#schlossGenuss – Meine Lieblingsschlösser

Schloss Nordkirchen in Westfalen

Der Verein Schlösser und Gärten in Deutschland lädt zur Blogparade ein. #schlossGenuss lautet der Titel, und dazu fällt mir viel, sehr viel ein. Genuss ist auch essen und trinken. Aber nicht nur. Schlösser bieten so viel mehr. Ich habe ein paar Lieblingsschlösser, mag aber alle. Was reizt mich daran?

Es ist diese wunderbare Mischung aus Geschichte (schon in der Schule mein Lieblingsfach) und Geschichten, aus Ausstellungen, vor allem historischer Bilder, Möbel und Dekorationen, Gartenkunst und Ruhe (meistens jedenfalls, wenn keine Touristenhorden durch das Schloss strömen). Da hinein mischt sich Staunen. Staunen darüber, mit welchem Aufwand Schlösser einst errichtet wurden, manchmal mitten in der Provinz, weit weg von jeder größeren Siedlung. Ein Beispiel dafür ist Schloss Rundale in Lettland, ein riesiger barocker Prunkbau, der deutlich von Versailles inspiriert ist und in seiner Pracht der französischen Mutter aller Schlösser in nichts nachsteht.

Kurze Wege

Doch zurück nach Deutschland. Lieblingsschlösser sind meisten die, die in der Nähe liegen. Die öfter als nur einmal im Urlaub erreichbar sind. Eines meiner Lieblingsschlösser befindet sich nur knappe 100 Meter von meinem Arbeitsplatz entfernt: Schloss Eutin. Als Kind habe ich in den 70er Jahren im Urlaub mit meinen Eltern davor gestanden und war sehr traurig, dass es damals noch für die Öffentlichkeit verschlossen war. Das hat sich mittlerweile geändert. Das Schloss gehört heute einer Stiftung, ist samt dem dazugehörigen Schlossgarten renoviert und restauriert (revitalisiert, wie die Verwaltungsleute so gerne sagen) und ein wahres Kleinod.

Kronleuchter und Deckengemälde im Rittersaal des Eutiner Schlosses.
Kronleuchter und Deckengemälde im Rittersaal des Eutiner Schlosses.
Blick über den mit Kopfsteinpflaster befestigten Innenhof des Eutiner Schlosses.
Blick über den mit Kopfsteinpflaster befestigten Innenhof des Eutiner Schlosses.

Schönes Schloss Eutin

Rittersaal, Gottorfzimmer, Schlosskapelle in barocker Originalausstattung, das Schlossmuseum zeigt die ganze Pracht dieser Zeit. Der Schlossgarten, ein Landschaftsgarten, präsentiert sich gerade jetzt im Frühjahr von seiner schönsten Seite. Der Küchengarten, lange Zeit heruntergekommen, wurde zur Landesgartenschau 2016 nach historischem Vorbild neu gestaltet und präsentiert sich heute in voller Schönheit samt neu errichteter Klimamauer. Dahinter gedeiht das Gemüse in besonders günstigem Mikroklima. Vom quadratischen Schlosshof aus geht es in die gerade wieder neu eröffnete Schlossküche, die keine Küche ist, sondern ein Restaurant. Mit Blick auf Schlossgraben und historische Lindenallee lässt sich dort gut tafeln, zumal das Ambiente dem des Schlosses in nichts nachsteht. Ich war noch nicht dort, aber ich glaube, es ist an der Zeit, die rosa gebratene Lammhüfte mit Kräuterkruste, karamellisiertem Knoblauch und Kartoffel-Gratin zu probieren. Ich liebe Lamm.

Fluchten aus Zimmern und Bäumen

Ein weiteres meiner Lieblingsschlösser ist Schloss Bothmer (hinter dem Link verbirgt sich ein ausführlicher Bericht mit Fotos) im Klützer Winkel. Auch so eine barocke Prachtanlage in der Provinz. Ich kenne es bereits seit 1991, da war es noch in einem desolaten Zustand. Nach dem Einmarsch der Russen 1945 und der DDR-Zeit ist nichts übrig geblieben von der Pracht des Interieurs. Das Land Mecklenburg-Vorpommern hat das Schloss restaurieren lassen. Im Inneren ist eine Ausstellung konzipiert, die in moderner Gestalt die Geschichte von Geschlecht und Schloss Bothmer erzählt. So faszinierend das Schloss, so faszinierend ist auch der Schlossgarten, eine quadratische Anlage mit alten Lindenalleen. Außerdem hat Schloss Bothmer etwas deutschlandweit einmaliges zu bieten: eine Feston-Lindenallee, die auf die Schlossanlage zuläuft. Wer sich in den Zimmerfluchten, im Schlossgarten und den Baumfluchten der Lindenalleen müde gelaufen hat, kann in der Orangerie Schloss Bothmer einkehren.

Neuschwanstein des Nordens

Nicht vergessen werden darf das Schloss Schwerin, Sitz des Landtags von Mecklenburg-Vorpommern. Es geht die Legende, dass das Schloss so viele Türme hat wie das Jahr Tage: 365. Auch das Schweriner Schloss, Beiname „Neuschwanstein des Nordens“, ist ein Gesamtkunstwerk aus Gebäude und Garten. Die Ausstellung zeigt Möbel und Gemälde. Der Garten ist ein Kleinod, vor allem die Schlossinsel selbst. Der Herzog sammelte Bäume, und so stehen auf ihr viele seltene Exemplare. Mein Liebling ist ein 200 Jahre alter knorriger Ginkgo. Sehenswert sind auch die Orangerie und die künstliche Grotte am See.

Die Orangerie am Schweriner Schloss.
Die Orangerie am Schweriner Schloss.

Es gibt noch ein paar mehr Häuser in der Reihe meiner Lieblingsschlösser, die aber weit entfernt liegen und die ich deshalb bisher nur einmal gesehen habe. Eines davon ist Residenz in Würzburg mit der phänomenalen Decke von Giovanni Battista Tiepolo, mit 580 Quadratmetern das größte zusammenhängende Deckenfresko der Welt. Zum Staunen gewaltig.

Im Land des Porzellans

Oder Kloster Corvey, die äußerlich strenge Anlage mit ihrer reizenden Inneneinrichtung im Stil des Empire. Dort werden in diesem Sommer die Sonderausstellungen „Zum Fressen gern“, Untertitel
Photographische Entdeckungen in den Sammlungen des Benediktinerstifts Admont, und „Genußwelten“, Untertitel Köstlichkeiten für Tisch und Teller in historischen Darstellungen, gezeigt. Ob Kloster oder Schloss, die Bewohner wussten zu leben und zu speisen. Wer sich für Tischkultur interessiert, der fahre von Corvey noch ein paar Kilometer weiter zur hoch über der Weser gelegenen Porzellanmanufaktur Fürstenberg und ihrer sehenswerten Ausstellung. Einige Stücke Fürstenberger Porzellans sind auch auf den Tafeln von Corvey drapiert.

Die Inneneinrichtung im Kloster Corvey. Alles andere als klösterlich.
Die Inneneinrichtung im Kloster Corvey. Alles andere als klösterlich.
Gedeckte Tafel im Museum der Porzellanmanufaktur Fürstenberg.
Gedeckte Tafel im Museum der Porzellanmanufaktur Fürstenberg.

Mega-Schloss im Münsterland

Dann ist da noch Schloss Nordkirchen im Münsterland. Entdeckt habe ich es zunächst auf Fotos, dann habe ich einen leider nur einstündigen Abstecher dorthin unternommen. Für mehr reichte die Zeit nicht. Nordkirchen ist faszinierend, überwältigend, grandios (Artikelfoto ganz oben). Eine symmetrische Anlage ungeheuren Ausmaßes, weshalb das Gebäude den Beinamen „Westfälisches Versailles“ trägt. Das Schloss ist Sitz der Fachhochschule für Finanzen, der Schlossgarten für jedermann zugänglich. Die kostbare Innenausstattung jenseits der Hörsäle lässt sich bei Führungen entdecken. Dafür fehlte mir leider die Zeit. Nordkirchen ist ein Schloss, das ich unbedingt noch einmal besuchen muss, mit viel Zeit.

Das Große Parterre von Schloss Nordkirchen zeigt die ganze Schönheit barocker Gartenkunst.
Das Große Parterre von Schloss Nordkirchen zeigt die ganze Schönheit barocker Gartenkunst.

Ich lasse wenn immer möglich kein Schloss am Wegesrand liegen. Ich steuere jedes an. Schloss ist Genuss, ein Gleichklang, der mich immer wieder aufs Neue fasziniert. Und ja, ich denke auch daran, unter welchen Mühen für die Bevölkerung viele dieser Schlösser errichtet worden sind. Aber meistens freue ich mich einfach daran, was ich dort zu sehen bekomme. Es ist für mich ein #schlossGenuss.

2 Kommentare

  1. Liebe Susanne,

    was für ein herrlicher Beitrag zur Blogparade #SchlossGenuss! Wie neidisch bin ich, dass du gerade mal 70 Meter vom Schloss Eutin entfernt arbeitest. Als ich noch für die Bayerische Schlösserverwaltung in Nymphenburg arbeitete, genoss ich einige Jahre die Zufahrt auf das Schloss, den Mittagsspaziergang durch die Parkanlage, den Duft von alten Gemäuern, Pflanzen, Wald und Geschichte. Umso mehr freut es mich, dass ich diese Blogparade für Schlösser und Gärten in Deutschland e. V. im Netz begleiten darf!

    Deine Reise durch einen Teil der Schlösserwelt in Mecklenburg-Vorpommern und durchs Münsterland fasziniert. Bei erst genannten war ich noch nie – wird jetzt mal Zeit, wenn ich deine Eindrücke hier lese und sehe – und das Münsterland ist zwar meine Heimat, ich war bestimmt als Kind hier, aber nicht mehr als Erwachsene. Da gibt es einiges für mich nachzuholen. Danke für den Appetit darauf, den du geschürt hast!

    Herzlich,
    Tanja

  2. LiebeTanja,
    vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar. Es gibt so viele schöne Ecken in Deutschland mit so vielen schönen Schlössern und anderen Kultur-Anziehungspunkten. Kaum zu schaffen, sie alle zu besuchen. Mecklenburg-Vorpommern dürfte für viele noch ein weißer Fleck in dieser Hinsicht sein. Es lohnt sich, dieses Bundesland zu entdecken.
    Das ist auch ein schöner Nebeneffekt dieser Blogparade. Man erfährt von Schlössern, die man nie auf dem Schirm hatte. Danke Euch für diese vielen Anregungen.
    Liebe Grüße, Susanne

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