Zwischen Passion und Choucroute

Ein Tag in Colmar im Elsass: Eine Stadt, die für alles etwas bietet, für Geist und Körper und Auge. Beginnen wir mit dem Auge: Im Unterlinden-Museum hängt, besser steht, Matthias Grünewalds weltberühmter Isenheimer Altar. Ein Meisterwerk sakraler Kunst.

Isenheimer Altar im Museum Unterlinden in Colmar.
Isenheimer Altar im Museum Unterlinden in Colmar.

Der Altar steht im Kirchenschiff des ehemaligen Dominikanerinnenkloster Unterlinden – unter den Linden -, in dem heute eines der meistbesuchten Provinzmuseen von Frankreich untergebracht ist. An die 220 000 Besucher kommen jedes Jahr, die meisten, um den Isenheimer Altar, das Meisterwerk von Matthias Grünewald (etwa 1475 – 1525), zu sehen.

Die erste Schauseite des Isenheimer Altars.
Die erste Schauseite des Isenheimer Altars.

In dieser Position, mit der Kreuzigungsszene, ist der Altar am bekanntesten. So steht es dem Betrachter zunächst gegenüber, dieses Meisterwerk. Es zeigt den leidenden Christus am Kreuz, stellvertretend für alle Folteropfer der Welt. Ein Novum für diese Zeit, war die Kreuzigung doch in der Zeit zuvor ein fast aseptischer Vorgang. Der Isenheimer Altar zeigt das wahre Leiden Christi. Beeindruckt haben mich vor allem die Farben und die überaus kreative Gestaltung der Figuren. Jedes Detail ist überlegt und fein ausgearbeitet.
Neben der Kreuzigungsszene enthält der Isenheimer Altar eine Reihe weiterer Bildtafeln, die eindrucksvoll die große Kreativität des Meisters belegt. Der Altar ist als Wandelaltar angelegt, je nach Zeit im Kirchenjahr werden Tafeln geöffnet oder geschlossen. Ein kleines Modell an der Wand neben dem Altar zeigt die Variationen.

Das Modell des Wandelaltars.
Das Modell des Wandelaltars.

Besonders gut gefällt mir die sogenannte dritte Schauseite. Hier hat der Maler die Versuchung des heiligen Antonius dargestellt. Welcher Reichtum an Figuren sind die Unholde und grausamen Peiniger, die den Heiligen piesacken.

Die Versuchung des Heiligen Antonius.
Die Versuchung des Heiligen Antonius.

Eine Figur links unten ragt besonders heraus. Sie zeigt einen nackten, nur mit einer roten Kapuze bekleideten, dickbäuchigen Mann voller Geschwüre. Der Mann leidet am sogenannten Antoninusfeuer, der durch eine Mutterkornvergiftung hervorgerufenen Krankheit Ergotismus. Das Kloster von Isenheim nahm zur Entstehungszeit des Altars an Mutterkornvergiftung leidende Kranke auf und pflegte sie.

Der am Antoniusfeuer erkrankte Mann.
Der am Antoniusfeuer erkrankte Mann.

Wie stark sich Matthias Grünewald mit seinem Isenheimer Altar von seinen künstlerischen Vorläufern abhob und wie groß seine künstlerische Leistung ist, lässt sich im Unterlinden-Museum sehr gut sehen. Rechts und links vor dem Altar sind 24 Altarbilder aus der Werkstatt von Martin Schongauer (um 1445-1491) ausgestellt. Auch diese Bildtafeln sind sehr fein ausgearbeitet und beweisen viel Kreativität bei der Gestaltung der Figuren. Aber der Abstand zur Darstellung des Isenheimer Altars ist riesig: hier die fast noch etwas naiv anmutende Gestaltung aus Martin Schongauers Werkstatt und dort eines der größten Meisterwerke der abendländischen Kunst.

Die Geißelung Christi aus der Werkstatt von Martin Schongauer.
Die Geißelung Christi aus der Werkstatt von Martin Schongauer.
Eine weitere Bildtafel aus Schongauers Werkstatt.
Eine weitere Bildtafel aus Schongauers Werkstatt.

Nach so viel großer Kunst durfte es noch etwas für den Leib sein: deftiges Choucroute, das elsässische Sauerkraut mit Wurst und Schweinebacke. Dazu ein Spaziergang durch die Fachwerkgassen, und damit war ein Tag in Colmar wunderbar abgerundet.

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