Lesen geht durch den Magen

Ein junges Team hat eine alte Idee wieder aufgegriffen – und mich an eine der schönsten Fotostrecken erinnert, die ich jemals gesehen habe. Idee, Fotostrecke und das Vorhaben von zwei Studenten – Konstantin und Natalie – will ich hier gerne vorstellen. Alles zusammen macht Appetit auf gute Fotos, leckeres Essen und lesenswerte Literatur.

Ende der 70er-Jahre war ich ein großer Fan der Frauenzeitschrift „Petra“. Wegen der Mode, wegen der lesenswerten Reportagen, aber vor allem wegen des Literarischen Menüs. In jeder Ausgabe fand sich ein Auszug aus einem Stück Welt- und populärer Literatur, versehen mit Rezepten und vor allem mit hervorragenden Fotos. Nicht einfach nur Teller mit leckeren Gerichten darauf, nein, die Bilder zeigten das ganze Ambiente der jeweiligen Szene im Buch.

Die Fotos waren allesamt von Arnold Zabert, dem großen Food-Fotografen, der zusammen mit dem Kochbuchverleger Friedrich-Karl Sandmann mit dem Kochbuch mit dem roten Löffel auf dem Titel bekannt wurde (Kochen – die große Schule). In diesem preisgekrönten Standardwerk treibt Zabert den Minimalismus in der Foodfotografie zum äußersten. Ganz anders seine Bilder für das literarische Menü. Das ist ein Schwelgen in feinem Geschirr, historischen Accessoires, bäuerlichem Ambiente oder opulentem Gründerzeit-Interieur. Schlemmen für die Augen.

Der Verlag Zabert-Sandmann hat mir erlaubt, hier drei Fotos aus dem „Literarischen Menü“ der Petra zu zeigen. Leider liegen sie nicht digital vor, so dass ich nur die eingescannten Seiten von damals zur Verfügung habe. Qualitativ nicht gut, aber vielleicht bekommt man dennoch einen Eindruck von dieser großartigen Fotostrecke.

Eine Lammkeule für Nero Wolfe Foto: Arnold Zabert
Bouf à la Proust Foto: Arnold Zabert
Die Fischsuppe der Madame Roux Foto: Arnold Zabert

Die Idee des literarischen Menüs haben die Studenten Konstantin und Natalie aus Berlin wieder aufgegriffen. Es soll ihre Abschlussarbeit im Studiengang Kommunikationsdesign werden. So haben sie ihr Konzept beschrieben:

Uns fielen die vielen belletristischen Werke auf, in denen Essen eine wichtige oder sogar elementare Rolle spielt. Da das Lesen ebenso wie das Kochen einen wichtigen Platz in unserem Alltag einnehmen, haben wir darauf basierend unser Thema abgeleitet. Es geht uns darum eine »Kulinarische Reise durch die Literatur« zu inszenieren. Dazu werden wir Speisen ihrem belletristischen Ursprung entsprechend photographieren, zusammen mit den Elementen eines modernen Kochbuchs als »literarisches Kochbuch« gestalten sowie den hierfür definierten Anspruch an Dramaturgie und Kontext abschließend für ein Ausstellungskonzept adaptieren, um eine Auswahl der im Buch zusammengestellten Rezepte in besonderem Maße multimedial für den Besucher erlebbar zu präsentieren.

Aktuell sind die beiden noch dabei, Rezepte und Bücher zu sammeln. Außerdem müssen sie sich mit den Rechteinhabern in den Verlagen auseinandersetzen, und auch für die Rezepte brauchen sie eine Freigabe. Aber es gibt bereits den Lesefutterblog, in dem sie ihr Vorhaben illustrieren. Das Exposé dazu gibt es hier.

Da ich die gesamte Konzeption sehr interessant findet, will ich die beiden gern unterstützen. Als erstes habe ich eine Liste Literarisches Menü aller literarischen Menüs aus der „Petra“ geschrieben, die ich damals gesammelt und bis heute aufgehoben habe. Weitere Hilfe werde ich den Studenten gern geben, wenn sie Bedarf haben. Außerdem werde ich hier im Blauen Blog über den Fortgang der Arbeit berichten und zum Blog von Konstantin und Natalie verlinken. Mehr dazu demnächst an diese Stelle.

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