Eine Orgel wird gereinigt
Einmal fegen und feucht durchwischen ist nicht. Wenn eine Orgel gereinigt werden muss, ist das nicht nur ein erheblicher Aufwand, sondern auch ein Fall für Spezialisten.
Die St.-Johannes-Kirche in Lübeck-Kücknitz ist gerade erst aufwendig erneuert worden. Nach den Bauarbeiten, die trotz aller Vorsicht doch einigen Staub aufwirbelten, war es an der Zeit, die Kleuker-Orgel zu überholen. „Normalerweise wird eine Orgel alle 25-30 Jahre generalgereinigt“, sagt Kirchenmusiker Norbert Drechsler. Für die Kücknitzer Orgel ist es das erste Mal, dass sie seit ihrer Inbetriebnahme vor 47 Jahren gereinigt wird. Noch sind die Arbeiten nicht ganz abgeschlossen, aber zu Weihnachten soll die Orgel wieder erklingen.
Deshalb legte Orgelbauer Andreas Kulitza (Foto) von der Orgelbaufirma Rudolf von Beckerath aus Hamburg am zweiten Adventssonntag eine Sonderschicht ein. Schließlich muss der Zeitrahmen eingehalten werden, berichtet er.
Orgel mit 1558 Pfeifen
Bei der Kücknitzer Orgel mussten 1558 Pfeifen ausgebaut, einzeln von Schmutz befreit und erst mal gut geordnet auf der Empore abgelegt werden. Denn das Putzen beschränkt sich keineswegs auf die Pfeifen.

Auch die Windlade wird – flapsig ausgedrückt – abgestaubt. Bälge müssen nach so langer Zeit ersetzt werden, da das Material brüchig wird, erläutert Kulitza weiter. Ohne diese Bälge kein Wind, ohne Wind kein Orgelton. Gefertigt werden die Bälge aus Gummituch, ein Lederersatz aus mit Gummi belegtem Gewebe, wie Kulitza weiter erklärt. Das ist heutzutage das Material der Wahl.
Im Verlauf der Reinigung ist auch die Elektronik der Orgel überarbeitet worden. Und sie hat eine Setzeranlage bekommen, mit der sich Registrierungen programmieren lassen. Die Register-Tasten – keine Züge – sind bei der Kücknitzer Orgel über dem obersten Manual eingebaut. Aus gutem Grund. Die Orgel ist nach den Bedürfnissen des damaligen Kirchenmusikers Berthold Mindner gebaut worden. Als Kriegsversehrter hatte er nur einen Arm, was seinem Orgelspiel aber nicht anzuhören war.
Norbert Drechsler spielt die Kücknitzer Orgel seit 1990. Dass sie jetzt mal aufpoliert werden musste, war bereits seit einiger Zeit klar. „Als Spieler merkt man, dass einzelne Pfeifen nicht mehr richtig ansprechen; die Tastatur ist ausgeleiert und ungleichmäßig“, sagt Drechsler.
Orgelbauer Kulitza hat die Orgel komplett auseinander genommen und baut sie gerade wieder zusammen. Lagen irgendwo im Inneren tote Mäuse? Eine war da, berichtet Drechsler. Kubitza hat keine entdeckt. „Hier haben wir keine Überraschungen erlebt.“ Es komme aber durchaus vor, dass er in Orgelpfeifen tote Tiere findet, häufiger Fledermäuse als Mäuse und manchmal Vögel. Die langen Rohre seien zu glatt, die Tiere könnten sich, einmal hineingefallen, nicht wieder nach oben hangeln. Und auch nicht hinausfliegen. So sterben sie, vertrocknen, und irgendwann werden sie bei einer Orgel-Reinigung gefunden.
Orgelreinigung kostet 70.000 Euro
Für die Orgelreinigung musste die Kirchengemeinde eine ganze Menge Geld aufbringen. Sie kostet knapp 70.000 Euro. Nach Angaben von Pastor Albrecht Martins hat der Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg zugesagt, das Projekt mit 30 Prozent der Kosten, etwa 21.000 Euro, zu bezuschussen. Der Kirchengemeinderat hat beschlossen, rund 35.000 Euro aus Rücklagen der Gemeinde dafür umzuwidmen. Knapp 15.000 Euro sind bisher durch Spenden und Kollekten zusammen gekommen, darunter 13 Spenden zwischen 200 und 1000 Euro. Einen kleinen Teil davon hat der Chor mit einem Flohmarkt erwirtschaftet.






