine ungeheure Faszination ausstrahlte. Stimmen aus all diesen Orten sollte man angeblich aus diesem Gerät hören können. Allerdings habe ich wie die meisten nie die Lang- oder Mittelwelle genutzt, mit der das vermutlich möglich gewesen wäre. Zu viel Rauschen und Knistern. Jeder hörte UKW. Leider ist das Radio im Laufe der Jahrzehnte irgendwann verloren gegangen. Ein ähnliches Modell habe ich später in einem Bauernhaus in Frankreich entdeckt und schließlich geerbt. Es funktioniert sogar.

Die schönste Nachrichtenstimme

Noch ein anderer Mann im Radio ist mir auf immer im Gedächtnis geblieben. Im Studium habe ich jeden Abend im Bett Radio gehört, oft bin ich dabei eingeschlafen. Immer um Mitternacht – ich war und bin noch heute eine Nachteule – übernahm ein ARD-Sender für alle anderen das Nachtprogramm. Und so kam ich in den Genuss, nachts den Saarländischen Rundfunk zu hören. Der hatte damals Anfang der 80er-Jahren einen Nachrichtensprecher mit einer ganz wunderbaren Stimme. Tief, dunkel, samtig. Ich habe nie seinen Namen erfahren. Anders als beim WDR heute, wo mein Freund Udo Stiehl die Nachrichten spricht, blieben die Sprecher damals anonym. Die Stimme aber habe ich geliebt und nie vergessen, wie gut sie mir gefiel.

Später habe ich vor allem im Auto Radio gehört, weil ich als rasende Reporterin beinahe im Auto gelebt habe. Das galt vor allem für die Zeiten, in denen die Textübertragung von draußen noch kompliziert war. Vieles musste über lange Wege erledigt werden. Wurde ein Foto gebraucht, musste jemand hinfahren, egal wie weit es war. Einfach mal mailen wie heute ging nicht. Und es hatte auch nicht jeder die gewünschten Fotos etwa von sich selbst zur Hand. Selfies waren ebenfalls noch unbekannt.

Der geliebte Deutschlandfunk

Bei all diesen langen Autofahren lief permanent das Radio. Na klar, sonst wäre es ja auch langweilig geworden. Bevorzugter Sender war und ist für mich der Deutschlandfunk mit seinen wunderbaren Sprachsendungen. Musik war mir unterwegs nie wieder so wichtig wie noch zu Zeiten der Mittags-Discotheke. Sendungen, die ich bis heute liebe, sind die Vormittagssendungen des Deutschlandfunks mit Hörerbeteiligung, „Andruck“, die politische Literatur am Montagabend, natürlich die Kommentare nach den 19-Uhr-Nachrichten und die politische Debattensendung „Zur Diskussion“ am Mittwochabend ab 19.10 Uhr. Die habe ich jahrelang auf dem Weg zur Chorprobe um 19.30 Uhr gehört und immer sehr bedauert, den Rest nicht mitzukriegen.

Mit der Chorprobe ist es jetzt seit mehr als einem Jahr vorbei, statt im Auto sitze ich im Homeoffice, und das Autoradio habe ich irgendwann sowieso abgeschrieben. Ich habe mich immer darüber geärgert. Der Empfang war so schlecht, und nein, es lag nicht am Radio, sondern am Sender. Mittlerweile ist es besser geworden. Aber ich höre im Auto fast nur noch Hörbücher. Die reißen wenigstens nicht an den spannenden Stellen ab, weil der Empfang gerade in die Knie geht.

Das Erlebnis Internetradio

Dafür ist ein neues Radio bei mir zu Hause eingezogen. Ein Internetradio, mit dem ich mir die Sender endlich aussuchen kann und nicht auf das schmale NDR-Klassik-Angebot von gerade mal einem Sender angewiesen bin. Zumal ich es hasse, wenn ich Musik höre und immer ein gewisses Hintergrundrauschen zu hören ist. Das normale UKW-Radio bekommt bis heute nicht den glasklaren Klang hin, den ich mir gerade bei klassischer Musik wünsche.

Nachdem ich das Internetradio noch mit einem Kopfhörer ausgestattet habe, genieße ich das Radiohören wieder genauso wie früher – nur bei wesentlich besserer Klangqualität. Mit dem Kopfhörer kann ich im gesamten Haus und sogar auf der Terrasse und in Teilen des Gartens Radio hören. Und das nutze ist ausgiebig. Es lebe das Medium Radio.

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