Man könnte es auch sein lassen. Warum also fotografieren?

Man könnte es auch sein lassen. Warum also fotografieren?

Janselbst-2„Warum fotografierst du?“ hat Calvin Hollywood einen seiner mittlerweile seltenen Blogposts überschrieben (seit er nicht mehr täglich schreibt, schreibt er viel besser und tiefsinniger). Eine interessante Frage, die auch in einem Blogpost mit dem Titel „Ich bin nur ein Amateurfotograf“ vom Licht(in)former Michael Gelfert eine Rolle spielt. Es lohnt sich, einen Moment darüber nachzudenken. Warum fotografieren wir also?

Calvin und Michael unterscheiden zu Recht zwischen Hobby- und Berufsfotografen. Ich bin beides so ein bisschen. Als Zeitungsredakteurin fotografiere ich beruflich, natürlich nicht so wie ein Berufsfotograf, aber doch durchaus im gewissen Sinne professionell, weil ich mein Geld damit verdiene. Außerdem fotografiere ich außerhalb der Arbeit als Hobbyfotografin. Warum? Zum einen, weil einem das in Fleisch und Blut übergeht. Ich bin im Job Lohnschreiberin und Lohnfotografin, um es mal überspitzt auszudrücken. Ich liebe meinen Beruf und bin mit so viel Leidenschaft dabei, dass ich auch privat fotografiere und schreibe (sonst gäbe es dieses Blog gar nicht). Leute, denen ihr Job weniger Spaß macht, setzen alles daran, in ihrer Freizeit nicht ihre Arbeit machen zu müssen. Ich kann gar nicht genug davon bekommen.

Ich mache das jetzt so lange, dass ich nicht davon lassen kann. Wenn ich privat unterwegs bin, sehe ich Fotomotive und Geschichten. Ich habe im Laufe der Zeit eine Aufmerksamkeit dafür entwickelt. Und dann stelle ich mir vor, wie ein Bild oder Text aussehen könnte und schon ist der Drang zum Fotografieren – und zum Schreiben – da. Damit erfülle ich genau das, was Calvin über die erfahrenen Fotografen schreibt.

„Sie fotografieren aus Gewohnheit bzw. die Fotografie bestimmt ihren Alltag.“

Und die reinen Hobbyfotografen? Nun, auch sie haben Spaß an guten Motiven und stellen sich Bilder vor, sind einfach visuelle Menschen. Aber sie treibt noch etwas anderes an, was Calvin auch anführt. Das Verlangen nach Anerkennung und die fotografische Weiterentwicklung. Ja, so ist es. Da bin ich ganz ehrlich. Auch ich freue mich, wenn meine Bilder gefallen, es in Fotogemeinschaften gar ganz nach oben schaffen. Ich bin süchtig nach Anerkennung. Wer ist das nicht? Und ich experimentiere gerne, bei Motiven und bei der Technik. Die Weiterentwicklung spielt beim Fotografieren eine große Rolle. Und noch etwas ist wichtig: Das Festhalten von Momenten. Nicht jedes Foto ist ein fotografisches Meisterwerk, aber viele sind wichtige Erinnerungen. Das war schon früher so. Welche Freude wäre mir entgangen, hätte ich nicht Mutters Fotoalbum.

Michael stärkt in seinem oben zitierten Text den „nur Hobbyfotografen“ den Rücken. Recht hat er. Es ist so ein schönes Hobby, und warum dafür nicht Zeit und Geld investieren. Im übrigens kenne ich viele Hobbyfotografen, die ganz hervorragende Bilder machen. Letztlich treibt uns doch alle die gleiche Leidenschaft um, ob wir mit unseren Fotos nun Geld verdienen oder nicht. Ist doch schön, wenn Beruf und Hobby zusammenfallen.

Ich weiß also, warum ich fotografiere: aus Freude über Anerkennung, aus dem Drang heraus, mich weiterzuentwickeln, und im Bemühen, Momente und Erinnerungen festzuhalten. Alles drei gute Gründe. Wer nicht weiß, warum er fotografiert, lege einfach mal für einen Moment die Kamera weg und denke darüber nach.

Man könnte es auch sein lassen. Warum also fotografieren?

4 Kommentare

  1. Ah, das Problem der unscharfen Definition. Und in diesem Fall des fehlenden Begriffs [obwohl er im Text auftaucht].

    Du verdienst mit Fotografie regelmässig Geld => du bist professionelle oder auch Berufsfotografin*. Über Qualität und Vorgehensweise sagt das gar nichts aus.

    Du fotografierst [vorwiegend dokumentarisch] in deiner Freizeit, für dich und vielleicht noch enge Freunde, verkaufst nichts, es fragt auch keiner nach Preisen => du bist, was man früher auch mal etwas herablassend ‚Knipser‘ nennt. Fotografie als Tätigkeit, die abgelichteten Objekte sind wichtig.

    Du fotografierst intensiv, ernsthaft, interessierst dich für Technik und Techniken des Fotografierens. Wichtig sind dir aber die Ergebnisse, sie sollen mehr als nur Objekte zeigen. => du bist Amateur. Du liebst Fotografie. Die Qualität deiner Bilder ist sehr hoch, oft besser als die von Berufsfotografen.

    Hobbyfotograf umfasst die letzten beiden Kategorien, aber nicht jene, die ich Urlaubsfotografen nenne.

    1. Wohl kaum irgendwo – außer bei uns Schreibern – ist die Definition, was für ein Fotograf da am Werk ist, offenbar so schwierig. Eine ist aber sicher: Urlaubsfotografen oder Schnappschuss-Knisper wollen Fotografen mit Anspruch nicht sein.

  2. Hallo Susanne,
    mir gefallen Deine Antworten auf diese „Standardfrage“!
    Mit dem letzten Absatz gehe ich voll und ganz überein!
    Liebe Grüße
    moni

  3. Hallo Susanne,

    das Auge festgewachsen am Sucher :-) auf der Jagd nach schönen Motiven, die einem Erinnerungen lebendig halten. Darum geht es doch eigentlich und es spielt keine Rolle ob Amateur oder Profi. Die Macht des Erinnerns eingefangen auf einem Bild, darin liegt der Reiz, oder?
    Was gibt es Schöneres als ein altes Album zu durchblättern oder auf digitale Fotos zu schauen und festzustellen: Schön wars! ? Die Qualität solcher Bilder ist da für mich sogar eher zweitrangig.

    Liebe Grüße
    Sandra

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