Fru Öttenpötter vertellt: Wenn Faulheit Trend wird

Wir haben einen Garten, aber wir haben es nicht so mit der Gartenarbeit. Damit sind wir hier auf dem Land die Außenseiter. Aber mittlerweile wird unsere Faulheit Trend. Plötzlich haben wir einen Garten, wie er sein soll. Der Angst um die Artenvielfalt sei dank.

Der Garten der Faulheit: Es blüht und grünt ungezügelt.
Der Garten der Faulheit: Es blüht und grünt ungezügelt.

Rund ums Haus liegen 2000 Quadratmeter Land. Wir haben uns ein so großes Grundstück gewünscht, weil wir immer Tiere halten wollten. Jahrelang haben unsere Gänse die Grasflächen kurz gehalten. Jetzt haben wir keine Tiere mehr und es wuchert überall ungehemmt. Da wir es nicht so mit Gartenarbeit haben, fehlen außerhalb der Weiden die abgezirkelten und besenreinen Beete. Bei uns herrscht Wildwuschs.

Was für ein Unterschied zu den anderen Gärten im Dorf. Da wird jeden Tag gehackt und gejätet, was das Zeug hält. Der Rasen ist dank Mähroboter immer raspelkurz, jedes vorwitzige Gänseblümchen wird schon vor dem Erblühen gnadenlos geköpft. Büsche sind in Form geschnitten, die Erde zwischen Büschen und Rabatten porentief sauber. Sollte ein Vogel die Frechheit besitzen, seinen Zehenabdruckt auf die fein gerechte Erde zu setzen, eilt sofort jemand herbei, um die Spur wieder zu beseitigen.

Zu faul zum Hacken und Jäten

Und wir? Bei uns siegt die Faulheit. Der Rasen wird nur alle zwei oder drei Wochen gemäht. Ansonsten schneiden wir höchstens mal zurück, was allzu vorwitzig über Wege oder Türen wuchert. Dazwischen kann alles wachsen und blühen, wie es möchte. Vieles davon haben wir irgendwann angepflanzt und uns dann dann vergessen, anderes ist von selbst gekommen oder von Vögeln gebracht worden. Jedes Jahr erleben wir Überraschungen, wenn sich plötzlich eine romantisch blühende Ecke auftut, wie gerade eben unterhalb der Terrasse, wo sich Schafgarbe und Wald-Storchschnabel ein farblich passendes Stelldichein geben.

Schafgarbe und Wald-Storchschnabel gehen sich ein Stelldichein.
Schafgarbe und Wald-Storchschnabel gehen sich ein farbliches Stelldichein.

Dieses Ungestüme, Ungezähmte liegt nun plötzlich im Trend. Hat bisher mit Sicherheit der eine oder andere, der vorbei kam, ein bisschen von oben herab auf unserern Wildwuchs geguckt, hat sich das mittlerweile geändert. Tote Gärten sind out, Insekten- und Vogelparadiese plötzlich in. Das stelle ich mir jedenfalls so vor angesichts meiner Garten-Faulheit. So mache ich mir ein gutes Gewissen.

Geliebtes Unkraut

Die kräftig wuchernde Schafgarbe etwa mag bei dem einen oder anderen als Unkraut gelten. Der Wald-Storchschnabel ist auch nicht unbedingt eine Art, die unter Zierblumen fällt. Aber wir mögen beide sehr, und auch die Insekten sind eifrig darin unterwegs. In unserem Garten summt und brummt es. Welch ein Unterschied zu den oft beschworenen Gärten des Grauens.

So etwas kommt uns nicht vors Haus. Zum Glück ist dieser ungute Trend in unserem Dorf noch nicht angekommen. Ich hoffe, es bleibt so. Dann sollen sie lieber hacken und harken, wie so wollen, so lange sie nicht jedes Leben unter Steinwüsten begraben.

Für alle, die sich jetzt wundern sollten, wie wir als Anti-Gartenprofis wissen, wie unsere Blumen heißen: Ich habe mich zu deren Identifizierung einer hilfreichen App bedient. Sie heißt Flora Ingocnita und ermöglicht es anhand von für die App aufgenommenen Fotos, die Namen der Pflanzen herauszufinden. Der erste Versuch mit dem Wald-Storchschnabel war ein voller Erfolg.

Wuchsform eingegeben, Fotos gemacht und sofort hat die App die Art erkannt. Das geht allerdings nur, wenn man online ist.
Wuchsform eingegeben, Fotos gemacht und sofort hat die App die Art erkannt. Das geht aber nur, wenn man online ist.

Den Wald-Storchschnabel habe ich mir nur erkennen lassen, weil ich die App ausprobieren wollte. Als Storchschnabel hätte ich ihn auch so erkannt, ebenso wie die Schafgarbe. Die gängigen Arten von Gartenblumen sind mir durchaus geläufig. Wenn’s schwieriger wird, greife ich gern wieder auf die App zurück.

Fru Öttenpööter berichtet hier regelmäßig über das Leben auf dem Lande.

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