Endlich wieder Konzert: Brosig, Bach und Mendelssohn

Immer noch überall gängig: Noten, in diesem Fall Klavierauszüge, auf Papier.

Es hat lange gedauert, und ich hatte schon die Hoffnung verloren, dass das Singen im Kirchenchor je wieder so wird, wie es vor Corona war. Aber ich habe mich getäuscht. Bester Beweis: Am Wochenende singen wir wieder ein Konzert mit Orchester und Solisten. Und mit einem tollen Programm.

Die meisten Komponisten, deren Werke in diesem Konzert erklingen, sind bekannt: Bach – ja, genau der Bach -, Felix Mendelssohn-Bartholdy (ich schreibe ihn immer mit Bindestrich, aber die andere Variante ist auch richtig und von ihm selbst gewählt) und Mozart. Hinzu kommt noch eine Messe eines Komponisten, der eher unbekannt ist: Moritz Brosig (1815-1887). Der Mann und seine kleine, aber wunderschöne Messe c-moll op. 29 sind so unbekannt, dass sie nicht mal auf Youtube zu finden sind. Lediglich ein paar Orgelwerke von Brosig gibt es dort. Wer also eines seiner Werke hören möchte, hat dazu nur am Wochenende bei unserem Konzert die Gelegenheit.

Die Messe: kurz, aber wunderschön

Von seiner Messe gibt es keine gedruckten Noten; sie ist deshalb äußerst selten zu hören. Unser Kirchenmusiker Norbert Drechsler hat die Noten bei Manfred Hößl aufgetan, dem Notenverschenker, der Werke ungedruckter Komponisten ins Internet stellt. Solisten, Chor und Orchester führen das recht kompakte Stück von Brosig auf. Hinten heraus werden die Teile immer kürzer, das Sanctus nimmt in der Chorpartitur gerade mal zwei Systeme ein, es ist lediglich 21 Takte lang. Und auch das Agnus Dei ist nur unwesentlich länger. Dafür aber wunderschön. Aber solche Messen waren halt damals Gebrauchsmusik und durften den Gottesdienst nicht mehr als nötig verlängern. Sehr schade, vor allem, weil die Musik so toll ist.

Immer wieder gut: Chorwerke von Mendelssohn

Ebenso toll sind die Stücke von Mendelssohn. Die „Drei geistlichen Lieder“ (MWV B 33) in der Orchesterfassung sind hinreißend romantisch, typisch für den Komponisten. „Lass, o Herr, mich Hülfe finden“, der Choral „Deines Kind’s Gebet erhöre“ und „Herr, wir trau’n auf deine Güte“ für Alt, Chor und Orchester sind wunderbar zu singen – aber leider ebenfalls ein bisschen kurz. Die Altpartie singt in unserem Konzert Juliane Sandberger, und ich bin schon sehr gespannt auf ihre Stimme. Die weiteren Solopartien übernehmen Anna Herbst (Sopran), Tim Karweick (Tenor) und Raphael De Vos (Bass), außerdem musiziert die „Sinfonietta Lübeck„.

Die übrigen Stücke des Konzerts will ich nicht unterschlagen: die Bachkantate „Was Gott tut, das ist wohlgetan“ (BWV 100) und das berühmte „Exultate, jubilate“ von Mozart. Den Abschluss bildet ein Stück von Mendelssohn, das in diesen Zeiten gar nicht oft genug gesungen werden kann: „Verleih uns Frieden“.

Ich freue mich auf zwei Aufführungen, ganz so, wie sie vor Corona waren, woran ich schon kaum noch geglaubt hatte. Es ist immer wieder eine Freude, so wunderbare Musik gemeinsam mit Solisten und Orchester aufzuführen. Es gibt zwei Termine, von zwei Chören, die sich gegenseitig unterstützen. Wer uns zuhören will, hier die Aufführungen:

Die Konzerte und ihre Termine

St. Johannes-Chor: Sonnabend, 17. September 2022, 17 Uhr, Dreifaltigkeitskirche Lübeck-Kücknitz, Schlesienring 1.

Kirchenchor Sandesneben: Sonntag, 18. September 2022, 17 Uhr, St. Marien Sandesneben (Kreis Herzogtum Lauenburg).

Die Leitung hat in Lübeck Norbert Drechsler, in Sandesneben Rüdiger Respondek. Der Eintritt kostet zehn Euro.

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