Knöpfe – Eine ganze Kiste voll
Ich besitze ein Nähkästchen. Es ist ein Erbstück, das ich immer mal wieder vor allem mit Nähgarn unterschiedlicher Farben – was gerade benötigt wurde – aufgefüllt habe. Und vor Jahrzehnten mit Knöpfen. Wobei die von mir hinzugefügte Knöpfe in der absoluten Minderheit sind. Die Mehrzahl symbolisiert eine Reise in die Vergangenheit.
Ich mag Wollgeschäfte, obwohl ich schon lange nicht mehr gestrickt habe. Ich mag Stoffgeschäfte, obwohl ich schon lange nicht mehr genäht habe. Denn ich mag die Auslagen dort wegen der Farben und Muster. Und ich mag Knöpfe, eben wegen der Farben und Muster. Heutzutage näht kaum noch jemand einen Knopf an. Und schon gar nicht gehen Knöpfe verloren und müssen aus einem Fundus ersetzt werden. Das war früher offenbar üblich, sonst lägen in dem alten Nähkästchen nicht so viele Knöpfe.
Knöpfe in allen Farben und Formen
Es sind für jeden Zweck und von jeder Farbe welche dabei. Wobei mancher Satz so aussieht, als wenn er von einem ausrangierten Kleidungsstück abgeschnitten worden sei. Man weiß ja nie, wann man sie noch mal gebrauchen kann. Ein schlimmer, aber früher sehr üblicher Gedanken, der dafür sorgt, dass in Haushalten Dinge angehäuft werden, die niemand mehr gebrauchen kann. Aber wegwerfen?

Weiße Wäscheknöpfe in Massen
Die größte Menge im Nähkästchen bilden die weißen Wäscheknöpfe. Damit wurden und werden Kopfkissen und Bettbezüge zugeknöpft. Knöpfe, die offenbar oft verloren gingen, sonst hätte es nicht großer Vorräte bedurft, um sie zu ersetzen. Ich habe auch schon Wäscheknöpfe verloren und dann auf die Knopfkiste zurückgegriffen. Wobei Bettwäsche mittlerweile oft mit Reißverschlüssen verschlossen wird – was besonders ärgerlich ist, wenn diekaputtgehen. Ein Knopf ist schnell angenäht, ein Reißverschluss nicht so schnell eingenäht. Das erfordert etwas näherisches Können.

Perlmutt – glänzende Luxusknöpfe
Die Wäscheknöpfe sind Alltagsgegenstände. Etwas luxuriöser kommen die Perlmutt-, auch Perlmutter-Knöpfe daher. Das edle Perlmutt seien Sterne aus dem Meer, schreibt Regula auf ihrem Blog „…alt werden kann ich später“ über die Knöpfe. Perlmuttknöpfe sind so herrliche altmodisch und dennoch wunderschön. Teuer waren sie offenbar nicht, auch wenn ich nicht weiß, wie die Preisangabe auf diesem Viererpack einzuordnen ist.

Dass der Fantasie der Knopfhersteller keine Grenzen gesetzt waren, beweisen die Perlknöpfe. Das Kleidungsstück, das sie einst zierten, ist längst vergangen. Die Knöpfe sind geblieben. Vielleicht weil sie tatsächlich wie Perlen aussehen und sich jemand gedacht hat, er könne damit irgendwann noch etwas anfangen. Zum Wegwerfen sind sie jedenfalls zu schade, ebenso wie die mit weißem Stoff bezogenen Knöpfe.
Knöpfe, die wie Perlen aussehen

Aus der Zeit, in der ich meine Kleidung noch selbst genäht habe, stammt ein Solitär. Ein Kunststoffknopf, der besonders groß und besonders aufwändig gestaltet ist. Ich weiß nicht mehr, wozu ich den gekauft habe. Angenäht war er bisher an kein Kleidungsstück. Vielleicht gefiel mir einfach sein Aussehen so sehr, dass ich dachte, ihn irgendwann man auf ein Revers aufnähen zu können.

Um noch in die Gegenwart zu kommen: Gerade habe ich erfreut festgestellt, dass Ikea seine Bettwäsche – nicht alle, aber viele Modelle – wieder mit Knöpfen ausstattet. Sonst hat das schwedische Möbelhaus oft auf Hotelbezüge, also gänzlich verschlusslose Modelle, gesetzt. Die Designer haben übrigens an die farbige Bettwäsche nicht einfach weiße Wäscheknöpfe gesetzt, sondern die Knöpfe passend eingefärbt. Das gefällt mir sehr.

Wohin mit den Schätzen aus dem Nähkästchen?
Da liegen nun die vielen, vielen Knöpfe unten im Nähkästchen. Was soll ich damit anfangen? Sie wegwerfen, weil sie doch nie wieder gebraucht werden. Nur ein paar gängige, zum Beispiel die Wäscheknöpfe, aufheben? Diese Pracht in den Müll zu werfen, wäre wirklich zu schade. Aber sollen sie wirklich weitere Jahre und Jahrzehnte im Dunkeln verharren? Hier und hier gibt’s ein paar Ideen, was sich damit anfangen lässt. Ich habe auch schon mal überlegt, einen Teil der Knöpfe auf einen Kissenbezug zu nähen, damit sie mal ans Licht kommen und ich sie immer sehen kann. In die Mitte kommt dann vielleicht der Solitär.




2 Kommentare
Werner
Liebe Susanne, ich hoffe, Du hast das Nähkästchen oder den Inhalt noch nicht entsorgt. Du würdest Dir die Möglichkeit nehmen, zumindest aus diesem Nähkästchen zu plaudern. Ich benötigte vor einiger Zeit etwas aus meinem Werkzeugkoffer. Er ist zur breiten Seite hin aufklappbar, jede Seite drei Etagen. Du weisst bestimmt was ich damit sagen will. Viele Gedankengingen mir durch den Kopf. Dein Nähkästchen ist sicherlich längs zu beiden Seiten ausziehbar mit so einer Art Scherengelenk. Und gerade jetzt im Moment fällt mir ein fast baugleicher Werkzeugkoffer ein, den ich früher für Anglerkleinteile missbraucht habe. Doch zurück zu den Knöpfen. Ich kann noch einige hinzufügen. Wir hatten früher mal Bettwäsche nur mit Knopflöchern. Ohne Knöpfe, ohne Reißverschluss. Da wurden so komische runde Doppelplättchen benutzt, wo jede Seite durch eines von zwei gegenüber liegende Knopflöcher gesteckt wurde. Kann sein, dass meine Mutter sie Doppelknöpfe nannte. So konnte Wäsche durch die Mangel gedreht werden, ohne dass Knöpfe beschädigt wurden, weil man sie ja vorher einfach entfernen konnte. Beim Wechseln der Bettwäsche wanderten sie dann praktisch immer mit. Aber annähen konnte man sie natürlich nicht. Auch nicht auf ein Paradekissen. Dekorativ waren sie sowieso nicht. Und dann habe ich noch Manschettenknöpfe. Eigentlich ein ähnliches System. Auch zwei gegenüber liegende Knopflöcher. Die Kombination weisses Oberhemd und Manschettenknöpfe sind inzwischen ganz aus der Mode gekommen. Sie waren auch in vergangenen Zeiten nur zu besonderen Anlässen üblich. Auch nicht jeder konnte sich sowas leisten. Wenn es noch Manschettenknöpfe gibt, bestimmt in den Nachttischschubladen betagter Herren, Ach und da fällt mir ein, welch ein Folterwerkzeug Knöpfe für mich als Kind waren. Meine Mutter hatte eine bunte Blechdose für Knöpfe, mit sehr vielen Knöpfen. Mit zu vielen Knöpfen. Sie wurden eine Zeit lang, mehrmals die Woche, auf eine Decke ausgeschüttet und breit verstreut. Ich musste sie mit den Zehen wieder in die Dose zurück befördern. Orthopäden wurden nie meine Freunde. Nicht nur wegen der Stahleinlagen, die ich tragen musste. Und Senk-Spreiz-Knick-Füße habe ich heute trotzdem. Soweit meine (abschweifenden) Gedanken zur Knopfologie. Ich hoffe, dass ich niemandem einen Knopf an die Backe gelabert habe.
Liebe Grüße in den Norden
Werner
Susanne
Lieber Werner, ja, die Doppelknöpfe für die Bettwäsche kenne ich auch noch. Die Bettwäsche dazu war immer rein weiß und aus recht steifer Baumwolle. Ich habe sie geliebt, aber leider sind meine Exemplare über die Jahre doch zu fadenscheinig geworden. Und natürlich hat das Nähkästchen drei Etagen und Scherengelenke.