Das französische Konsulat in Hamburg.
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Das französische Konsulat in Hamburg – ein besonderes Gebäude

Wir mussten zum französischen Konsulat nach Hamburg, um den neuen Pass und die neue Carte d’identité des Mannes abzuholen. Die Vertretung befindet sich in einem besonderen Gebäude.

Wie wir in Deutschland müssen auch Franzosen alle zehn Jahre einen neuen Pass und einen neuen Personalausweis (Carte d’identité) beantragen. Gleiches gilt für Auslandsfranzosen wie den Mann. Anträge können jedoch nur in München – für uns als Schleswig-Holsteiner viel zu weit weg – und in Berlin bei der französischen Botschaft gestellt werden. Weshalb wir Anfang Mai für drei Tage in der Bundeshauptstadt waren und die Antragstellung gleich mit ein bisschen Berlin-Besichtigung verbunden haben. Nun waren beide Dokumente fertig. Abgeholt werden können sie im nächstgelegenen Konsulat, in unserem Fall im Generalkonsulat in Hamburg.

Eine Villa in der feinsten Gegend

Das liegt in der Heimhuder Straße. Eine der schönsten Straßen Hamburgs im Nobelviertel Rotherbaum. In der von Bäumen gesäumten Straße reiht sich eine pompöse Stadtvilla an die nächste, alle in strahlendem Weiß gehalten. Da sticht das französische Konsulat förmlich heraus. Es ist ebenfalls in einer Jahrhundertwende-Villa untergebracht, aber in kräftigem Orange gestrichen. Das Haus beherbergt zudem das Institut français Hamburg.

Zwei Tafeln am Gebäude weisen auf berühmte und bedeutende Bewohner hin. Zum einen auf Carl Melchior, der bis zu seinem Tod 1933 in dem Haus wohnte, das ihm gehörte. Der ehemalige Warburg-Bänker war nach dem Ersten Weltkrieg Mitglied der deutschen Friedensdelegation in Versailles. Ab 1927 vertrat er Deutschland im Völkerbund und engagierte sich für eine europäische Friedensordnung. Melchior starb 1933, seine Witwe Marie de Molènes verkaufte das Haus 1951 an die Stiftung Institut français de Hambourg.

Vom Oktober 1959 bis zum September 1960 wohnte und arbeitete der französische Philosoph Michel Foucault (1926-1984) in dem heutigen französischen Konsulat. Er organisierte ein umfangreiches Kulturprogramm und gab in dem Gebäude zudem Lehrveranstaltungen für die Universität Hamburg.

Mit beiden berühmten Männern hatte ich mich vorher nie intensiver beschäftigt. Da ich eine Weile vor dem Konsulat warten musste, bis der Mann mit seinen neuen Papieren wieder herauskam, habe ich mir die Erinnerungstafeln durchgelesen und mich später Zuhause noch ein wenig mit Melchior und Foucault befasst. Schön, so en passant solche Anregungen zu bekommen.

Vom Balkon des französischen Konsulats weht die französische Fahne, so gehört sich das. Vor dem Haus verkündet ein Schild, dass das Gebäude zu verkaufen ist. Angepriesen als Villa mit Charme français. Ich habe die passende Anzeige später im Netz gefunden und mich erst einmal gewundert. Dort ist die Villa zunächst im gleichen Schneeweiß zu sehen wie die Häuser rundherum. Der Klick aufs Bild verrät, dass das eine Visualisierung ist. Daneben gibt es das Haus im Originalzustand zu sehen und einen Blick ins herrschaftliche Innere.

Wo bleibt das Konsulat nach dem Verkauf?

Der Preis, der für dieses architektonische Kleinod aufgerufen wird, ist stolz, aber der Umgebung offenbar durchaus angemessen: 5,65 Millionen Euro. Dafür gibt es 16 Zimmer auf vier Ebenen und entsprechend viel Platz. Warum die Villa verkauft wird, ob der französische Staat oder das Institut français dringend Geld brauchen und was mit Institut und Konsulat nach dem Verkauf passiert, weiß ich nicht. Vielleicht werden wir es erst herausfinden, wenn der Mann in zehn Jahren einen neuen Pass braucht und den dann nach dem Antrag in Berlin in Hamburg abholen kann. Jedenfalls hoffe ich, dass es diese Möglichkeit dann noch gibt und wir nicht zum Abholen noch einmal nach Berlin reisen müssen, weil das Konsulat in Hamburg keine Bleibe mehr hat.

Susanne Peyronnet *1960 Wurzeln in Niedersachsen Leben in Schleswig-Holstein Redakteurin seit 1981 Hobbys: Reisen, Lesen, Reiten Musik: Klassik, Klassik, Klassik (Ausnahme Kammermusik) Länder: Deutschland, Frankreich

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