Rote Karte für Pausenhof-Mobbing

Die Mail ist da: SchülerVZ wirbt bei meiner Tochter für das neue VZ-Pausenhof. Die Einladung ist so formuliert, dass Kinder ihr kaum widerstehen können: „S., jetzt abstimmen: Wer ist Top, wer ist Flop?“ Anmoderiert ist die Mail obendrein mit bonbonrosa Bildchen und Buchstaben und der Aufforderung: Bewerte Deine Freunde. Beworben wird das Ganze als neues Rezept gegen Langeweile. Wie bitte?

Mein Kind ist bereits Opfer von Mobbing geworden. Von Mobbing im richtigen Leben. Wie soll das werden, wenn die Hänselei und Quälerei nun auch im Web weitergeht? Und wie sollen wir als Eltern richtig auf diese Einladung reagieren? Dem Kind nahelegen, sich bei SchülerVZ abzumelden? Und dann? Wo bleibt dann unsere Kontrolle über das, was über das Kind im Netz steht?

Drin bleiben und das unsinnige Ansinnen von SchülerVZ noch unterstützen? Das kann es nicht sein. Aber was ist richtig?

Das Portal Kinderzeugs rät zum Abmelden. Und dazu, vorher mit den Kindern über dieses neuen Mobbing-Instrument zu sprechen. Mit dem Abmelden soll den Anbietern von SchülerVZ ein klares Signal gesendet werden. „Es wird Zeit zu gehen“ empfiehlt auch das Blog „Haltungsturnen“. Die Argumente dafür sind gut und nachvollziehbar.

Anlässlich der Diskussion um das Läster-Netzwerk isharegossip.com empfahl Soziologe Jan-Hinrik Schmidt in einem Focus-Artikel dagegen, im Netz zu bleiben. Begründung: „Wer heute nicht im Netz ist, isoliert sich, weil er sich von wichtigen Informationskanälen abschneidet.“

Inneneinsichten in VZ-Pausenhof bietet Wolfgang Luenenbuerger-Reichenbach auf Google+. Wer sich durch die Bilder klickt, wird schnell sehen, dass Kinder und Jugendliche völlig damit überfordert sein dürften, die Datenschutz-Informationen, die dort angeboten werden, zu verstehen oder umzusetzen. Und noch etwas lässt aufmerken: Laut SchülerVZ sind die Nutzer auf dem Pausenhof für alle sichtbar, nicht nur für ihre Freunde. Unbegrenzter Mobbing-Zugriff also.
In der Süddeutschen Zeitung verteidigt VZ-Marketing-Chef Tobias Scheiba das neue Angebot als eines, das Mobbing nahezu unmöglich mache. So sei die Anwendung konzipiert worden.

Aus allem, was ich bisher darüber gelesen habe, gibt es für mich nur eine Konsequenz: Abmelden, so schnell wie möglich. Das werde ich mit meinem Kind heute umgehend besprechen.

Nachtrag: Wie sind raus aus SchülerVZ und haben als Grund den Flop-Button angegeben. Offenbar waren wir damit nicht alleine. Aufgrund heftiger Proteste ist der Flop-Knopf entfernt worden. Der Imageschaden dürfte dennoch groß, vielleicht zu groß sein.

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