Pressemitteilung: Verlobungsring verschluckt

Ich weiß nicht, nach welchen Kriterien PR-Agenturen die Empfänger von Pressemitteilungen auswählen. Ich bin nur manchmal mehr als erstaunt, was in meinem Redaktionspostfach eintrudelt. Nicht nur, dass die PR-Mitteilungen von sonstwoher kommen, auch die Themen sind mitunter abseitig, zumal für eine Lokalredaktion. Schönes Beispiel: der verschluckte Verlobungsring.

Die Überschrift klingt schon mal unglaublich: Eine von fünf Frauen verschluckt ihren Verlobungsring. Klingt fast so, als komme es beinahe täglich vor, dass ein Verlobungsring verschluckt wird. Immerhin lässt diese Aussage erst einmal aufhorchen, was immerhin schon ein echter Coup ist. Das Kunststück unverlangt eingesandter Pressemitteilungen ist es schließlich, aus der Masse hervorzustechen und Aufmerksamkeit zu erregen. Die hat in diesem Fall nicht dazu gereicht, dass ich die Mitteilung zu einem Artikel verarbeitet hätte. Aber die Mail ist zumindest aufgefallen, was beim Wust der täglichen Mails schon ein Erfolg und das Ziel aller PR-Agenturen ist.

Wie kommt der Verlobungsring in den Mund?

Die Titelzeile wirft Fragen auf. Warum stecken Frauen ihren Verlobungsring in den Mund? Wie kommt es, dass sie ihn dann auch noch runterschlucken? Die Antwort ist auf den ersten Blick verblüffend einfach. Die Zahl der verschluckten Ringe stammt aus Frankreich, und dort ist es offenbar üblich, Verlobungsringe in Champagnergläsern zu versenken und sie der so Angebeteten zu kredenzen. Ich bin mit einem Franzosen verheiratet, aber meinen Verlobungs- beziehungsweise Ehering hat er nie in Champagner gebadet.

Was die Antwort auf den zweiten Blick unglaubwürdig macht: Champagner ist doch durchsichtig, oder? Müsste die Frau den Verlobungsring nicht sehen, bevor sie das edle Getränk hinunterstürzt? Vor allem wird Champagner doch nicht auf Ex getrunken. Man kippt ihn nicht, man nippt manierlich daran. Wie kommt dann der Ring in den Schlund?

Umfrage in Paris

Die Tatsache, dass jede fünfte Frau angeblich ihren Verlobungsring verschluckt, entstammt einer Umfrage unter 532 Pariser Restaurants. Was wiederum weitere Fragen aufwirft. Ist die Quote in der Provinz höher oder niedriger als in Paris? Werden Verlobungsringe nur in Champagner oder auch in Wein kredenzt? Vor allem aber will ich mir nicht vorstellen, wie der weitere Weg der verschluckten Verlobungsringe aussieht.

Immerhin, die PR-Agentur, die die Mitteilung geschickt hat, hat ihr Ziel erreicht. Die Sache mit den Verlobungsringen hat mich doch eine ganze Weile beschäftigt. Genau das war das Ziel. Es kommt eben darauf an, mit dem richtigen Köder in der Informationsflut zu angeln

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