Großeinsatz: Warum man sich als Reporter Zeit lassen kann

Einfach besser in Farbe: Beim Brand einer mit Strohgefüllten Scheune holt ein Trecker die Ballen ins Freie.

Gerade war wieder so ein Tag, an dem Reporter nervös werden. Irgendwo läuft ein Großeinsatz von Rettungskräften, und da muss der Journalist schnell hin. Nur schnell geht manchmal nicht. Warum das kein Beinbruch ist und der Berichterstatter ganz gelassen sein kann.

Seit Tagen ziehen heftige Unwetter über Deutschland hinweg. Bisher hat es vor allem den Süden getroffen. Doch jetzt waren auch wir in Norddeutschland dran. Innerhalb kürzester Zeit prasselten bis zu 70 Liter Regen auf Städte und Dörfer nieder. Mit Folgen für Keller, Straßen und sogar für ganze Häuser. Da musste ich als Reporterin natürlich los. Einsatzort: 25 Kilometer entfernt.

Wenn die Anfahrt länger dauert

Mittlerweile bin ich so lange in dem Beruf, dass mich so etwas nicht mehr aufregt. Nichtmal, wenn es auf der Fahrt zum Ort des Ereignisses nicht recht vorangeht, wie in diesem Fall. Bei solchen Wetterlagen muss nicht nur ich etwas vorsichtiger fahren – Aquaplaning -, auch andere sind recht langsam unterwegs. Das dauert halt seine Zeit.

Aber ein Großeinsatz wäre kein Großeinsatz, wenn er nicht länger dauern würden. Ich habe mal die Nachricht über ein Großfeuer auf einem Bauernhof bekommen, aber noch eben die Wäsche abgenommen, bevor ich losgefahren bin. Mein Mann war schon ganz nervös. Ob ich mich nicht endlich auf den Weg machen wolle. Meine Antwort: Ich könnte auch noch ganz entspannt auf dem Weg dorthin einkaufen gehen.

Wenn später kommen von Vorteil ist

Das habe ich natürlich nicht gemacht. Aber aufgeregt habe ich mich auch nicht. Denn die Erfahrung zeigt: Ein Großfeuer dauert bis zu zwölf Stunden, manchmal sogar noch länger. Da macht es nichts, ein halbes Stündchen später zu kommen. Es kann sogar von Vorteil sein: Dann ist der erste Angriff der Feuerwehr gelaufen, die Strukturen des Einsatzes stehen und der Einsatzleiter hat mittlerweile Zeit, mit der Presse zu sprechen. Oder der Pressesprecher hat inzwischen genug Informationen beisammen, um qualifiziert Auskunft zu geben. Auch der Großeinsatz beim Unwetter dauerte am Ende noch an, als ich längst meinen Text fertig geschrieben hatte.

Natürlich ist in Online-Zeiten auch bei einem Großeinsatz Eile geboten, schließlich soll eine erste Meldung schnell rausgehen. Vor allem, wenn wegen des Einsatzes eine viel befahrene Straße gesperrt werden muss. Aber mit einem Handyfoto und ein paar an die Redaktion durchtelefonierten Zeilen lässt sich eine erste Information schnell absetzen. Alles kein Grund, hibbelig im Auto zu sitzen und über jede Verzögerung im Verkehr auf dem Weg zum Einsatzort zu verzweifeln.

Unwägbarkeiten beim Großeinsatz

Dennoch bleibt, jedenfalls bei mir, immer so ein kleiner Knoten im Magen. Komme ich noch rechtzeitig? Bisher immer, bei ausnahmslos jedem Großeinsatz. Finde ich den Ort sofort? Na klar, bei so viel Blaulicht. Bekomme ich gute Informationen und Fotos? Ist noch nie anders gelaufen. Gut, manchmal gibt es unerwartete Hürden, etwa dass die betroffenen Besitzer eines Brandhauses keine Journalisten auf ihr Grundstück lassen wollen. Die Feuerwehren haben dagegen Verständnis für Journalistenwünsche und machen manches möglich. Schon deshalb, weil sie auf Öffentlichkeitsarbeit angewiesen sind, um neue Mitglieder zu gewinnen oder ihre teuren Fuhrparks gegenüber Kommunalpolitikern rechtfertigen zu können.

Beim Unwetter-Großeinsatz war ich natürlich auch rechtzeitig da. Alles andere wäre ein Wunder gewesen. Zumal die Bewältigung des Einsatzes die Hilfe des Technischen Hilfswerks und seines schweren Geräts erforderte. Das musste erst einmal herangeschafft werden. Und am Ende ist eine Reporterin im Pkw eben doch schnell als ein Bagger auf einem Tieflader.

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