Honorarfrei: Die Fotos und das liebe Geld

Gerade kam wieder eine von diesen Mails, die mal seltener, mal öfter ins Postfach fliegen: Jemand möchte ein Foto von mir haben, natürlich honorarfrei. Es ist immer dasselbe. Die Leute meinen, mal eben auf den Auslöser drücken könne doch jeder, da könne auch jeder eben mal so seine Fotos zur Verfügung stellen. Hier liegt der Fall aber etwas anders.

Die Anfrage war durchaus freundlich formuliert. Es ging um das Bild des Architekten Peter Arp, der 2008 gestorben ist. Er hatte zwar durchaus eine Bedeutung, ist aber sehr selten bis gar nicht fotografiert worden. Ich habe ihn mal getroffen, um einen Artikel über ihn zu schreiben. Da war er bereits recht gebrechlich. Ich habe ihn vor einem seiner bedeutendsten Bauten im Kurpark von Malente fotografiert, im Profil. Da er einen rechten Charakterkopf mit weißem Bart und großer Nase hatte, ist es ein sehr schönes Foto geworden. Genau dieses Foto sollte ich jetzt honorarfrei in Druckqualität für eine Zeitschrift zur Verfügung stellen.

Es kommt immer auf den Fragenden an

In solchen Fällen gucke ich erst einmal, von wem und wofür die Anfrage kommt. Wenn ein Heimatverein angefragt hätte oder sonst eine lokale und finanziell klamme Institution, hätte ich das noch verstanden. Dann hätte ich das Foto ohne zu überlegen zur Verfügung gestellt. Angefragt hat aber der wissenschaftliche Mitarbeiter einer Universität, die eine Architekturzeitschrift herausgibt. Vermutlich hatten die bei den Recherchen zu dem Mann meinen Zeitungsartikel von 2005 gefunden. Anders kann ich mir das Interesse an dem Foto nicht erklären.

Profis arbeiten nicht honorarfrei

Ich habe zurückgeschrieben, ich sei hauptberufliche Journalistin und Fotografin und könne deshalb keine Fotos honorarfrei herausgeben. Es gelte das Urheberrecht. Das beeindruckte den Mann aber keineswegs. Er antwortete, als wissenschaftlicher Betrieb verfüge sein Haus über keinen Etat. Außerdem sei es doch auch in meinem Sinne, wenn der Architekt und sein Werk durch die Veröffentlichung mit meinem Foto mehr Wertschätzung erhalten als bisher. Weiterhin sagte er zu, meinen Namen im Bildhinweis zu erwähnen. Ach ja, wie gnädig. Und dann schrieb er noch, das Bild sei bereits einmal in der Zeitung veröffentlicht worden, da könne man auf das Bildzitat verweisen.

Das komplizierte Zitatrecht

Das mit dem Zitatrecht ist kompliziert. Danach können einmal veröffentlichte Bilder ohne Erlaubnis des Urhebers in Lehrmaterialien eingebunden werden. Ich weiß nicht, in welcher Form der wissenschaftliche Mitarbeiter mein Foto gesehen hat und ob er eine alte Zeitung von 2005 vorliegen hat, in der es erschienen ist. Ein Ausschnitt des Fotos ist später online erschienen, vielleicht kennt er es daher. Fraglich ist natürlich auch, ob die von einer Universität herausgegebene Architekturzeitschrift als Lehrmaterial gilt. Ich glaube eher nicht.

Ich bin nun unschlüssig, was ich mit der Anfrage machen soll. Das Foto honorarfrei herausgeben? Dagegen sträubt sich alles in mir. Nicht, dass ich auf das Geld scharf wäre oder es dringend brauche. Aber es macht den Profis die Preise kaputt. Es fällt allen in den Rücken, die mit Fotos ihren Lebensunterhalt verdienen. Ein Mini-Honorar verlangen, etwa 20 Euro? Das hätte denselben Effekt. Das Foto nicht herausgeben? Wäre eine Option. Ich ringe noch mit mir.

Nach längerem Überlegen habe ich mich entschlossen, dem Mann das Foto honorarfrei zu überlassen. Nicht ohne noch ein paar deutliche Worte dazuzuschreiben. Ob es etwas nützt? Wer weiß?

2 Kommentare

  1. Hallo liebe Susanne,
    ich hoffe das Du ist in Ordnung. Ich lerne immer noch das im Netz das Du anscheinend die gängige Anrede ist.
    Ich selber schreibe als Bloggerin und bin für meinen eigenen Blog als Autorin tätig. Ich kenne diese Diskussionen um das Zitatrecht, daher leider auch. Auch ich bekomme Anfragen für die, ich nenne es mal kostenfreie Überlassung. Und ja Bildzitate sind da meiner Meinung nach noch komplizierter. Ich für meinen Teil, schaue sehr genau, wem ich etwas überlasse. Generell aber bin ich schon der Meinung, daß das Internet kein kostenfreier und rechtsfreier Raum ist. Daher lehne ich für meine Werke eine kostenfreie Überlassung per se ab.
    Ich habe eher das Gefühl, das diese Geiz-ist-Geil-Mentalität seit einiger Zeit überhand nimmt und ich bin da auch rigoros. Kostenfrei nur in sehr seltenen Ausnahmen.
    Auf der anderen Seite glaube ich nicht, das diese Menschen es lernen werden, ohne das einen gerichtlichen Hammerschlag gegen sie gibt.
    Liebe Grüsse
    Daira

  2. Liebe Daira,
    natürlich ist das Du in Ordnung. Was den Wunsch nach kostenfreien Fotos angeht, decken sich unsere Beobachtungen. Solche Anfragen kommen immer wieder, und auch ich schaue danach, wer da fragt. Wie ich oben schrieb: Wenn es Vereine oder kleine Initiativen aus der Region sind, habe ich kein Problem damit, ihnen Fotos lediglich unter Namensnennung zu überlassen. Aber schon bei Uni-Instituten oder professionell geführten Vereinen mit hauptamtlicher Geschäftsleitung und erst recht bei Firmen hört das auf. Allerdings habe ich bereits mehrmals die Erfahrung gemacht, dass selbst äußerst moderate Honorarforderungen dazu führen, dass statt des gewünschten Fotos von mir lieber ein Stockfoto genommen wird, “weil die doch erheblich günstiger sind”, in meinem jüngsten Fall 24 Euro. Da habe man, schreibt eine Firma, doch lieber darauf zurückgegriffen.
    Wenn ich Verstöße feststelle, hole ich allerdings nicht immer gleich die große Keule raus. Manchmal hilft auch sanftes Anstupsen. Kostet weniger Nerven:
    https://pyrolim.de/pyropro/fotoklau-abmahnung-light-hat-geholfen/
    Liebe Grüße, Susanne

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.