Der Ally, das unbekannte Wesen

Wer regelmäßig im Netz unterwegs ist, stößt auf die seltsamsten Ausdrücke. Ich glaube, ich habe noch nie so viele Wörter gelernt wie in der Zeit, in der ich mich in sozialen Netzwerken herumtreibe. Meistens allerdings sind es Wörter, die mich nicht erfreuen. Wörter, die ausgrenzen, auch wenn sie das nicht wollen oder sollen. Meine neueste Entdeckung: der Allie oder Ally.

Wie so oft bei solchen Wörtern, die vor allem das Verhältnis zwischen Gruppen und Geschlechtern bezeichnen sollen, war ich zunächst ratlos. Ally, auch Allie, was soll das sein? Ally ist englisch und heißt übersetzt Allierter, Verbündeter. Das ist hier tatsächlich gemeint. Aber wie genau?

Die Aufklärung gab’s gleich vom Autoren dieses Social-Media-Eintrags. Ein Allie ist einer, der alles hat. Mit Betonung auf „einer“, denn eine „eine“ kann offenbar kein Ally sein. Ein Ally unterstützt Menschen, die angeblich oder wirklich missachtet oder unterdrückt werden, obwohl er selbst nicht dazu gehört, weshalb es oft auch die Kombination Fem-Allie gibt.

Alliierter der Unterdrückten

Ohne das Fem davor hatte ich den Begriff zunächst anders verstanden. Demnach ist ein Allie einer, der genau die Eigenschaften aufweist, für die niemand diskriminiert wird: weiß (was hierzulande nicht so ganz überraschend ist), Mann, heterosexuell, nicht arm, nicht wasweißich. Jedenfalls so, wie die Mehrheit der Männer in Deutschland. Der Fem Allie oder Feminist Allie ist einer, der nicht Frau ist – na klar – und sich dennoch für Feminismus und Frauenrechte einsetzt.

Schön, wenn Männer das machen. Schön auch, wenn Menschen, ob nun Männer oder Frauen, sich für die einsetzen, die diskriminiert oder, wie es heute so schön heißt marginalisiert, sind. Aber braucht es dazu wieder ein Wort, was die meisten Menschen nicht verstehen? Und es bleibt nicht bei einem Wort. Der Mann, der sich Ally nennt, will dieses Ally-Sein dazu einsetzen, sich „gegen die weiß/cis/heteronormative Gesellschaftsordnung“ zu stemmen. Schön für ihn.

Die Kunst, Menschen zu erreichen

Allerdings wird er nicht weit damit kommen, wenn er für die, die er erreichen will, in Rätseln redet. Aber warum sich um andere Menschen bemühen, sollen die doch lernen, was er und die in seiner Filterbubble meinen. Wer so redet, dem kann ich eine gewisse Arroganz nicht absprechen.

Als Jounalistin bin ich es gewöhnt, so zu schreiben, dass mich möglichst jeder versteht. Deswegen geht mir es mir gegen den Strich, wenn Menschen mit Begriffen um sich werfen, die nicht allgemein verständlich sind. Kein Wunder, dass sie mit ihrem Anliegen oft auf Unverständnis treffen. Wenn ihnen überhaupt jemand zuhört oder ihre Texte liest.

Ich wüsste ja gern mal etwas über die Wirkung von Texten, die so mit den meisten unbekannten Wörtern gespickt sind. Werden damit Menschen erreicht, die sonst nichts mit dem Thema zu tun haben? Falls nicht, dann sollten die Autoren mal darüber nachdenken, ob sie auf dem richtigen Weg sind.

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