100 Tage #vorhomeofficespaziergang: Das tägliche Corona-Ritual

Gerade habe ich die 100 Tage voll bekommen. 100 Tage lang jeden Morgen ein Spaziergang, ein tägliches Ritual vor dem Homeoffice. Ich zwinge mich dazu, obwohl mir langsam etwas langweilig dabei wird. Immerhin haben sich im Laufe der 100 Tage die Jahreszeiten geändert.

Ich bin Ende Oktober 2020 ins Homeoffice gegangen. Nicht schön, wenn man als Lokalreporterin arbeitet. Im ersten Lockdown ist mir das noch erspart geblieben, weil ich damals sowieso ganz allein auf einer Etage saß, auch ohne Corona. Zwischen ersten und zweitem Lockdown ist die Redaktion umgezogen, sodass ich plötzlich zwar immer noch ein Einzelbüro hatte, aber auf dem Flur etlichen Kollegen begegnet bin. Also ab ins Homeoffice.

Wie man Bewegung ins Homeoffice bekommt

Da ich zunächst vor allem Texte produziert, spricht redigiert und sie auf Seiten gebaut habe, war das zunächst nicht so dramatisch. Nicht schlimm, dass ich gar nicht mehr draußen unterwegs war. Viel schlimmer aber: Homeoffice bedeutet, gar keine Bewegung mehr zu haben. Der Weg vom Frühstückstisch zum Schreibtisch und abends zurück an den Abendbrottisch ist einfach zu kurz. Da kriegt der Schrittzähler Schnappatmung.

Da es aber im November früh dunkel wird, meine Arbeitszeit bis weit in den Abend reicht und wir hier an unserem einsam gelegenen Haus keine Straßenlaternen habe, kamen Spaziergänge nach Feierabend nicht infrage. Also habe ich den #vorhomeofficespaziergang erfunden und Tag für Tag einen Tweet darüber abgesetzt. Alle Follower sollten sehen, dass ich jeden Morgen brav meine Runden drehe.

Jeden Tag eine andere Himmelsrichtung

Wobei Runden drehen etwas übertrieben ist. Es ging eher immer hin und her. Also die Straße entlang und wieder zurück. Immer etwa 40 Minuten lang. Ein Rundweg wäre viel länger gewesen. So zog ich jeden Tag in eine andere Richtung los: Osten, Westen, Norden, Süden. Wie wohnen an einer Kreuzung, in alle vier Himmelsrichtungen geht eine Straße ab. So habe ich bei meinen morgendlichen Spaziergängen jeden Tag eine andere Richtung gewählt. Waren alle vier abgelaufen, bin ich wieder von vorne angefangen. Und so setze ich das Ritual immer weiter fort. Zwar bin ich nicht mehr täglich, aber immer noch überwiegend im Homeoffice.

Natürlich hätte ich im Sommer die Spaziergänge auf den Abend verlegen können, aber irgendwie hatte sich das mit dem Morgenspaziergang so eingebürgert. Da wir obendrein sehr einsam wohnen, bin ich fast nie irgendwelchen Menschen begegnet. Alles sehr Corona-konform also. Wenn überhaupt sind mir Hundehalter auf ihren Gassirunden begegnet, was nicht immer erfreulich ist. Von Leinenpflicht und Hundeerziehung hat mancher hier noch nie etwas gehört.

Die Handykamera stets im Anschlag

Abzüglich Urlaub, Wochenenden und freier Tage habe ich nun also bereits über 100 Vorhomeofficespaziergänge absolviert. Mittlerweile ist mir dieses Ritual schon lieb geworden. Auch wenn es, wie gesagt, manchmal etwas langweilig ist, immer dieselbe Runde zu drehen. Immerhin bietet mir die Suche nach Fotomotiven, die ich dann von unterwegs twittere, immer eine hübsche Abwechslung. Oft bin ich dann ganz begeistert, was ich am Wegesrand sehe, etwa die Sonnenblumen. Im Winter war es aber manchmal auch hart, sich aufzuraffen.

Jetzt, nachdem die 100 voll sind, bin ich gespannt, ob ich die 200 auch noch schaffe. Ehrlich gesagt: lieber nicht. Es wäre schön, wenn der Corona-Wahnsinn endlich vorbei wäre und sich das Leben wieder normalisierte. Ich bin auch ohne Vorhomeofficespaziergang an normalen Arbeitstagen genug auf den Beinen und brauche dann kein Ritual mehr, um in Bewegung zu kommen. Und der Schrittzähler freut sich auch.

Und jetzt gibt es noch einen kleinen Überblick über einige #vorhomeofficespaziergang-Bilder:

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