Was macht die Frage „Was macht das mit dir“ mit dir?

In Fernsehtalkshows und Politikersprech tauchen mit schöner Regelmäßigkeit Formulierungen auf, die sich so schnell verbreiten wie eine nicht eingedämmte Pandemie. Eine Phrase scheint zurzeit ein exponentielles Wachstum zu verzeichnen: Was macht das mit dir? Wahlweise: Was macht das mit Ihnen? Was es mit mir macht? Dass ich extrem genervt bin.

Die Phrase kündet für mich davon, dass der, der da fragt, erstens nicht nachdenkt und zweitens einfach etwas nachplappert, was er anderswo gehört hat. „Was macht das mit dir?“ heißt für mich übersetzt: Ich weiß nicht so recht, wie ich eine konkrete Frage zu diesem Thema formulieren soll. Die Frage danach, was irgendetwas etwas mit einem macht, passt einfach immer, ohne genauer auf das einzugehen, worüber gesprochen wird.

Eine schlimme Phrasenfrage

„Was macht das mit dir?“ ist noch in anderer Hinsicht eine blöde Frage, eine schlimme Phrasenfrage oder wie ich sage, eine Überall-Formulierung. Das, worum es geht, macht meistens gar nichts, es ist einfach da. Derjenige, der davon betroffen ist, ist laut dieser Formulierung passiv und dem, was dieses unbeannte „Das“ macht, hilflos ausgeliefert. Keine Möglichkeit, sich dem zu widersetzen oder die Wirkung zu beeinflussen. Der Mensch, ein Opfer von etwas, das etwas mit ihm macht. Was ist dieses Etwas und was bedeutet machen?

Twitterin La vie en sauce aka @asphaltflausch hat das ganze Elend dieser Frage in einen schönen Tweet verpackt:

Ich hätte ein paar Gegenvorschläge für bessere Fragen. Die sollte ich vielleicht mal Markus Lanz ans Herz legen, der in seinen Talkshows die Phrase von etwas, das etwas mit jemandem macht, bis zum Exzess treibt. Wie wäre es also mit diesen Fragen?

Wie fühlen Sie sich in dieser Situation?
Was bedeutet das für Ihr Leben?
Inwiefern beeinflusst die Pandemie/die Schließung Ihres Geschäfts/die Schließung der Schulen Ihren Alltag?
Wie gehen Sie damit um?
Wie würden Sie es finden, wenn . . ?
Schildern Sie bitte mal, was Sie in so einem Fall machen?
Wie reagieren Sie darauf?
Welche Lösung haben Sie für sich gefunden?
Wie schätzen Sie das ein?

Das macht nichts

Niemand muss also fragen, was irgendetwas mit einem macht. Ich hoffe mal, dass diese dämliche Frage irgendwann wieder aus dem allgemeinen Sprachgebrauch verschwindet. Vielleicht am Ende des Tages (noch so eine blöde Formulierung). Es macht gar nichts, wenn das niemand mehr fragt.

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