Von der Kunst, einen Pfau zu halten

Von der Kunst, einen Pfau zu halten

Was für ein herrlicher Tag war das heute. Mitten im Februar mehr als nur ein Hauch von Frühling. Das haben auch die Tiere bemerkt und genossen. Unser Pfau Lord, die schönste Deko in unserem Garten, hat sich prächtig aufgebaut und alle angebalzt, die draußen waren. Seine Henne, mich, Hühner, Katzen und Puten. Wir freuen uns immer an diesem prächtigen Bild, doch bis dahin war es ein langer Weg.

Lord ist der vierte Pfau, den wir haben. Drei Versuche, Pfauen im Garten anzusiedeln, sind kläglich gescheitert. Der erste Versuch begann mit vier Pfauenküken. Eine teure Angelegenheit, und die kleinen, unscheinbaren Federhäufchen, die wir für viel Geld bekamen, ließen nicht erkennen, ob es Weibchen oder Männchen waren und dass daraus jemals prächtige Pfauenvögel werden sollten. Sie kamen im Sommer zu uns, und als es Winter wurde, sprach ich mich dafür aus, sie in den Stall zu setzen. Ergebnis: Innerhalb von zwei Wochen fielen alle vier tot von der Stange, auf der sie immer saßen. Offenbar haben sie das Zusammensein mit unseren Hühnern nicht vertragen. Manches Hühnerbakterium ist für Pfauen tödlich. Und Pfauenküken sind extrem empfindlich, sie groß zu bekommen, ist ein Kunststück.

Versuch Nummer zwei setzte mit einem erwachsenen Pfauenhahn an. Wir tauften ihn Aladin und sperrten ihn erst einmal zwei Wochen ein. Es war im Mai, der Raps vor unserem Haus blühte. Aladin durfte zum ersten Mal nach draußen. Zögernd sah er sich um, ging ein paar Schritte. Dann hatte Nachbars Hund den Zuwachs erspäht, bellte ihn an – und Aladin setzte zum Sprung über den Zaun an und verschwand in 80 Hektar blühendem Raps. Keine Chance, ihn darin wiederzufinden. Zwei Wochen später tauchte er noch einmal auf einem zwei Kilometer entfernten Bauernhof auf und verschwand dann auf Nimmerwiedersehen.

Versuch Nummer drei, wieder mit zwei Küken. Im ersten Winter beschlossen wir, sie draußen in ihrer Voliere zu lassen. Sollten sie doch erfrieren, besser, als im Stall tot umzufallen. Doch die Vögel hielten durch, überstanden Eis und Schnee und durften im Frühjahr nach draußen. Alles ging gut. Aladin Nr. 2 entwickelte sich prächtig, und auch seine Frau Jasmin fühlte sie sehr wohl. Bis ihr Mann eines Tages schwächelte und starb. Wir wissen nicht warum.

Unser Aladin, ein Pfau wie aus dem Bilderbuch.
Unser Aladin, ein Pfau wie aus dem Bilderbuch.
In unserem Garten fühlte sich Aladin sehr wohl
In unserem Garten fühlte sich Aladin sehr wohl

Nun war Jasmin Witwe. Ein neuer Hahn musste her. Zum Glück hatten Freunde von uns einen verwitweten Hahn. Lord. Er zog zu uns um. Seitdem macht er uns mit seinem prächtigen Aussehen viel Freude. Lord ist handzahm, kommt jeden Morgen an die Terrassentür, um eine ordentliche Portion Katzenfutter zu verdrücken, und wenn wir im Sommer draußen sitzen, leistet er uns Gesellschaft. Er ist ein Prachtbursche, der auf seinen Namen hört. Jeden Abend fliegt er auf eine große Eiche, um dort zu übernachten. Er trotzt Wind und Wetter und hat es selbst bei fast 20 Grad minus dort oben ausgehalten. An sich ist er ein sehr verträglicher Zeitgenosse. Seine durchdringende Schreie stören uns nicht. Dass Pfauen ihrem Ruf, eitel zu sein, gerecht werden, beweist uns Lord hin und wieder. Zu gern spiegelt er sich in der Scheibe unserer Terrassentür, steht manchmal lange davor. Und wenn ein dunkles Auto mit glänzendem Lack bei uns parkt, läuft er ständig drumherum, beobachtet sein Spiegelbild und balzt das Fahrzeug an, in dem er sein prächtiges Rad schlägt.

Lord auf seinem Schlafbaum - dort übernachtet er das ganze Jahr über
Lord auf seinem Schlafbaum – dort übernachtet er das ganze Jahr über
Jeden Morgen: Frühstück auf der Terrasse
Zum Ende des Winter ist Lords Schleppe wieder lang und schön

Und so steht er nun jedes Frühjahr und jeden Sommer im Garten, balzt jeden an, der vorbeigeht, bis er im Spätsommer innerhalb weniger Tage seine Schleppe komplett verliert. Über die ausgefallenen Federn freuen sich unsere Freunde immer sehr. Über den Winter wächst die Schleppe nach, und jetzt, im Februar, zeigt sich unser Lord wieder in voller Pracht. Wir wünschen uns und ihm ein langes Leben in unserem Garten.

Lord hinter Gittern

Eineinhalb Jahre nachdem dieser Artikel geschrieben wurde: Lord sitzt seit vergangenem Herbst hinter Gittern. Er durfte seine Voliere nicht mehr verlassen, weil er immer aufs Grundstück unseres einzigen Nachbarn gegangen ist. Der Nachbar aber hat etwas dagegen. Außerdem hat Lord angeblich oder wirklich ein Autos zerkratzt, die Versicherung hat 1200 Euro für die Beseitigung des Lackschadens bezahlt. Nun ist der Garten verwaist, das Pfauenpaar sitzt eingesperrt da und fühlt sich nicht besonders wohl. Wer sich einen Pfau halten möchte, sollte also entweder ganz allein wohnen oder einen sehr toleranten Nachbarn haben.

Informationen rund um die Haltung von Pfauen bietet das Pfauenforum.

Infos gibt es auch bei der Pfauenfarm.

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Von der Kunst, einen Pfau zu halten

9 Kommentare

  1. Hallo Susanne,
    noch nie habe ich gehört, dass sich Menschen einen Pfau oder auch zwei privat halten. ich sehe sie sonst immer in den zoologischen Gärten herumspazieren. Dein Artikel ist recht interessant. Ich hätte nicht gedacht, dass sie so der Kälte strotzen. ich hoffe, dass sich beide Tiere noch eine Weile bei Euch wohl fühlen und Eure Nachbarn weiterhin so tolerant sind. Denn Lärm können sie schon ganz schönen machen!
    LG, Christiane

    1. Liebe Christiane,
      zugegeben, unser Grundstück ist mit 2000 Quadratmetern ein halber Park – wenn auch kein zoologischer Garten. Ich kenne viele Leute auf dem Lande, die Pfauen halten, allein bei uns im Dorf kommen auf 250 Einwohner sechs Pfauen. Sie sind so schön, dass sie jeden Garten zieren. Für Wohnsiedlungen sind sie allerdings wirklich nichts.
      LG Susanne

  2. Hallo ich Hätte da vieleicht eine lösung für euer problem mit dem nachbarn wie hoch kann lord fliegen das müsst ihr erst mal wissen dann kann die lösung greifen baut einen zaun höher als lord fliegen kann dann hat der nachbar und ihr auch aber er muss sich noch frei bewegen können sonst taugt das nix ich hoffe das geholfen

    1. Tja, Lord schafft spielend drei bis vier Meter, und der Nachbar verwahrt sich gegen einen hohen Zaun an seiner Grundstücksgrenze. Das ist also leider auch keine Lösung. Aber danke für den Tipp.

  3. Liebe Susanne,
    ich habe vor ca. einem Jahr das erste Mal Ihren Blog besucht. Wir hatten das gleiche Problem wie Sie. Nachdem ich Ihren wunderschönen Lord gesehen hatte, habe ich mich dazu entschieden, noch einen Versuch zu wagen. Es war der dritte Anlauf und ich habe 2 fast erwachsene Tiere genommen. Inzwischen habe ich die beiden ein Jahr. Unser Fridolin ist jetzt 3 Jahre und Emma 2.
    Wir wohnen in einem kleinen Weiler mit 5 Häusern und bewohnen das letzte Haus. In 3 Richtungen nur Äcker und Wiesen. Hinter uns ein Laubwald in dem die beiden übernachten. Vor ein paar Wochen war es dann so weit. Unsere angrenzende Nachbarin hat sich beschwert, dass die Pfaue ihre Hinterlassenschaft auf ihrem Rasen lassen und ein paar Blumen geerntet haben. Und das mitten in der Pampa, wo wir hier vor 10 Jahren eigentlich unser Paradies gefunden hatten (wir wohnen hier mit Pferden, Katzen, Hühnern und Hund). Sie können sich vorstellen, wie ich mich gefühlt habe. Ich dachte, auf dem Land gehören Tiere einfach dazu. Ich habe mich entschlossen, meine Nachbarin zu ignorieren solange es geht und ihr empfohlen die beiden mit einem Wasserstrahl fernzuhalten. Bisher habe ich noch keine weiteren Beschwerden von ihr gehört. Der Nachbar dahinter freut sich, wenn die Pfaue auf seinem Hof sind. Wenn ich zu Hause bin, schaue ich in regelmäßigem Abstand, wo die beiden sind. Ich hoffe, dass sich die Wogen glätten und unsere Pfaue weiterhin in Freitheit bei uns leben können.
    Viele Grüße aus Bayern
    Astrid

    1. Liebe Astrid,
      schön, dass es mit den Pfauen jetzt geklappt hat. Ja, sie machen viel Freude, aber leider auch Ärger, wenn der Nachbar quer schießt. Ich hoffe, dass es bei Ihnen ruhig bleibt. Wir mussten uns schweren Herzens von unseren Pfauen verabschieden und sie weggeben, weil keine Einigung möglich war und wir die Tiere nicht auf Dauer eingesperrt halten wollten.
      Leider ist es auf dem Land heute so, dass Tiere irgendwann immer jemanden stören. Da zieht man schon aufs Land und hat dieselben Probleme wie in der Stadt (vielleicht, weil so viele Städter aufs Land ziehen). Ich wünsche Ihnen, dass Ihre Pfauen bleiben dürfen und dass Sie viele Freude an ihnen haben.

  4. Schade, dass das Pfauenhalten gegenüber den Nachbarn so problematisch ist ! Ich habe in letzter Zeit überlegt, mir auch 2 Pfauen zuzulegen. Für mich sind das die idealen Tiere, da sie auch mal allein bleiben und sich versorgen können (und hoffentlich nicht gleich weglaufen), da ich oft nicht da bin. Seit letztem Jahr habe ich eine Erdkröte und dieses Jahr ist eine weitere kleine Erdkröte hinzugekommen. Jetzt sitzen sie beide gemeinsam jeden Abend auf der Terrasse im Garten. Aber verstehen tue ich die Nachbarn nicht ! Katzen, die jeden Tag draussen sind werden toleriert obwohl sie überall hinscheissen (auch in meinen Garten) und seltene kleine Vögel fangen, aber Pfauen nicht ???

  5. Ich habe ein Paar weiße Pfauen in einer GroßvoliereXXL in unserem hiesigem Kleintierzuchtverein.aber leider noch keinen Nachwuchs, HARRY& SALLY bzw. Julia( Sally ist leider im Sommer 2015verstorben) bemühen sich zwar sehr, Julia brütet jedes Jahr ein-2X, die Eier sind befruchtet, aber schlüpfen tun bis jetzt keine ;-( Ich lasse Julia im geschützten Stall brüten, Auslauf wenn Sie will hat Sie trotzdem, Das Fenster zur Freiflugvoliere ist immer offen. HARRY kommt nur zum schlafen in den Stall. Ich hoffe das Julia dieses Jahr wieder einen 2ten Brutversuch startet, ich ködere Sie ordentlich an. Sie müßte eigentlich bald Eier scheißen. Alles nicht so einfach, aber ich gebe nicht auf!!!

    1. Lieber Pfauenflüsterer, danke für den ausführlichen Kommentar. Ja, nicht aufgeben ist das wichtigste, wenn man es mit Pfauen zu tun hat. Nicht aufgeben bei der Haltung und nicht aufgeben, bei den Nachbarn um Verständnis zu bitten.

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