Rainfarn – die Wucherblume an der Steilküste
Bei einem Spaziergang oben auf der Steilküste an der Ostsee ist mir eine üppig blühende Pflanze aufgefallen. Es ist der Rainfarn. Ein willkommenes Büfett für Insekten.
An der ansonsten flachen Ostsee gibt es eine Reihe von Steilküsten, darunter eine bei Schönhagen, wo ich gerade eine Reha verbringe. Der Weg oben an der Abbruchkante bietet einen weiten Überblick über den Strand und das Meer. Auffällig ist aber jetzt, im August, eine gelb blühende Pflanze, die sich über die gesamte Länge der Abbruchkante ausgebreitet hat. Sie hat kleine, knopfförmige Blüten, die allerlei Insekten anziehen.
Rainfarm wuchert wild auf der Steilküste
Leider bin ich keine Expertin, was Blumen und Pflanzen angeht. Deshalb musste ich die App Flora Incognita bemühen. Die hat mir anhand eines Fotos die Antwort darauf gegeben, worum es sich handelt: Rainfarn, auch Wurmkraut genannt, eine Pflanze aus der Gattung der Wucherblumen. Die Gattung heißt wirklich so, und der Rainfarm macht dem Namen alle Ehre. Er wuchert wild die Steilküste entlang.

Sehr zur Freude viele Insekten, die sich eifrig über die kleinen, korbförmigen Blüten hermachen. Diese Blütenkörbchen enthalten wiederum etwa 100 Röhrenblüten. Da haben die kleinen Fliegen und Wildbienen, die den Rainfarn vor allem anfliegen, viel zu tun. Es gibt sogar eine Wildbienen-Art, die auf den Rainfarn spezialisiert ist, die Rainfarn-Maskenbiene. Der Nabu Baden-Württemberg hat sie zur Wildbiene des Jahres 2022 gekürt. Die deutsche Wildtierstiftung führt den Rainfarn als wichtige Nahrungspflanze auf.
Giftige und Allergien auslösende Pflanze
Der Rainfarn ist giftig, wird aber dennoch, wenn auch nur noch selten, in der Heilkunde eingesetzt. Früher wurde er bei Wurmbefall genutzt, weshalb er auch den Beinamen Wurmkraut trägt. Da es aber immer wieder zu Vergiftungen kam, wird das Kraut heute nicht mehr verwendet. Man sollte es also nicht verzehren, sich den üppigen Dolden aber auch nicht nähern, da sie Kontaktallergien auslösen können.
All diese Gefahren bestehen bei einem Spaziergang auf der Abbruchkante der Steilküste nicht. Ich habe mich an den goldgelben, in Massen vorkommenden Blüten und ihren vielen kleinen Besuchern erfreut. Und nun viel über den Rainfarn gelernt. Jetzt werde ich ihn immer auf Anhieb erkennen.


