Wenn der Mieter nervt – das Leiden der Vermieter

Gerade wird im Zusammenhang mit dem gekippten Berliner Mietendeckel wieder über Vermieter geklagt. Sicherlich in vielen Fällen zu Recht. Aber mir ist die Debatte zu einseitig. Oft genug sind die Vermieter diejenigen, die den Ärger haben. Und es sind nicht alle böse Kapitalisten, die sich nur auf Kosten der armen Mieter leistungslos die Taschen voll stopfen.

Zunächst ist Vermieter nicht gleich Vermieter. Ja, es gibt sie, die riesigen Wohnungsbaugesellschaften, die tausende von Wohnungen vermieten. Und es gibt auch die Immobilienbesitzer, die ihre Mieter schikanieren, die Wohnungen kaufen und die alteingesessenen Mieter mit allen Mitteln an die Luft setzen. Die daraufhin die Wohnung sanieren, sie teuer verkaufen oder weitervermieten. Aber es gibt eben auch die anderen, die kleinen Vermieter mit einer oder zwei Wohnungen.

Ein Baustein der Altersvorsorge

Knapp ein Drittel der 37 Millionen Wohnungen in Deutschland gehört Privatpersonen. Fast die Hälfte wird von den Eigentümern bewohnt. Lediglich 1,8 Prozent sind im Besitz von privatwirtschaftlichen Unternehmen. Für viele Privatleute – auch für mich – ist die vermietete Eigentumswohnung ein Baustein der Altersvorsorge. Oft wird lange darauf gespart oder die Wohnung lange abbezahlt, damit die Rente später mit Mieteinnahmen aufgestockt werden kann. Die wenigsten Vermieter sind böse Kapitalisten, die ihre Mieter aussaugen. Die nur ohne Arbeit Geld einsacken wollen. Wie oft höre ich den Vorwurf. Davon wird er nicht richtiger.

Die Altersvorsorge klappt nur, wenn ein regelmäßig zahlender Mieter da ist. Und da beginnt manchmal das Problem. Was sich gerade Privatvermieter mitunter von Mietern gefallen lassen müssen, ist schon hart. Als Privatvermieterin für meine eigene Wohnung und für zwei Wohnungen meiner Familie, um die ich mich kümmere, habe ich in jüngster Zeit einiges mitgemacht. Ich weiß nicht, was sich einige Leute denken.

Probleme schon bei der Besichtigung

Das fängt schon beim Vermieten an. Entweder die Interessenten kommen gar nicht zum Besichtigungstermin. Sie sagen auch nicht ab. Oder sie kommen zu spät. Oder sie finden die Adresse nicht und müssen von mir irgendwo abgeholt werden. Was tut man nicht alles, um den Menschen entgegen zu kommen.

Aber es sind nicht alle so. Mancher gibt keinen Anlass zu Beschwerden. Aber sobald er in der Wohnung sitzt, beginnen die Probleme. Einer der letzten Mieter beschwerte sich massiv über Lärm im Haus, den andere verursachten, um ihn zu schikanieren. Er bombardierte mich per Whatsapp mit Tonaufnahmen – auf denen nichts zu hören war. Außerdem holte er zum Gegenschlag aus, in dem er Tag und Nacht die Musik voll aufdrehte.

Fristlose Kündigung, die keine war

Der Mann kündigte fristlos zu Ende März, weil er den Lärm nicht mehr aushalte. Kurz vor dem Auszug verkündete er, er bleibe jetzt doch bis Ende April. Und Ende April teilte er mit, er gedenke nun bis Ende Mai zu bleiben. Parallel haben wir ihm fristlos gekündigt. Begründung: die von ihm ausgehende Lärmbelästigung.

Das ist allerdings kein Grund. Lärm müsse in einem Mehrfamilienhaus hingenommen werden, sagte der von uns zu Rate gezogene Anwalt. Vor allem dann, wenn, wie in diesem Fall, eine gewisse psychische Beeinträchtigung des Verursachers hinzukommen. In solchen Fällen sei von den Nachbarn mehr Lärm zu dulden als üblich. Tja, die Nachbarn wollten das nicht einsehen. Was verständlich ist.

Wenn das Mitgefühl flöten geht

Am Ende haben wir den Mann doch dazu bewegen können, zu Ende April auszuziehen. Ich weiß nicht, wo er untergekommen ist. Ich bin sonst jemand, der viel Mitgefühl für die Situation anderer Menschen aufbringt. Das hat sich mittlerweile zumindest in diesem Fall geändert. Ich habe keine Lust, mir auf der Nase herumtanzen zu lassen.

Das hat auch ein Mieter einer anderen Wohnung versucht. Erste Miete bezahlt, dann nichts mehr. Und der Mann war fortan nicht mehr zu erreichen. Er ging nicht ans Telefon, reagierte nicht auf Whatsapp-Nachrichten oder SMS, und schon gar nicht auf Briefe. Auf unsere Kündigung und ständiges Drängeln hin kam schließlich die knappe Nachricht: Schlüssel liegt im Briefkasten. Der Typ war weg. Seine Sachen nicht, wie wir feststellten, nachdem wir den Schlüssel mit einem Draht aus dem Briefkasten geangelt hatten.

Keine Antwort unter dieser Nummer

Jetzt ist die Wohnung wieder vermietet. Die neuen Mieter sollen in drei Tagen einziehen. Doch das Spiel beginnt von neuem. Ich erreiche die Leute nicht. Immerhin sind sie noch nicht eingezogen. Aber wie soll ich einem Termin für eine Wohnungsübergabe machen, wenn die Leute nicht erreichbar sind? Seit Tagen bin ich dahinter her.

Zur Ehrenrettung von Mietern muss ich sagen, dass wir über 20 Jahre keine Probleme hatten. Aber jetzt häufen sie sich plötzlich. Was ist da los? Sind die Leute anders geworden oder haben wir einfach nur Pech?

Nicht alle Vermieter sind schlecht

Wegen all dieser Erfahrungen der jüngsten Zeit, stört mich das Vermieter-Bashing, das gerade in sozialen Medien abgeht, gewaltig. Genauso, wie nicht alle Mieter gleich sind, sind auch nicht alle Vermieter gleich. Und schon gar nicht sind sie alle Blutsauger, die ihren Mietern nur das Geld aus der Tasche ziehen und dafür nichts tun wollen. Es hat eben alles immer zwei Seiten.

4 Kommentare

  1. Ich kann dich da gut verstehen. Hier bei mir in Magdeburg ist das zumeist noch sehr entspannt. Okay, ich zahle pünktlich meine Miete, bin ja auch sonst ein ruhiger Zeitgenosse. Dieses „der Interessent kommt nicht zur Besichtigung“ dürfte man in anderen Regionen sicher nicht kennen, siehe Berlin oder München. Fällt ja nicht auf ob da nun 123 oder 124 Interessenten vor dem Haus warten.

    Ich überlege ja auch immer wieder ob ich mir eine Eigentumswohnung kaufen soll, kann mich bisher aber nicht zu durchringen. Eine Wohnung zum vermieten zu kaufen, wäre mir aber auch zu stressig. Da setze ich in der Altersvorsorge dann doch lieber auf meine Wertpapiere.

    1. Ich takte die Besichtigungstermine immer alle halbe Stunde. Ich will nicht so viele Leute auf einmal in der Bude haben. Aber wenn die dann nicht kommen, habe ich Leerlauf. Das ist sehr ärgerlich.

  2. Wir hatten einen Mietnomaden und blieben auf den Kosten und der Renovierung der Wohnung sitzen. Im Moment haben wir eine ältere Dame als Mieter und keine Probleme. Meine Gattin ist aber ziemlich angesäuert über manche ihrer Mieter. Ein ganz schwieriges Thema

  3. Kann ich voll verstehen. Ich kann das mediale Vermieterbashing nicht mehr ab. Zur Zeit haben wir die Haltung, dass die Leute alles für nix wollen. Günstige Nebenkosten wollen sie, aber selber reinigen klappt bei 2/3 nicht so wirklich und es ist Unfrieden im Haus. Günstige Mieten wollen alle, aber seltsamerweise habe ich viel viel mehr Interessenten, wenn ich die Wohung für über 14k renoviere und dann höher neu vermiete (ja, man kann das Geld nicht nur ausgeben, man muss es auch wieder einnehmen). Dass das auch aufgrund einiger Urteile im Mietrecht ne gute Idee ist, lasse ich mal außen vor, wobei das auch die Mieten treibt. Schneeräumung durch Mieter klappt nicht. Sanierung wollen alle aber… die Handwerkerpreise sind ordentlich angezogen. Dazu kommt der Wunsch nach mehr Platz: Für eine Dreizimmerwohnung interessieren sich hauptsächlich wenige Singles, für eine 4 Zimmerwohnung viele Paare. Und da sind die Leute bereit auch mal mehr als 30% für Miete auszugeben. Aber so wird das nix mit billigem Wohnraum und da ist defakto der Vermieter nicht schuld. Und im Fernsehen gibt es Talkrunden mit knuffiger Oma Schmidt, 82, kann Miete nicht mehr zahlen, und Herbert Maier, mit Goldkettchen und dem optischen Erscheinungsbild eines Zuhälters, der erklärt, selber schuld, wenn Oma nicht zahlen kann.

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