Abendspaziergang an der Ostsee

Es kommt selten vor, aber es kommt vor, dass ich recht früh Feierabend machen kann. Nicht so früh, dass es, jetzt im November, draußen noch hell wäre, aber früh genug, um nochmal los zu fahren für einen kurzen Abendspaziergang an der Ostsee. Da Timmendorfer Strand zurzeit leuchtet, lohnt es sich, dorthin zu fahren und die Kamera mitzunehmen.

So bin ich etwas mehr als eine Stunde durch den Strandpark, über die Promenade und den Seebrückenvorplatz gestreift. Ein Abendspaziergang, wie er sonst in diesem Ort, der sich selbst Premium-Destination nennt, so gut wie nie vorkommt. Aber so ist das im Teil-Lockdown. Da herrscht in einem sonst stets belebten und beliebten Bäderort plötzlich eine gespenstische Leere.

Lichterspektakel im Strandpark

Immerhin gibt es etwas zu entdecken. Der Tourismus-Service hat wie jedes Jahr den Strandpark mit Lichtobjekten versehen. Ich finde es ja etwas zu früh, jetzt schon so ein Lichtermeer aufzufahren. Das gehört sich an sich erst nach dem Totensonntag, und der ist in eineinhalb Wochen. Hinzu kommt, dass sich wegen des Teil-Lockdowns fast niemand das Lichterspektakel ansehen kann.

Die Trinkkurhalle im Strandpark strahlt in allen Farben des Regenbogens.

Alle Touristen mussten abreisen. Alle Restaurants sind zu, die Hotels und Ferienwohnungen leer. In kaum einem Fenster der Häuser in der ersten und zweiten Reihe zum Strand ist Licht, schließlich gibt es dort fast ausschließlich Ferienunterkünfte. Sie stehen jetzt alle leer. Menschen sind nur vereinzelt unterwegs, wenn überhaupt, dann meistens mit einem Hund an der Leine. Passend zum Lichterspektakel hat der eine oder andere Hund ein Leuchthaltsband um. Da man die Hunde in der Dunkelheit nicht sieht, sieht man nur die Halsbänder wie Irrlichter durch den Park und über die Promenade zucken.

Udo Lindenberg steht einsam am Meer

Immerhin hat Timmendorfer Strand die übliche Beleuchtung angelassen, auch die am Udo. Dem Panik-Rocker Udo Lindenberg ist an der Strandpromenade ein Denkmal gesetzt worden, weil er einst in Timmendorfer Strand das Lied „Horizont“ schrieb und bis heute gerne in den Ort kommt. Angestrahlt, hebt sich das Kunstwerk vor dem dunkeln Meer ab. Ich finde, es sieht bei Nacht deutlich besser aus als tagsüber.

Udo-Lindenberg-Denkmal
Die typische Silhouette des Panik-Rockers Udo Lindenberg erhellt den Abendspaziergang.

Der Udo steht unweit der Maritim-Seebrücke. Auf der galt zunächst täglich, jetzt nur am Wochenende Maskenpflicht, jeweils von 9 bis 22 Uhr. So verkündet es ein Schild am Beginn der Brücke. Die Maskenpflicht gilt ebenfalls auf der Promenade. Zugegeben, dort war es am Wochenende recht voll, da das Wetter gut war. Dennoch halte ich die Maskenpflicht im Freien an diesen Stelle für überzogen und für Aktionismus. Zumal Spektrum schreibt: „An der frischen Luft wurde dagegen kein einziger Ausbruch dokumentiert, nicht einmal bei Feiern in Parks.“

Auf der völlig menschenleeren Maritim-Seebrücke gilt Maskenpflicht.

Vor allem aber kann man niemanden anstecken, wenn gar keiner da ist, der angesteckt werden könnte oder bei dem ich mich selbst anstecken könnte. Im November bis 22 Uhr auf einer Seebrücke in einem Ort, an dem sich niemand zu touristischen Zwecken aufhalten darf, eine Maskenpflicht bis in den Abend hinein zu verhängen, ist in meinen Augen alles andere als gerechtfertigt. Solche Maßnahmen sind es, die die Akzeptanz untergraben.

Bei meinem Abendspaziergang war ich jedenfalls sehr alleine in Timmendorfer Strand. Kaum ein Mensch unterwegs, ein einsames Taxi schlich durch die Strandallee, ohne Fahrgast. Sonst fuhr gar kein Auto. Parkplätze gab es wie Sand am nahe gelegenen Meer. Timmendorfer Strand im tiefsten Novemberschlaf. Mich hat’s nicht gestört. Ich mag solche seltsamen Situationen. Wer weiß, vielleicht erinnern wird uns in wenigen Monaten mit Unglauben daran.

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