Reiten – Keine Tierquälerei, sondern ein toller Sport

Die Lage des Schenkels ist beim Reiten besonders wichtig.

Gerade ist wegen des Dramas beim Modernen Fünfkampf in Tokio das Reiten in Verruf geraten. Völlig zu Recht, angesichts der Bilder, die uns von dort erreichten. Jedenfalls diese Art zu reiten. Das Netz tobt, und die Zahl der unqualifizierten Kommentare geht in die Tausende. Dabei ist Reiten keine Tierquälerei, sondern ein toller Sport – auch für Pferde.

Wir sind schon immer Pferdeleute gewesen. Wir hatten in meinem Elternhaus Isländer, weil schon meine Mutter der Reiterei gefrönt hat. Ich bin mit Pferden aufgewachsen, bin dann etliche Jahrzehnte nicht mehr aufgesessen und habe wieder angefangen, als meine Tochter im Alter von sechs Jahren reiten lernen wollte. Bis heute bin ich dabei geblieben und setze mich einmal die Woche aufs Pferd. Was ich allerdings gar nicht habe, ist Erfahrung mit professioneller Turnierreiterei.

Freizeitreiten ist ein Spaß für Pferd und Reiter

Also kann ich nur übers Freizeitreiten sprechen. Und das hat nun wirklich nichts mit Tierquälerei zu tun. Die Bewegung macht Pferd und Reiter Freude, das merkt man den Pferden auch an. Sie wollen, wie es in der Reitersprache heißt, gearbeitet werden. Ja, sogar unser alter Herr, unser Holsteiner Lasse, hat Freude an der Arbeit. Mit seinen mittlerweile 21 Jahren ist er noch gut in Form. Er wird weiter von meiner Tochter geritten, denn Pferdeexperten wissen: Wird ein Pferd nicht mehr regelmäßig geritten oder gefahren, also seine Physis und seine Psyche gefordert, verfällt es ziemlich schnell und wird gebrechlich.

Pferde wollen also arbeiten. Und sie wollen den Umgang mit Menschen, weil sie darauf gezüchtet sind, ebenso wie auf das Reiten. Wer einmal gesehen hat, wie ein Pferd mit seiner Reiterin umgeht, die es lange kennt, der erkennt das Vertrauensverhältnis, was sich zwischen beiden entwickelt.

Pferde müssen wissen, wo ihr Platz ist

Was aber nicht darüber hinwegtäuschen darf, das letztlich der Mensch sagt, wo es langgeht. Er muss sich als der Ranghöhere positionieren, um für sich einen gefahrlosen Umgang mit dem Tier zu ermöglichen. Denn Pferde, selbst kleine, sind viel stärker und oft auch größer und schwerer als Menschen. Nicht umsonst steht bei den Tipps zum richtigen und sicheren Umgang mit dem Pferd die Erziehung des Pferdes an erster Stelle.

Deshalb halte ich auch nichts vom sogenannten partnerschaftlichen Umgang mit dem Pferd. Der Mensch ist der Herr im Haus, da geht kein Weg daran vorbei. Das heißt natürlich nicht, dass ich mein Pferd quäle. Es gibt andere Wege, zu erreichen, was ich als Reiter und im Umgang mit meinem Pferd möchte. Wobei die Gerte nicht verpönt ist, wie viele nach den Vorgängen von Tokio meinen. Eine Gerte kann sehr hilfreich sein. Oder wie es jemand sinngemäß bei Twitter formulierte. Sie ist wie ein Messer, man kann damit Gemüse schneiden oder es jemandem in den Bauch rammen.

Wie die Gerte mittels Antippen eingesetzt wird, zeigt Nadine auf Gary. Die Gerte ist lediglich eine harmlose Hilfe

Reiten ist also üblicherweise keine Tierquälerei. Ich habe selten so viele unqualifizierte Kommentare gelesen wie die auf die olympischen Reitbetriebe. Etwa in der Dressur, in der bemängelt wird, dass Pferde von Natur aus nicht tänzeln würde und ihnen etwas Unnatürliches aufgezwungen wird. Wer das sagt, hat noch nie einen Hengst gesehen, der um eine Stute buhlt. Und auch in der Natur kommt es vor, dass Pferde seitwärts traben oder fliegende Galoppwechsel ausführen. Und selbst das Springen kommt in der Natur mitunter vor.

Krause Ideen von Leuten, die keine Ahnung haben

Völlig daneben sind Kommentare, man solle Reiten sofort verbieten und alle Pferde freilassen in die Natur, wo sie hingehören. Ja klar, dann werden sie an der nächsten Straße angefahren oder bringen andere in Gefahr. Vor allem aber können die Pferde, die hierzulande gehalten werden, gar nicht ohne den Menschen klarkommen. Sie würden spätestens im Herbst verhungern.

Wer jemals länger in einem Reitstall mit Einstellpferden gewesen ist, weiß zudem, dass kaum ein Tier so umsorgt und versorgt wird wie Pferde. Was da an speziellen Futtermischungen, Pülverchen hier und Pülverchen da, an Cremes und Lotions, an Kügelchen und Säften gekauft und verabreicht wird, ist unfassbar. Pferde werden von Tierärzten und Pferdezahnärzten behandelt, auch prophylaktisch, werden Chiropraktikern und Physiotherapeuten vorgestellt, alle sechs Wochen kommt der Schmied, und bei der Ausrüstung wird an nichts gespart. Wahrscheinlich tun nicht mal Hundebesitzer so viel für ihre Tiere. Und im professionellen Reitsport ist das vermutlich noch viel krasser.

Plötzlich müssen sich alle Ahnungslosen äußern

Und dann kommt ein unverzeihlicher Vorgang wie der von Tokio daher, und plötzlich werden alle Pferdeleute niedergemacht. Von Menschen, die keine, aber auch gar keine Ahnung haben. Einfach mal zugeben, dass man zu etwas nichts sagen kann, und sich dann tatsächlich jeden über die Kritik am Einzelfall hinausgehenden Kommentar verkneifen. Zum Glück gibt es dann immer noch Leute, die sich mit Pferden auskennen und mit ihrer Sicht der Dinge dagegen halten. Wie in diesem lesenswerten Thread auf Twitter.

Den ganzen Thread gibt’s hier zum Nachlesen.

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