Seedorf, die Kanonen und der Raubritter

Es ist Pfingsten und die tourstischen Mega-Ziele an der Ostsee barmen, es mögen bitte nicht so viele Tagestouristen kommen. Das sind die, die wie wir nur ein paar Kilometer hinter der Gemeindegrenze der Bäderorte leben. Also fällt die Küste aus. Es gibt ja noch mehr lohnende Ziele. Seedorf etwa.

Seedorf ist zunächst eine Flächengemeinde am Rande der Holsteinischen Schweiz und liegt natürlich am Seedorfer See. Es ist aber auch ein Ortsteil, der namensgebende, der Gemeinde. Das ist hier öfter so, auch bei uns im Dorf Pronstorf, dass der Gutshof im Mittelpunkt zwar der kleinste Ortsteil ist, aber der Gemeinde ihren Namen gibt. Auf Pronstorf komme ich noch zurück, das spielte für die Seedorfer eine große Rolle.

Das Torhaus von Seedorf liegt an einem mit Feldsteinen gepflasterten Hof.

Seedorf hat wie Pronstorf und viele andere Güter in Schleswig-Holstein alles, was ein Gut dieser Art braucht. Vor allem ein Torhaus und ein Herrenhaus. Das Torhaus von Seedorf ist ein ganz besonderes. Es ist weniger ein Torhaus, obwohl es ein Tor hat, als vielmehr eine Trutzburg. Im Erdgeschoss hat es Schießscharten, aus denen Kanonenrohre ragen.

Aus den Schießscharten im Seedorfer Torhaus ragen Kanonen

Bei den Kanonen wären wir wieder Pronstorf. Gegen den Nachbarort richteten sie sich nämlich. Bei einer Führung, die ich einmal mitgemacht habe, wurde erzählt, im 17. Jahrhundert habe der Raubritter Rantzau aus Pronstorf in der Gegend gewütet. Um sich vor ihm zu schützen, habe der Ritter Blome von Seedorf und Hornstorf die Kanonen ins Torhaus einbauen lassen.

Torhaus im Stil der Renaissance

Das Gebäude selbst wurde 1583 im Stil der niederländischen Renaissance erbaut. So steht es noch heute prächtig da, im Schnittpunkt von schnurgerade verlaufenden Alleen mit bis zu 300 Jahre alten Linden und Eichen. An deren Ende tut sich ein mit großen Feldsteinen gepflasterter Hof auf, auf dem das Torhaus steht. Heute ist es im Besitz der Gemeinde und dient als Standesamt.

Dorothea Blome (1668–1740) hat dort sicher nicht geheiratet, als sie Johann Georg Graf von Dernath das Ja-Wort gab. Angeblich soll es eine große Liebe gewesen sein, die darin gipfelte, dass das Paar das damalige Vorwerk und heutige Dorf Blomnath gründete. Der seltsame Name setzt sich aus den Namen der Eheleute zusammen: Blom-(e) und (Der)-nath. Ich fahre jede Woche nach Blomnath, weil ich dort reite, und denke beinahe jedesmal an diese Geschichte.

Hinterm Torhaus das Herrenhaus

Zurück nach Seedorf. Hinter dem wuchtigen Torhaus beinahe versteckt steht das Herrenhaus. Heute ist es Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden. Bei der Führung damals war das noch möglich, der damalige Besitzer ließ sich in seine Räume schauen. Weil nach dem Krieg dort Flüchtlinge untergebracht waren, fand er das Herrenhaus völlig leer vor. Er hat es im gräflichen Stiel wieder eingerichtet. Eine Zeit lang gab es im Keller des Herrenhauses sogar ein Café. Das ist inzwischen längst vorbei. Wer einkehren möchte, kann das in der Turmschänke rechts vor dem Torhaus tun.

Das Innere des Herrenhauses, wie es sich vor 15 Jahren präsentierte.

Die Umgebung von Seedorf ist aber wunderschön, und wer ein Stück die Straße Am Thiergarten entlang läuft und dann rechts in den Wald abbiegt, kommt an die Badestelle mit weitem Blick auf den Seedorfer See. Wer also wie wir im Segebergschen wohnt und in der Nähe bleiben will, dem sei ein kleiner Ausflug nach Seedorf ans Herz gelegt. Da ist es selbst an Pflingsten nicht überlaufen.

Allen Norddeutschen, die nicht nur in diesen Zeiten in der Nähe bleiben wollen, sei das gleichnamige Blog ans Herz gelegt. Es bietet regelmäßig schöne Ausflugstipps, garniert mit wunderbaren Fotos.

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