Wählen gehen – eine moralische Verpflichtung

Mein kleines Bundesländle Schleswig-Holstein wählt heute einen neuen Landtag. Seit Wochen nerven Wahlkampftermine, Wahlkampfmails, Wahlkampf-Hauswurfsendungen, Wahlkampf-Anzeigen und Wahlplakate. Ich frage mich immer, wer sich wohl von dieser geballten Flut an Argumenten und Slogans in seiner Entscheidung beeinflussen lässt. Aber zumindest kann so niemand übersehen, dass heute Wahltag ist. Und in einem gibt es für mich keine Wahl: wählen zu gehen.

Argumente dafür gibt es viele: Wer meckert, muss auch wählen. Es ist der einzige Weg, um mitbestimmen zu können. Demokratie lebt von freien, gleichen und geheimen Wahlen. Wählen ist Bürgerpflicht. Alles richtig. Für mich zählt aber ein anderes Argument viel mehr. Wer nicht wählen geht, schmeißt die Freiheit weg. Die Freiheit, mitzubestimmen. Anderswo auf der Welt bezahlen Menschen mit ihrem Leben dafür, dass sie für freie Wahlen und Demokratie kämpfen. Das führen uns die Nachrichten jeden Tag plastisch vor Augen. Ob jetzt in Syrien, vor Monaten in Ägypten und Libyen oder im Verlauf der Geschichte in vielen Ländern der Welt. Selbst als es schon Wahlen – wie frei und geheim auch immer – gab, waren sie nicht gleich. Denken wir nur an die Suffragetten, die mutigen und aufrührerischen Frauen, die darum kämpften, das Wahlrecht zu bekommen, das die Männer schon lange hatten.

Wofür andere Menschen bereit sind zu sterben, das wirft man nicht so einfach weg. Deshalb nehme ich mein Wahlrecht immer wahr.

Noch eine Anmerkung zur Klage, es seien zu wenige Menschen bereit, heute ehrenamtlich als Wahlvorstände, landläufig Wahlhelfer, in den Wahllokalen zu arbeiten. Ich habe das selbst mal für eine Reportage gemacht. Wahlvorstand sein heißt, am Sonntag morgen um 7.30 Uhr zum Zwecke der Vereidigung und Einweisung im Wahllokal zu erscheinen, auch wenn man erst in der Nachmittagsschicht ab etwa 13 Uhr an der Reihe ist. Vorschlag zur Güte: Regelt das anders, damit Leute, die die ganze Woche über sehr früh aufstehen müssen, sonntags ausschlafen und trotzdem Wahlhelfer sein können. Dann ist vielleicht der eine oder andere mehr bereit, dieses Ehrenamt anzunehmen.

Einen sehr schönen, persönlich gefärbten Wahlaufruf hat soeben Fenja, das Mädchen auf’m Dach, verfasst. Sie spricht mir aus der Seele.

So, und jetzt gehe ich wählen.

Und warum nehmt Ihr Euer Wahlrecht wahr?

Ein Kommentar

  1. Liebe Susanne!

    Genau so und genau deshalb! Ich verstehe sehr gut, dass viele Menschen verunsichert und von so einem Wahlkampf, wie er stellenweise hier geführt wurde, genervt sind. Sich dann aber vor Augen zu führen, welch Privileg man durch das Nicht-Wählen wegwirft, ist sehr wichtig. Ich hoffe jedenfalls auf eine hohe Wahlbeteiligung und freue mich auf die ersten Hochrechnungen!

    Dir auch einen schönen Wahlsonntag!

    Fenja

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