Der Liberty-Dollar in Silber aus dem Jahr 1976.
gedacht,  Pyropro

Liberty: Gedenkmünze zu 200 Jahre Unabhängigkeit der USA

In diesem Jahr jährt sich die Unabhängigkeit der USA zum 250. Mal. Ich verbinde Kindheitserinnerungen mit dem 200. Jahrestag, mit dem Liberty-Dollar und mit Tante Olli und Onkel Werner.

In meinem Besitz befindet sich ein sogenannter Liberty-Dollar, eingefasst in einen kordelförmigen Ring und mit einer Öse versehen. So sollte die wuchtige Münze an einer Kette getragen werden können. Ich habe sie mir nie umgehängt, aber sie stets in Ehren gehalten. Denn sie war ein Geschenk von zwei besonderen Menschen, von Tante Olli und Onkel Werner.

Ein Liberty-Dollar als Geschenk

Aber zunächst zum Liberty-Dollar. Auf der einen Seite zeigt die Münze eine Glocke vor dem Mond, auf der anderen Seite das Profil von Dwight D. Eisenhower, dem 34. Präsidenten der Vereinigten Staaten. Das offizielle Material war Kupfer und Nickel, es gibt aber auch Exemplare in Silber. So eins ist meins dem Anschein nach. Diese Silbermünzen gelangten nie als reguläres Zahlungsmittel im Umlauf. Sie waren eher Gedenkmünzen. Und solche Gedenkmünzen brachten Tante Olli und Onkel Werner ihren Großneffen als Geschenk mit, als sie aus Amerika zu Besuch kamen.

Damit vollendete sich ein Stück Familiengeschichte. Die beiden wanderten irgendwann nach dem Ersten Weltkrieg unabhängig voneinander nach Amerika aus. Sie lernten sich erst dort kennen, heirateten und betrieben über Jahrzehnte in New York eine Art kleinen Supermarkt. Mit Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg sprachen sie nicht mehr Deutsch miteinander. Und sie waren nie mehr in der alten Welt. Bis 1976.

Mittlerweile Rentner, unternahmen sie ein für sie sehr große Reise. Mit dem Flugzeug ging es über den großen Teich. Und als Onkel Werner am Flughafen deutschen Boden betrat, begrüßte er die Verwandtschaft in reinstem Sächsisch. Schließlich ist er nicht nur mein Großonkel gewesen, sondern vor allem der lebenslustige Spross des Dresdner Teils meiner Familie. Auf ihre alten Tage entschloss sich das Paar, noch einmal auf den Wegen vor allem von Onkel Werners Kindheit und Jugend zu wandeln.

Onkel Werner und Tante Olli am Grabstein von Werners Vater. Zur Beerdigung war er nicht aus den USA angereist.

Ein Genie am Klavier

Meine Erinnerungen an Onkel Werner sind vor allem die an sein Klavierspiel. Der Mann hatte nie Unterricht, konnte keine einzelne Note. Aber er spielte nach dem Gehör alles, was es gab. Klassik, aber vor allem Jazz. Ich sehe ihn noch an unserem Familienklavier sitzen und mit Hingabe spielen. Die einzige Tochter des Paares war übrigens ein Klavier-Wunderkind in den USA. Später konnte sie aus ihrem Talent leider nicht viel machen und war vor allem Musiklehrerin.

Für uns Kinder – ich war bei dem Besuch 16 Jahre alt – war die Begegnung mit den beiden Amerikanern mit deutschen Wurzeln ein Erlebnis. Daran erinnert bis heute der Liberty-Dollar. Immerhin ist er jetzt schon 50 Jahre in meinem Besitz. Einen großen Wert hat er allerdings nicht. Im Netz werden Exemplare der Münze gerade mal für ein paar Euro gehandelt. Aber ich will ihn ja nicht verkaufen, sondern in Ehren halten.

Susanne Peyronnet *1960 Wurzeln in Niedersachsen Leben in Schleswig-Holstein Redakteurin seit 1981 Hobbys: Reisen, Lesen, Reiten Musik: Klassik, Klassik, Klassik (Ausnahme Kammermusik) Länder: Deutschland, Frankreich

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