Ein Design-Klassiker: Die gläserne Uhr von Manfred Szyszka

Lange hat sie in ihrem Etui geruht, weil sich nicht mehr richtig funktioniert: die gläserne Uhr von Manfred Szyszka. Jetzt habe ich sie mal wieder hervorgeholt und lasse sie in Ordnung bringen. Denn was da seit Jahrzehnten in der Familie ist, ist ein rares Einzelstück und ein Design-Klassiker, der nur zwischen 1949 und 1953 hergestellt wurde.

Mit der Glasuhr ist es wie mit dem Eisbären-Aschenbecher: Offenbar war sie ein sehr teures Werbegeschenk, von dem niemand mehr so recht weiß, wie und aus welchem Anlass es in die Familie kam. Vermutlich über meinen Großvater, der Ingenieur war und in der Wirtschaftswunderwelt Karriere machte. Damals waren so hochwertige Präsente offenbar noch üblich.

Die gläserne Uhr von Manfred Szyszka.

Dass die gläserne Uhr ein Werbegeschenk sein muss, ergibt sich aus dem dezent in den Deckel des Aufbewahrungskastens eingearbeitete Logo.Zunächst konnte ich nicht feststellen, zu welcher Firma es gehört. Es müsste ein Bergbau- oder Energiebetrieb gewesen sein. In alten Fotos anderer Exemplare der gläsernen Uhr ist der Deckel der Schatulle ohne Logo zu sehen. Die Twitter-Follower-Schwarmintelligenz hat das Logo dann doch identifizieren können: Es ist ein alte Firmenlogo von Ruhrgas. Es taucht auf alten Wertpapieren des Konzerns auf.

Das Ruhrgas-Logo im Deckel der Uhrenschatulle.

Die Uhr selbst ist von Manfred Szyszka & Co., einer sogenannten Zeitmeßgeräte-Fabrikation, die nur von 1948 bis 1953 existierte. Manfred Szyszka war von 1937 an Uhrentechniker und Konstrukteur. Nach dem Krieg arbeitete er für die Dr.-Ernst-Kurtz-Uhrenfabrik in Memmelsdorf/Unterfranken. 1947 schied Szyszka dort aus und gründete zusammen mit Christian Schmoll seine eigene Zeitmeßgeräte-Fabrikation. Irgendwann in dieser Zeit hat er die Uhr aus Glas entwickelt. 1949 präsentierte er sie erstmals öffentlich.

Mit Garantie eine Szyszka-Uhr

Dass mein Exemplar von Manfred Szyszka ist, beweist die Garantieurkunde. Leider ist das Verkaufsdatum darauf nicht eingetragen. Diese Urkunde ist für sich schon ein Zeitzeugnis, Typografie und Stil belegen die Herkunft auf den frühen 1950er Jahren.

Der Garantieschein: Was die Nummer der Herstellungsserie besagen soll, weiß ich nicht.

Die Uhr selbst ist ebenfalls typisches Nachkriegsdesign, aber vom Feinsten. In einem Plexiglasgehäuse sitzt das Werk. Es ist also keine wirkliche gläserne Uhr, sondern nur eine aus Plexiglas, was ihrer Schönheit aber keinen Abbruch tut. Die Tischuhr bietet einen freien Blick auf das Uhrwerk und das hinter den Scheiben schwingende Pendel. „Es handelt sich bei der Tischuhr um die vermutlich letzte, von einem Glashütter Konstrukteur nach Glashütter Qualitätsmaßstäben konstruierte und gefertigte Großuhr“, heißt es auf der Seite glashuetteuhren.de.

Das Zifferblatt ist auf, das Uhrwerk mit dem Pendel hinter Plexiglas.

Der Klokkenmaker wird’s richten

Jahrzehnte lang hat die Uhr im Regal meiner Eltern klaglos ihren Dienst getan. Eines Tages mochte sie nicht mehr weiterlaufen. Ich gebe sie jetzt mal in die bewährten Hände eines Freundes, in die von Uhrmacher Thomas. Der Lübecker Klokkenmaker ist auf das Restaurieren und Reparieren alter Uhren spezialisiert und wird meiner gläsernen Uhr garantiert neues Leben einhauchen. Er arbeitet trotz Corona weiter.

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