Hinsetzen und in Alltagssprache sprechen

„Sett deck hönne“ sagte meine Großmutter aus Westfalen immer, so ähnlich jedenfalls habe ich es in Erinnerung. Das sollte „setz dich hin“ heißen. Es ist ein Ausdruck, der mir bis heute im Gedächtnis geblieben ist, so wie mancher andere auch. Der „Atlas zur deutschen Alltagssprache“ bemüht sich, solche Ausdrücke zu bewahren.

Alltagssprache ist vielleicht der falsche Begriff. Es geht um regionale Besonderheiten. Warum die dann als Alltagssprache verbucht werden, erklärt die Einleitung zum Projekt. In der Alltagssprache haben sich diese regionalen Unterschiede erhalten, während im Hochdeutschen weitgehend überall gleich gesprochen wird, mal abgesehen vielleicht vom Sonnabend und Samstag. Sonnabend ist in Norddeutschland geläufiger, Samstag im Rest des Landes.

In Internetumfragen haben die Initiatoren des Projekts Alltagssprache die Sprachvarianten zu verschiedenen Vorgaben abgefragt, etwa nutzen/nützen, übrig/über oder Tür/Türe, aber auch einzelne Begriffe wie Schulranzen oder Vaterunser. Ich wusste bisher nicht, dass das Vaterunser regional umgedreht wird zu Unservater. Wobei Unservater sehr, sehr regional ist.

In der gerade laufenden Umfrage geht es um den Apfel, um Eier und um Kuchen. Wie nennt man das Kerngehäuse, das nach dem Essen übrig bleibt, in der Alltagssprache? Apfelgriebsch, Apfelbutzen, Kerngehäuse oder Kernhaus? Apfelkitsche steht ebenfalls zur Auswahl, ein Wort, dass ich noch nie gehört oder gelesen habe. Abgefragt werden auch Redensweisen. Etwa zu jetzt aber: „Jetza! / Jetzet! / Jetzt aber! …“ Was ist bei dem üblich, der gerade den Fragebogen ausfüllt?

Wirklich spannend zu sehen, für was es alles welche Ausdrücke landauf, landab gibt. Was ich allerdings nicht gefunden habe, nicht mal beim googeln, sind die Potzböbberschten. Ich dachte immer, das wäre ein sächsischer Ausdruck für die Großkopferten, aber das Netz gibt zu dem Ausdruck nicht mal einen Treffer her. Ich habe das Wort als Kind schon mal gehört, ich schwöre es. Aber offenbar erinnere ich mich falsch. Das ist nicht Alltagssprache, das ist offenbar gar nichts.

„Sett deck hönne“ gibt es auch nicht, aber bei „sett dick hönne“ oder „sett dik hönne“ werden westfälische oder plattdeutsche Mundart-Texte genannt. Im Plattdeutschen – welchem auch immer, es gibt viele davon – gibt es die Redewendung „sett di hen“. Das Restaurant „Ottlips Lieschen“ in Delbrück fordert seine Gäste auf: „kum rin sett di hen un vertell wat“. Komm rein, setzt dich hin und erzählt etwas. Wie nett.

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