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Mein #digitalLEBEN – zehn Antworten, über die ich erstmal nachdenken musste

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Die SPD hat eine Blogparade zum Thema digitales Leben – ich schreib’s hier mal ohne diese seltsame Klein-Groß-Schreibweise – auf den Weg gebracht. Anlass ist ein Beteiligungsprozess zum diesem Thema. Dazu gibt es einen Fragenkatalog, der ein breites Spektrum abdeckt. Vor allem aber sind dort einige Fragen dabei, die einen dazu zwingen, den Blick gezielter als im Alltag auf das eigene digitale Leben zur richten. Das ist nämlich für mich mittlerweile so selbstverständlich, dass ich kaum einen Gedanken darauf verschwende.

Die 10 Fragen und meine Antworten:

In einer digitalen Welt zu leben, bedeutet für mich…

als Redakteurin 20 000 Kilometer im Jahr weniger zu fahren, eine Menge Lauferei weniger zu haben und mir manchen Weg sparen zu können. Warum? Das verrät ein Blick zurück, mit dem ich die Redaktionsarbeit von vor 20 Jahren in diesem und diesem Text aufgeschrieben habe. Wie viel leichter ist doch vieles geworden, seitdem Texte und Bilder einfach so durch die Gegend geschickt werden können. Digitales Leben heißt für mich außerdem, Wissen in der Hosentasche zu haben – dem Smartphone sei dank – und immer und überall auf jede gewünschte Information zugreifen zu können. Das hat meinen Horizont ungeheuer erweitert und mir Denkwelten erschlossen, die ich sonst nie gefunden hätte.

Mein Computer ist für mich…

Arbeitsgerät, Archiv, verlängerter Arm. Auch wenn vieles von mobilen Endgeräten aus erledigt werden kann, ist eine ordentliche Tastatur an einem ordentlichen Rechner immer noch  nicht zu verachten. Egal ob dieser Rechner nun stationär ist oder als Laptop unterwegs mit dabei.

Wirklich gut! Die größte Chance durch die Digitalisierung ist…

die Entdeckung neuer Gedankenwelten, siehe oben.

Bedrohlich! Wir müssen aufpassen, dass…

alle Menschen genug Kompetenz haben, um den Gefahren im Netz aus dem Weg zu gehen und die Hoheit über ihre Daten zu behalten. Wir werden das Netz nicht besser machen, das schafft kein Gesetz der Welt. Es wird immer Menschen geben, die es nur für ihren eigenen Profit, ihre Propaganda oder für kriminelle Machenschaften nutzen. Beschränkungen bergen zu viele Gefahren für das Netz, deshalb ist Kompetenz, das Wissen um die Gefahren, die beste Vorbeugung. Und ein breites Bündnis gegen Überwachung.

Die Digitalisierung verändert mein Leben durch…

ihre stete Verfügbarkeit. Die Vorteile möchte ich nicht mehr missen. Mit den Nachteilen weiß ich umzugehen.

Chatten mit den Enkeln, Einkaufen per Mausklick, Arbeiten ohne feste Bürozeiten. Was bringt die Digitalisierung für Familien und Ältere?

Familien profitieren immer dann besonders von der Digitalisierung, wenn sie gerade nicht zusammen sind. Nie war der Kontakt mit dem Kind im Auslandsjahr, mit der weit entfernt wohnenden Oma oder der versprengten Schwiegerfamilie so einfach. Gerade ältere Menschen profitieren umso mehr, wenn sie nicht mehr so gut zu Fuß sind und sich übers Netz Waren ins Haus schicken lassen oder an Informationen oder Debatten teilhaben können. Und sage niemand, die Älteren seien nicht fit am Rechner oder Smartphone. Nach meiner Erfahrung stehen viele den Jungen  in nichts nach. Und die, die bis heute keinen Computer haben, vermissen nichts. Das sehe ich in der eigenen Familie. Jeder kann selbst entscheiden, wie weit er sich auf ein digitales Leben einlässt. Niemand ist dazu gezwungen, aber wer es möchte, wird davon profitieren.

Programmieren in der Grundschule, das gesamte Faktenwissen der Welt in der Suchmaschine. Wie sollte Bildung der Zukunft aussehen?

Bildung kommt um das digitale Leben nicht mehr drumherum, auch wenn sich einige Lehrer noch immer beharrlich weigern, das zur Kenntnis zu nehmen. Spätestens wenn die Jugendlichen in den Beruf gehen,  sind in den Betrieben digitale Kompetenzen gefragt, die manch Lehrer heute noch verteufelt – ich weiß, dass das so ist, ich habe es oft genug bei Elternabenden gehört. Unsere Kinder eigenen sich das digitale Wissen dann eben auf anderen Wegen an. Dabei sollte Schule den Umgang mit der digitalen Welt vermitteln, den ich oben unter dem Thema Kompetenz und Gefahren angedeutet habe. Etwas bange wird mir allerdings, wenn ich sehe, wie Schüler Themen heute nur noch übers Internet bearbeiten und sich dort ihr Wissen zusammenklauben. Quellensuche in Büchern oder gar bei realen Gesprächspartnern? Fehlanzeige. Allerdings sind die Bücher und Unterlagen oder die Menschen, die etwas zu sagen haben, eben nicht immer verfügbar. Ein bisschen sehe ich mit Sorge, dass Schulen sich inzwischen darauf ausruhen, dass ihre Schüler die Materialien etwa für Referate bei Wikipedia finden werden und dafür gar keine Bücher oder Unterlagen mehr notwendig sind. Einerseits verteufeln Schulen das digitale Leben, andererseits nutzen sie es, um nicht selbst Lehrmaterialien vorhalten zu müssen.

An jedem Ort arbeiten können und ständig erreichbar sein. Was bedeutet das für Arbeit im Digitalen Zeitalter?

Zunächst mal, siehe oben, eine Menge Zeitersparnis. Aber das trifft vor allem meinen Beruf, in anderen werden andere Prioritäten gesetzt. Habe ich einen Job, in dem ich unregelmäßige Arbeitszeiten habe und der mich auch in der Freizeit mitunter fordert? Dann ist die Digitalisierung eine große Erleichterung. Habe ich feste Stechuhr-Zeiten und bin irgendwann am Tag ganz weg aus dem Job? Dann lasst mich bitte mit dienstlichen Mails und Anrufen außer der Reihe zufrieden. Das muss innerbetrieblich geregelt werden, etwa mit Betriebsvereinbarungen, und wenn es nicht geht, dann gibt es ja immer noch den Abschaltknopf. Nur darf Arbeitnehmer aus der Nichterreichbarkeit in der Freizeit kein Nachteil entstehen. Auch da sind wieder Betriebsräte und Betriebsvereinbarungen gefragt.

Was müssen wir im digitalen Zeitalter tun, damit unsere Wirtschaft erfolgreich bleibt?

Eine Frage, die zu beantworten mir schwer fällt. Wirtschaft ist noch so mein Thema. Ich versuche es trotzdem: Nach meiner Beobachtung ist die Mehrzahl der Unternehmen in Sachen Digitalisierung auf der Höhe der Zeit. Die Großen sowieso, und auch viele mittlere und kleine Unternehmen. Nicht zuletzt dank neuer Dienstleister, die zum Beispiel Webseiten gestalten oder Firmen beraten. Allerdings haben wir in Deutschland immer noch eine digitale Wüste, die vielen Firmen, aber auch den Kommunen Probleme bereitet: der fehlende Breitband-Ausbau. Heute ist kein Wohngebiet, kein Gewerbegebiet ohne schnelles Internet mehr zu vermarkten. Die, die neu irgendwo hinkommen, haben die Wahl. Aber die alt eingesessenen Unternehmen leiden extrem unter der Breitband-Wüste in ländlichen Gebieten. Wir müssen aufpassen, dass sich das nicht letztlich auf die deutsche Wirtschaftsleistung insgesamt negativ auswirkt.

Die Digitalisierung schafft Chancen und birgt Risiken. Von der SPD erwarte ich, dass…

sie die Chancen mehr in den Vordergrund rückt als die Risiken.  Dass sie Bestrebungen, das Netz zu knebeln, erkennt und dagegen angeht. Und dass sie sich mit Hingabe dafür einsetzt, dass das Internet und das digitale Leben endlich demokratisiert werden – sprich, dass alle in dessen vollen Genuss kommen. Das heißt konkret für mich: endlich ein Ende von Dorf-DSL und Internetverbindungen, aus den die Daten nur tröpfeln und nicht fließen.

Nachsatz:

Ich bin kein Mitglied einer Partei. Ich finde es aber gut, dass die SPD nicht nur Experten befragt, sondern die Frage nach dem digitalen Leben mit einer Blogparade allen stellt, die daran Interesse haben, sich darüber Gedanken machen und dazu etwas beitragen wollen. Hoffen wir, dass am Ende etwas Gutes für alle dabei herauskommt.

Autor: Susanne

Susanne Peyronnet *1960 Wurzeln in Niedersachsen Leben in Schleswig-Holstein Redakteurin seit 1981 Hobbys: Reisen, Lesen, Reiten Musik: Klassik, Klassik, Klassik (Ausnahme Kammermusik) Länder: Deutschland, Frankreich

Ein Kommentar

  1. Die Digitalisierung der Gesellschaft hat eine enorme Bedeutung hinsichtlich des Marketings bekommen. Besonders der Sektor Kmu (insbes. Startups) hat durch diesen Wandel hervorragende Möglichkeiten als neuer Wettbewerber in einen Markt einzutreten. Ich stimme zu, dass die Chancen gesehen und gefördert werden sollten.

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