Kappeln: Klappbrücke und goldener Albatros
Mich hat es für eine Weile in die Nähe von Kappeln verschlagen, eine kleine Stadt in Schleswig-Holstein. Die bietet einen hübschen Hafen, eine bemerkenswerte Klappbrücke, einen goldenen Vogel und den einzigen noch existierenden Heringszaun in Europa.
Kappeln liegt zwischen den Landschaften Schwansen im Süden und Angeln im Norden an der Schlei, nicht weit von der Ostsee entfernt. Die B 203 führt aus Richtung Süden über die an dieser Stelle recht breite Schlei hinweg. Dort hat die Stadt von 2000 bis 2002 die Schleibrücke gebaut, eine sogenannte zweiflügelige Doppel-Klappbrücke. Sie öffnet sich zu festen Zeiten: von April bis Oktober täglich von 5.40 bis 21.40 Uhr, immer etwa 20 Minuten vor jeder vollen Stunde; von November bis März täglich von 7.40 bis 17.40 Uhr, ebenfalls etwa 20 Minuten vor jeder vollen Stunde.
Spannende Öffnung der Schleibrücke
Die Brückenöffnung ist ein Erlebnis. Die Ampeln springen auf Rot, die Schranken schließen sich, und in gerade mal zwei Minuten ragen die Fahrbahnen senkrecht in die Höhe. Freie Fahrt für Boote aller Art. Da die Brücke nicht hoch ist, müssen sogar Segelboote darauf warten, dass sie geöffnet wird, um hindurchfahren zu können. Fußgänger können an Aussichtspunkten am Brückenwärter-Häuschen genau sehen, wie sich die Brücke öffnet und schließt. Nach etwa 20 Minuten ist der Vorgang beendet, es gilt wieder freie Fahrt nach und von Kappeln.
Besonders eindrucksvoll wirken die Brücke und die dahinter liegende Altstadt mit dem Hafen von der Südseite aus und am Abend. Ein tolles Panorama. Zumal, wenn der Himmel zur Blauen Stunde blau leuchtet und ein paar Wolken der Szenerie einen dramatischen Anstrich geben.
Wer an der Südseite der Brücke steht, entdeckt dort einen goldenen Vogel, der scheinbar über die Köpfe der Menschen hinwegfliegt. Es ist ein stilisierter Albatros, die Galionsfigur des Segelschulschiffs Gorch Fock der deutschen Marine von 1958 bis 1969. Entworfen wurde sie von Heinrich Schroeteler und hergestellt aus Holz mit Kunststoffüberzug. Es ist sogar bekannt, wer die Arbeiten daran gemacht hat: die Schreiner Franz Kowalski und Erwin Kroggel aus Castrop-Rauxel von der Schreinerei Westhold in Bochum. Der Vogel ist dreieinhalb Meter lang und 1500 Kilogramm schwer. 2012 kam er nach Kappeln. Auch heute noch ziert ein Albatros den Bug der Gorch Fock. Allerdings seine einige Nachfolger des Vogels von Kappeln auf See abgerissen und ins Meer gefallen. Der jüngste Albatros wurde 2004 am Segelschulschiff montiert – mit besonderer Verstärkung.
Uralter Trick für den Fischfang
Und Kappeln hat noch eine Besonderheit zu bieten: den Heringszaun. Er besteht aus 2000 in den Grund der Schlei gerammten Pfählen aus Eschenholz mit einer Länge zwischen 1,80 Meter und 4,50 Meter. Dazwischen ist ein Geflecht angebracht. Die Fische schwimmen in die W-förmig angebrachten Zäune hinein, bis sie schließlich am Ende des Trichters in den Netzen landen. Der Heringszaun von Kappeln ist der letzte seiner Art in ganz Europa. Sein Ursprung geht auf das 15. Jahrhundert zurück.
Albatros, Schleibrücke, Heringszaun – Kappeln hat gleich drei Sehenswürdigkeiten an einer Stelle. Dazu kommt ein pittoresker Hafen und eine schnuckelige kleine Altstadt. Ganz schön viel Schönes auf einem Fleck. Und dann sind da noch die Schleiboote, mit denen es von Kappeln aus hinaus auf den Ostseearm geht. Bis hin nach Schleimünde.





