Die Laeiszhalle am Johannes-Brahms-Platz in Hamburg
erlebt,  Pyropro

Laeiszhalle Hamburg – eintauchen in eine andere Zeit

Ich habe vor kurzem die Laeiszhalle in Hamburg besucht. Es war ein Ausflug in großbürgerliche Zeiten. Die Halle ist ein schönes Beispiel für Neobarock.

Lange Jahre war die Laeiszhalle die maßgebliche Konzerthalle in Hamburg. Dann war irgendwann nach langer Bauzeit die Elbphilharmonie fertig und die Laeiszhalle rückte in die zweite Reihe. Heute gehören Laeiszhalle und Elbphilharmonie vom Konzertangebot zusammen. Architektonisch könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Ich mag moderne Architektur, aber ich mag auch Reminiszenzen an die Vergangenheit, wie sie die Laeiszhalle darstellt.

Eine Reise in die Vergangenheit

Ich habe im Großen Saal die 3. Sinfonie von Gustav Mahler gehört, gespielt von Laien. Vom ersten Ton an hat mich die Akustik überzeugt. Die wussten schon damals, wie man Konzerthallen so baut, dass der Klang ideal und ganz wunderbar ist. Hinzu kommt, dass die Laeiszhalle viel fürs Auge bietet. Sie zu besuchen, ist eine Reise in die Vergangenheit. Wer durch Foyer, Wandelhalle und über den Aufgang zum Großen Saal schlendert, sieht so viele wunderbare Details. Das fängt schon bei den Wegweisern an, etwa zu den Toiletten.

Keine schnöden Schilder, sondern fein gemalt: Wegweiser in der Laeiszhalle.

Entworfen und von 1904 bis 1908 erbaut von den Architekten Martin Haller und Emil Meerwein, ist die Laeiszhalle ein typisches Beispiel für großbürgerliche Architektur ihrer Zeit. Ihren Namen verdankt sie ihrem Finanzier, dem Hamburger Reeder Carl Laeisz. Er wollte der Stadt „eine würdige Stätte für die Ausübung und den Genuss edler und ernster Musik“ schenken. Das ist ihm gelungen. Carl Laeisz ist noch auf andere Weise berühmt geworden: als Reeder der sogenannten Flying-P-Liner. Alle seine Fachtsegler hatten einen Namen, der mit P begann. Unter anderem gehörten die Peking, die Pamir und die in Lübeck-Travemünde liegende Passat dazu.

Viel Deko in der Laeiszhalle

Zurück zur Laeiszhalle. Ich habe neben der Musik die Atmosphäre dieses besonderen Ortes genossen. Was den einen vielleicht zu viel überbordende Dekoration ist, hat mir ausnehmend gut gefallen. Viel Stuck, viel Ornament, viel Gold. Besonders beeindruckend ist der Große Saal mit mehr als 2000 Plätzen und zwei Rängen.

Laeiszhalle Hamburg
Der Große Saal in der Hamburger Laeiszhalle mit dem Prospekt der Walcker-Orgel.
Laeiszhalle Hamburg
Der Treppenaufgang zum großen Saal.
Laeiszhalle Hamburg
Das Foyer.
Laeiszhalle Hamburg
Am großen Treppenaufgaben erinnert eine Art Altar aus Marmor an die Stifter der Halle.

Im Inneren der Laeiszhalle sind eine Reihe von Musiker-Büsten aufgestellt. Draußen huldigen zwei Kunstwerke Johannes Brahms, der maßgeblich in Hamburg gewirkt hat. Vor der Halle steht die große Bronzeskulptur „Hommage an Brahms“ von Maria Pirwitz. Seitlich von der Konzerthalle ist der Brahms-Kubus aus Rosengranit von Thomas Darboven aufgestellt. Er zeigt auf vier Seiten vier Lebensabschnitte des Komponisten. Beide Skulpturen stammen aus dem Jahr 1981 und beide sind genauso Ausdruck ihrer Zeit wie die Laeiszhalle. Solche stilistischen Spannungen finde ich immer sehr gelungen und sehenswert.

Der Besuch in der Laeiszhalle war für mich nicht nur ein akustischer Genuss, sondern auch ein optischer und atmosphärischer. Die Fahrt nach Hamburg hat sich dafür allemal gelohnt.

Susanne Peyronnet *1960 Wurzeln in Niedersachsen Leben in Schleswig-Holstein Redakteurin seit 1981 Hobbys: Reisen, Lesen, Reiten Musik: Klassik, Klassik, Klassik (Ausnahme Kammermusik) Länder: Deutschland, Frankreich

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